27. Oktober 2012 01:59; Akt.: 27.10.2012 20:10

Felix Baumgartner schilderte im TV Stratos-Sprung

Felix Baumgartner schilderte im TV Stratos-Sprung
Stratosphären-Springer Felix Baumgartner ist am Freitag in seine “alte” Heimat Salzburg zurückgekehrt. Der 43-jährige Extremsportler wurde nach der Landung am Salzburger Flughafen im “Hangar-7″ mit heftigem Applaus empfangen.

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Dort sprach er in der Live-Talkshow von Servus TV mit Mitgliedern des Stratos-Teams über die bewegendsten Momente seines Rekordsprungs aus 39.045 Meter Höhe am 14. Oktober.

Nicht so locker

Im Laufe der Sendung schilderten die Mitglieder des Red-Bull-Stratos-Teams ihre Eindrücke und Gefühle während der spektakulären Mission. So locker wie es geschienen haben mag, sei er nicht gewesen, gestand Baumgartner. “Nach fünf Jahren Vorbereitungszeit raus auf die Bühne und die ganze Welt sieht zu. Du darfst dir keinen Fehler erlauben. Die ungeheure Disziplin, nicht krank zu werden, ist Kräfte raubend.” Bis die Kapsel aufgestiegen sei, habe er schon viel Energie gebraucht, dann traten noch Probleme mit der Visierheizung auf, “und das Ganze war live im Fernsehen”.

Baumgartner schildert Probleme

Die Probleme mit der Visierheizung wurden dann noch einmal zum Thema. Der Techniker für lebenserhaltende Maßnahmen, Mike Todd, meinte, ohne den kleinen “Strohhalm”, den Baumgartner in Händen hielt, um Sauerstoff auf das Visier zu blasen, hätte er es nicht geschafft. “Felix hat unsere Empfehlungen umgesetzt – wir hatten in diesem Moment große Angst, und er sprang. Wir hatten einen Schutzengel”, sagte Baumgartners Mentor Joe Kittinger. Der Sprung selbst sei extrem gefährlich gewesen, gab Todd zu bedenken.

Felix hat alle Probleme gelöst

Der Salzburger selbst hatte das “Trudeln”, in das er nach dem Absprung aus der Kapsel geraten war, als extrem empfunden – er zählte 22 Umdrehungen. “Das war sehr anstrengend für den Körper und schwierig zu meistern.” Mit Kittinger geriet er während des freien Falles in Streit, weil dieser ihn zum Reden aufgefordert hatte. “Du fliegst mit 1.350 km/h (1.342,8 km/h, Anm.) in Richtung Erde und musst noch erzählen wie es dir geht.” Baumgartner erzählte, dass sein Visier langsam begann, sich zu beschlagen. “Ich habe bei 5.200 Fuß die Reißleine gezogen. Es ist sich gerade noch ausgegangen.” Dazu Kittinger anerkennend: “Niemand außer Felix hätte den Sprung machen können – er hat alle Probleme gelöst, ich hätte es nicht besser gekonnt.”

Seitenhieb auf ORF

Einen Seitenhieb bekam der Physiker Werner Gruber ab, der sich kritisch zu dem Stratos-Projekt geäußert und den wissenschaftlichen Nutzen infrage gestellt hatte. Gruber sei im ORF eher als Komiker eingesetzt worden, bedauerte Baumgartner. In der Talk-Show von Servus TV war man bemüht, die wissenschaftliche Bedeutung der Mission hervorzuheben. Baumgartner habe gezeigt, dass man mit dem Körper die Schallmauer durchbrechen und das überleben kann, sagte der medizinische Leiter des Stratos-Teams, Jonathan Clark. Vier verschiedene Teams an vier verschiedenen Stellen hätten den Überschall-Knall gehört, als Baumgartner aus der Schallmauer herausgekommen sei. “Niemand hat erwartet, das zu hören.”

Stratos nützt sehr wohl

Betont wurde auch in der Livesendung, dass das Stratos-Projekt dazu beitrage, durch neue, beweglichere Raumanzüge und Pläne für Notausstiege die Raumfahrt sicherer zu machen, ebenso das Fallschirmspringen. Die Zukunft werde zeigen, dass es nicht nur eine Vision der Rekorde, sondern eine Vision im Dienste der Wissenschaft war, sagte Skydiving-Berater Luke Aikins. Professor Ulrich Walter, Raumfahrttechniker an der TU München, bezeichnete das Projekt als “wichtigen Mosaikstein”. “Wir können jetzt bessere Druckanzüge im Weltraum benutzen.” Ausgeräumt wurde in der Show auch mit dem Gerücht, wonach die Gesamtkosten der “Red Bull Stratos Mission” 50 Millionen Euro betragen hätten. “Das ist absolut übertrieben”, konstatierte der technische Leiter Art Thompson. Und dass der erfolgreiche Sprung ausgerechnet zur Prime Time im TV erfolgte, sei genauso ein Zufall gewesen wie die Tatsache, dass am Tag genau 65 Jahre zuvor der Pilot Chuck Yeager mit einem experimentellen Raketenflugzeug als erster Mensch überhaupt Überschallgeschwindigkeit erreicht hatte.

Daten werden veröffentlicht

Baumgartner hat den Sprung ohne körperliche Folgen überstanden. In den nächsten Wochen werden noch Projektdaten ausgearbeitet. Der Salzburger erzählte in der Show, dass seine Mutter der erste Sponsor in seinem Leben war. Sie steckte ihm für das Fallschirmspringen Geld von seinem Vater zu – “heute ist das Geheimnis gelüftet”. Sein größtes Problem beim Stratos-Projekt war, sein Leben in die Hände anderer zu legen, schilderte Baumgartner. “Ohne mein Team hätte ich es nicht geschafft.” Für ihn sei die Mondlandung immer noch die Benchmark weltweit – “das ist für mich eine ganz andere Liga”. Mit dem Stratos-Projekt sei das Image Österreichs angehoben worden, sagte Baumgartner gegen Schluss der Sendung. Mit dem Projekt habe man mehr getan als Österreichs Politiker in zehn Jahren. Der Salzburger hat mit seinem Sprung aus der Stratosphäre als erster Mensch im freien Fall die Schallmauer durchbrochen und zwei weitere Rekorde aufgestellt: Für den höchsten Fallschirmsprung und für die höchste bemannte Ballonfahrt.

“Welt hielt den Atem an”

Samstagmittag trat er mit seinem Team bei einer Pressekonferenz auf. “Die Welt hat den Atem angehalten”, sagte der Österreicher über seinen Rekordsprung vor Medien. Darauf sei er stolz. “Da wurde mir klar, was wir erreicht haben”, so Baumgartner über den Moment nach der Landung.

Lässig wie immer

“Es war ein überwältigender Blick”, sagte Baumgartner bei einer Pressekonferenz am Samstag über die Zeit kurz vor dem Absprung. “Du weißt, du hast viel erreicht. Und jetzt musst du den Sprung machen, ein Sprung ins Unbekannte”, sagte Baumgartner.

Salzburg. Der 43-Jährige zeigte sich bei dem Medientermin mit seinem Team im Red-Bull-”Hangar 7″ entspannt. Am Tag zuvor war er am selben Ort gefeiert worden. Vor zahlreichen nationalen und internationalen Journalisten gab sich Baumgartner stolz über seine Leistung: “Die Welt hat den Atem angehalten” , so der Salzburger, lässig in Jeans und weißem T-Shirt gekleidet.

“Ein fantastischer Sprung”

“Ich hatte die letzte Entscheidung, ich bin der, der das Leben riskiert”, sagte Felix Baumgartner. “Und das war ein fantastischer Sprung, der in die Geschichte eingehen wird. Nicht nur wegen der Höhe und der Geschwindigkeit auch wegen der Präzision”, betonte Joe Kittinger. “Ein normaler Basejumper hätte das nicht hinbekommen. Felix ist unglaublich gut trainiert”, sagte Mike Todd, Techniker für lebenserhaltende Maßnahmen.

Knall war zu hören

Dass Baumgartner einen Überschallknall verursacht haben dürfte, zeigte neben mehrerer Zeugen auch eine Tonbandaufnahme, auf der ein dumpfer Knall zu hören war. “Ich habe nichts gespürt und gehört. Man hat mir gesagt, dass man eine Schockwelle spürt, aber da war nichts”, berichtete der 43-Jährige. Weil der menschliche Körper so klein sei, höre man das eigentlich nicht, so Art Thompson, doch das Aufnahmeteam sei zufällig genau unter Baumgartner gestanden.

Nach “Red Bull Stratos” geht auch für das Team der Alltag wieder los. “Wir werden alle neue Herausforderungen finden, aber nie mehr eine so tolle Challenge”, sagte Kittinger.

Baumgartner sieht mit “Stratos” das Ende seiner Karriere als Basejumper. “Ich bin am Ende meiner Reise angekommen. Ich habe dieses Kapitel erfolgreich abgeschlossen.” Der Salzburger wir sich der zweiten Hälfte seines Lebens als Hubschrauberpilot widmen, ein Buch veröffentlichen, das Angebot als UNO-Sonderbotschafter annehmen und vielleicht eine Familie gründen. Das Interesse an der bemannten Raumfahrt hat er allerdings nicht verloren. “Das wäre eine spannende Aufgabe.” Die Kapsel von Baumgartner soll im “Hangar 7″ ausgestellt werden.

Stratos-Team in Salzburg

Der 43-Jährige wurde von seinem Team begleitet. Sein Mentor Joe Kittinger, der technische Leiter der “Red Bull Stratos”-Mission Art Thompson, der medizinische Leiter Jonathan Clark, der Techniker für lebenserhaltende Maßnahmen, Mike Todd, Skydiving-Berater Luke Aikins sowie Baumgartners rechte Hand Andy Walshe kamen mit in die Mozartstadt.

Felix auf Tour

Baumgartner tourte zunächst durch amerikanische Talkshows, ehe er Freitagabend erstmals wieder in Europa landete. “Erstens bin ich froh, dass das Ganze glücklich geendet hat”, zeigte er sich erleichtert. Er freute sich, wieder hier in Salzburg zu sein, und “dass viele Freunde und Bekannte da sind”.

(APA)



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