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Fitnesstraining zum Nulltarif

Fitnesstraining zum Nulltarif © M. Gmeiner
Fahrradfahren hält jung. Ehrentraud Zuchristian ist das beste Beispiel dafür.

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An ihr erstes Fahrrad kann sich Ehrentraud Zuchristian noch genau erinnern. „Mit zehn Jahren bekam ich von meinem Großvater ein Fahrrad geschenkt. Früher war es Kindern jedoch erst mit zwölf Jahren gestattet, auf der Straße zu radeln“, erzählt die Rankweilerin. Und da ihr Großvater ein ehemaliger Gendarm war, durfte Klein-Ehrentraud das Fahrrad zwei Jahre lang nur anschauen. Schier unendliche zwei Jahre für ein kleines Mädchen, doch danach gab es für die heute 71-Jährige kein Halten mehr: „Ich bin dann im Sommer jeden Tag mit dem Rad in die Hauptschule nach Feldkirch gefahren. Im Winter erlaubten es mir meine Eltern nicht, da sie es zu gefährlich fanden.“

Die Frisur sitzt

Heute ist sie bei Wind und Wetter auf einem ihrer drei Fahrräder unterwegs. „Ich habe eine Frisur, mit der ich nass werden darf und einen Regenmantel“, schmunzelt sie. Nur wenn die Straßen vereist sind, verzichtet Ehrentraud Zuchristian mittlerweile auf ihre täglichen Ausfahrten. Nicht etwa weil es zu kalt wäre, „aber stürzen muss nicht sein. Ich kann mir eine Verletzung einfach nicht leisten.“ Besonders deshalb nicht, weil sie seit sechs Jahren mit viel Hingabe ihre 100-jährige Tante pflegt. Beim Fahrradwettbewerb ist die agile Pensionistin seit dem Start im Jahr 2008 dabei, hat in drei Jahren exakt 5357 Kilometer zurückgelegt. Ein paar Tausend werden heuer mit Sicherheit wieder dazukommen. „Eintragen muss es aber mein Mann - technisch bin ich nicht so versiert“, gesteht die 71-Jährige. „Wenn ich eine Woche nicht eingetragen habe, dann bekomme ich ein Erinnerungsmail“, fügt Gatte Elmar hinzu. Ein Auto besitzen die Zuchristians zwar, „aber das nehmen wir höchst selten“. Weniger als 50.000 Kilometer hat der bald zwölf Jahre alte Opel auf dem Tacho. Nicht einmal für Einkäufe greifen sie auf den Benzinfresser zurück. „Ich muss kein Wasser kaufen, weil wir Leitungswasser trinken. Ich muss keine Säfte kaufen, weil ich die selber mache. Und den Wein bekomme ich geliefert“, zählt die Rankweilerin auf. „Eigentlich brauchen wir das Auto nur, um die Fahrräder an den Urlaubsort zu bringen.“ Die Toskana, Kreta, Zypern, Griechenland, Portugal, das Elsass, Malta oder Kroatien haben die Eheleute bereits mit dem Zweirad erkundet. Wen wunderts da, dass die beiden Sportler unter den Ersten in Vorarlberg waren, die einen Fahrradträger für das Auto hatten: „Das war eine Spezial­anfertigung. Ein Schweizer Rennradfahrer hatte die ausgetüftelt.“ Mit Respektabstand seien die anderen Verkehrsteilnehmer den Zuchristians anfangs begegnet. „Die hatten Angst, dass die Fahrräder runterfallen“, erinnert sich die 71-Jährige.

Der Kirchberg-Test

Mittlerweile geht es Ehrentraud Zuchristian längst nicht mehr um die zurückgelegten Kilometer. „Ich fahre nur noch zum Vergnügen. Außerdem ist Fahrrad fahren das beste und billigste Training“, sagt sie. Ein Elektrorad ist für sie bisweilen daher kein Thema. „Solange ich den Kirchberg noch hinaufkomme.“ Diese Probe musste dann auch das neueste Mitglied im zweirädrigen Fuhrpark bestehen, bis Gatte Elmar ihr zum Siebziger endlich eines schenken durfte: „Ich musste meine Frau lange überreden.“ Und die fügt hinzu: „Ich hätte ja keines gebraucht. Mein 20 Jahre altes Rad tut noch gute Dienste. Aber mein Mann will einfach nicht, dass ich mit einem schlechteren Fahrrad unterwegs bin als er.“ Wenn das nicht Liebe ist.

ZUR PERSON

Ehrentraud Zuchristian ist leidenschaftliche Fahrradfahrerin und seit 2008 beim Fahrradwettbewerb dabei Geboren: 14. August 1940 Wohnort: Rankweil Beruf: Pensionistin, Hausfrau, war u. a. Sekretärin des Rankweiler Bürgermeisters Familie: verheiratet mit Elmar, zwei Kinder (Sohn 43 Jahre, Tochter 46 Jahre), drei Enkelkinder Hobbys: Schwimmen, Wandern, walken, Aufenthalt in der Natur

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