„Feuer für die Sache muss brennen“

„Feuer für die Sache muss brennen“
Warum Scheitern erlaubt ist und auf welche Dinge Jungunternehmer achten sollten. 

„In unserer Gesellschaft ist das unternehmerische Scheitern immer noch ein Tabu. Es gehört jedoch dazu“, schildert Chris Alge, seines Zeichens erfolgreicher Unternehmer. Da der „High 5“-Geschäftsführer mit seiner ersten Selbstständigkeit in frühen Jahren gescheitert ist, weiß er wovon er spricht – nämlich von den Sonnen- und Schattenseiten des Unternehmertums. Der 52-Jährige sieht Scheitern als Chance, und dass Fehler wichtig für den künftigen Erfolg sind. Denn, Unternehmergeist brauche Tatendrang und Innovation, aber auch Mut zum Risiko. Für Junggründer reflektiert er seine Erfahrungen.

Große Leidenschaft
„Die wichtigste Voraussetzung für die Unternehmensgründung ist aber, dass das Feuer für die Sache brennt“, verrät der Outdoor-Pionier einen Grund, warum er sich für die Gründung eines zweiten Unternehmens entschieden hat. Diese Leidenschaft gehört dazu, denn als Unternehmer muss man auf eine Berg- und Talfahrt eingestellt sein. „Von zehn Ideen sind sieben so làlà, zwei Ideen laufen gut und nur eine Idee ist ein voller Erfolg. Damit müssen alle Unternehmer rechnen“, plaudert der Abenteurer über seine Erfahrungen.

Netzwerken gehört dazu
Damit aus einer Idee ein Unternehmen entsteht, sind kritische Rückmeldungen von Freunden und Familie gefragt. Business Angels, Mentoren oder erfahrene ältere Unternehmer können mit ihrem Erfahrungsschatz weiterhelfen, eventuell sogar mit einer Geldinvestition. Hilfreich sind auch andere Jungunternehmer, die die gleichen Sorgen und Interessen haben. „Ein Netzwerk aufzubauen, ist wichtig. Neben dem Erfahrungsaustausch lassen sich auf diesem Weg auch Freunde finden“, so Alge, und gibt den Tipp, sich an die „Junge Wirtschaft“ der Wirtschaftskammer Vorarlberg zu wenden.

Profil für Selbstständige
Junge Menschen, die offen sind, in der Gegenwart leben und auch einen Blick in die Zukunft werfen, sind als selbstständige Gründer erfolgreicher. Eine Prise Selbstsicherheit, unternehmerisches Denken sowie Risikobereitschaft runden das Persönlichkeitsprofil eines Unternehmensgründers ab.

Fokus auf Fähigkeiten
Weiters gibt Chris Alge zu bedenken, dass sich Jungunternehmer von Anfang an auf das konzentrieren sollten, was sie besonders gut können. Alles andere sollte an Fachspezialisten ausgelagert werden. Ist das Unternehmen auf Wachstumskurs, gilt es einen Partner zu finden, der mitgeht und ebenfalls an die Sache glaubt. Apropos Wachstumskurs: Entwickelt sich das Start-up wirtschaftlich so gut, dass erste Mitarbeiter angestellt werden können, kommt das Delegieren von Aufgaben auf den Gründer zu. „In dieser Situation muss abgewägt werden, welcher Führungsstil zum Unternehmen und auch zur eigenen Persönlichkeit passt. Man muss sich allerdings im Klaren sein, welcher Führungsstil – von autoritär bis kollegial – welche Auswirkungen auf das eigene Unternehmen hat“, gibt Chris Alge einen weiteren Denkanstoß. Damit das Unternehmen auf Erfolgsspur bleibt, sind Innovationen das Um und Auf. „Wenn ich daran denke, dass vor 20 Jahren das Bungeejumping mein Hauptgeschäft war und es heute nur noch zehn Prozent ausmacht“, schmunzelt der Erfinder der outdoortrophy über die Entwicklung seines Unternehmens. Damit er die Entwicklungen auf dem Markt nicht verschläft, war und ist Chris Alge auf der gesamten Welt unterwegs. Die Augen offen haltend nach neuen Ideen, die auch für das eigene Unternehmen adaptiert werden könnten.

Intuition nicht vergessen
Auf was Unternehmer jedenfalls hören sollten, ist die Intuition. Das eigene Bauchgefühl oder der sechste Sinn ist eine Ureigenschaft, die in verschiedensten Situationen bei der Entscheidungsfindung hilft, obwohl noch nicht absehbar ist, was richtig oder falsch ist. Die Intuition basiert auf den Erfahrungen. Und diese werden jeden Tag gesammelt, weil „ein Unternehmer lernt dazu, jeden Tag. Ob er will oder nicht“, so Alge schmunzelnd.

Leidenschaft gehört dazu, denn Unternehmer müssen auf eine Bergund Talfahrt eingestellt sein. Chris Alge

Neugründer schaffen viele Arbeitsplätze
Neugegründete Unternehmen bringen auch neue Beschäftigung. 2015 wurden laut Statistik Austria rund 23.000 neue Arbeitgeberunternehmen in Österreich gegründet. Im Schnitt wurden pro neugegründetem Arbeitgeberunternehmen 3,5Arbeitsplätze geschaffen. Der Großteil der Neugründungen (rund 85 Prozent) fand im Dienstleistungsbereich statt. Im produzierenden Bereich war in der Baubranche die höchste Neugründungsrate zu verzeichnen. 86,6 Prozent der Arbeitgebergründungen hatten im Jahr der Gründung zwischen einem und vier Beschäftigte, 9,4 Prozent wurden mit fünf bis neun Arbeitnehmern gegründet, und nur vier Prozent entfielen auf Gründungen mit zehn oder mehr Arbeitnehmern. In Vorarlberg wurden knapp 1000 Unternehmen gegründet. Die Statistik identifiziert nicht nur Unternehmen, die bereits zum Zeitpunkt der Gründung einen Beschäftigten hatten, sondern auch jene, die erst im Laufe der Zeit zu Arbeitgebern wurden.  529 neue Unternehmen stärken die Wirtschaft in Vorarlberg  

Mit über 500 Gründungen im ersten Halbjahr könnte es heuer einen Gründungsrekord im Land geben.
In Österreich wurden in der ersten Jahreshälfte 16.324 Unternehmen gegründet, ein Plus von 5,8 Prozent. Einen überproportionalen Anteil an dem Gründungsrekord hat Vorarlberg. 529 Unternehmen wurden hier in den ersten sechs Monaten 2016 gegründet, das sind um 8,6 Prozent mehr als noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Die Dynamik könnte sich noch steigern. Die Landesregierung hat nämlich ihre Wirtschaftsförderungsrichtlinien optimiert und die wurden mit 1. Juli in Kraft gesetzt. Gedacht wurde dabei an Unternehmensgründer, aber drei weitere Schwerpunkte sollen die Wirtschaftskraft der Region stärken. » Jungunternehmerförderung neu: Bei der Änderung wurde eine wesentliche Forderung der Jungen Wirtschaft umgesetzt. Wurden bisher Investitionen von Jungunternehmern ausschließlich dann gefördert, wenn sie durch einen Bankkredit finanziert wurden, können nun auch Eigenmittel- oder Leasingfinanzierungen einen Landeszuschuss erhalten.

Die Mittel sind budgetiert. Wenn dabei mehr als in den vergangenen Jahren ausbezahlt werde, sei das ganz im Sinne des Landes, so Wirtschaftslandesrat Karlheinz Rüdisser, der hofft, mit der neuen Förderung den Gründungsboom im heurigen Jahr weiter zu beflügeln. Daneben gebe es weitere Förderungen für Gründer, z. B. vom Bund. » Förderung für ortsübergreifende Initiativen: Spezielles Augenmerk wird in der neuen Richtlinie auf die Förderung überörtlicher Wirtschaftsinitiativen gelegt, gedacht wurde dabei an Zusammenschlüsse wie „am Kumma“, Wirtschaft im Walgau, im Vorderland oder im Hofsteig, die zusammen deutlich mehr Schlagkraft entwickeln. » Beratungsförderung für KMU: Optimiert wurde auch die Beratungsförderung für kleine und mittlere Unternehmen. 45 bis 50 Firmen nehmen diese Unterstützung in Anspruch, um ihre Unternehmen in den verschiedensten Bereichen zukunftsfit zu machen, von der Produktion bis zur Positionierung am Markt. Die bisherige Deckelung des Tagesbetrags wurde zugunsten einer Deckelung für die gesamte Beratung abgeschafft.

Service für kleinste Firmen
Kostenlose Besprechungszimmer für Einpersonenunternehmen im Wifi Dornbirn und Hohenems war eine der Neuerungen, welche die Wirtschaftskammer Vorarlberg für EPU einführte. Das ermöglicht Unternehmern, die ihr Geschäft aus den eigenen vier Wänden betreiben, Geschäftstermine in einem professionellen Umfeld. Zudem engagiere sich die Kammer, um die soziale Absicherung der Kleinunternehmen zu verbessern. Durch die Absenkung des Eingangssteuersatzes werden gerade die kleinsten Unternehmen entlastet, betonte die Wirtschaftskammer zu Jahresbeginn. Sie lobte auch, dass es gelungen sei, die Mindestbeitragsgrundlage in der Krankenversicherung auf das Niveau der ASVG-Versicherten zu senken: Das bringe eine Ersparnis für Tausende kleine EPU.“ Dieses Geld könne in die Weiterentwicklung der Geschäftsidee investiert werden. Auch die schrittweise Senkung der Pensionsversicherungsgrundlage für die Kleinstunternehmer ab dem Jahr 2018 sei ein Erfolg, der wiederum Mittel frei werden lasse.

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