Flüchtlinge auf dem Arbeitsmarkt: So ist die derzeitige Lage beim AMS Vorarlberg

Von Matthias Rauch (VOL.AT)
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Vieles hängt von der Ausbildung der Asylwerber ab. Vieles hängt von der Ausbildung der Asylwerber ab. - © MR
Feldkirch – Während Asylsuchende meist nicht arbeiten dürfen, ist der Arbeitsmarkt für Asylberechtigte in Österreich offen. Arbeit gibt es für sie vor allem in der Produktion und Gastronomie.

Asylwerbern ist der Zugang zum Arbeitsmarkt grundsätzlich verwehrt. Es gibt jedoch Ausnahmen, so ist es unter Gewissen Umständen möglich, eine Sondergenehmigung zu erhalten. Darunter fallen beispielsweise Jugendliche, die trotz laufendem Asylverfahren so eine Lehre beginnen können. Bei einem positiven Asylbescheid dürfen diese Flüchtlinge auch arbeiten – sofern sie Arbeit finden. Mit Ende Jänner 2016 waren 413 Asylberechtigte und Konventionsflüchtlinge in Vorarlberg beim AMS vorgemerkt.

Dies sind vor allem Flüchtlinge, die sich bereits seit längerer Zeit in Vorarlberg befinden – von den in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres nach Österreich geflohenen Personen haben bisland die wenigsten bereits einen gültigen Asylbescheid. So stammt derzeit noch jeder zweite arbeitssuchende Asylberechtigte im Ländle nicht aus dem Nahen Osten, sondern aus Russland.

Von Analphabeten bis zum Doktor

Auch bei der vorzeigbaren Schulbildung gibt es laut Thomas Metzler vom AMS Vorarlberg große Unterschiede, je nach Herkunftsland. Vor allem Personen aus Afghanistan können meist keine bis kaum Schulbildung vorweisen. Frauen wurde unter dem Terror-Regime der Taliban Bildung grundsätzlich verweigert und zudem wurden und sind viele Schulen und Universitäten geschlossen. Besser sieht es bei Iranern und Irakern aus. Betont wird vor allem das bis zum Bürgerkrieg gut entwickelte Bildungssystem in Syrien. “Einige der Syrerinnen, die bei uns vorgemerkt sind, haben beispielsweise ein Studium der Betriebswirtschaft, Mathematik, technischen Chemie, Architektur oder als Zivilingenieur”, erklärt Metzler.

Herausforderungen gibt es dennoch bei der Vermittlung. Bei einem in Österreich reglementierten Beruf ist eine sogenannte Nostrifizierung zwingend notwendig, um den Beruf ausüben zu dürfen. Dazu zählen beispielsweise medizinische oder Lehrberufe. Auch sonst erleichtere eine österreichische Anerkennung der Ausbildung das Finden eines Jobs. Grundsätzlich stünden die Unternehmen der Beschäftigung von Asylberechtigten offen gegenüber, es hänge jedoch auch stark vom jeweiligen Personalbedarf ab.

Vor allem in Produktion und Gastronomie tätig

Bei der Beschäftigung von Asylberechtigten zeigen sich bereits erste Trends. So sind Personen aus dem Nahen Osten, sprich Afghanistan, Irak, Iran und Syrien vor allem in der Warenproduktion, Hotellerie und Gastronomie, im Baugewerbe, Einzelhandel sowie im Gesundheitswesen tätig. Auch in Personalleasing-Unternehmen sind Asylberechtigte beschäftigt.

Unter den arbeitssuchenden Asylberechtigten waren im Ländle Ende Jänner 136 Jugendliche im Alter von 15 bis 24 Jahre. Davon befinden sich laut dem AMS Vorarlberg ein Drittel in Vorbeitung auf eine Lehrausbildung. Davon kommen aus Afghanistan, Iran, Irak und Syrien 49 Jugendliche. Von diesen befinden sich ebenfalls ein Drittel in der Vorbereitung auf eine Lehrausbildung. “Einige der jugendlichen Flüchtlinge streben nur eine Hilfstätigkeit an und möchten keine Ausbildung/Lehre absolvieren”, gesteht Metzler ein. Zum Teil fehle es auch an den notwendigen Deutschkenntnissen für eine Lehre.

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