Zwist um Tostner-Burg-Pläne

Im August wurde die Dachkonstruktion per Helikopter angeliefert.
Im August wurde die Dachkonstruktion per Helikopter angeliefert. - © VN/Hatinger
Stadtvertretung ebnet mit knapper Mehrheit Weg für Aussichtsplattform.


Feldkirch Die Tostner Burg ist ein beliebtes Ziel für Erholungssuchende in Feldkirch. Bereits seit über 80 Jahren kümmert sich der Heimatpflege- und Museumsverein Feldkirch als Besitzer um den Erhalt und die Bewahrung des Kleinods. Das kann mitunter auch teuer werden. So musste im letzten Jahr der Bergfried eingedeckt werden, um die Mauern zu schützen. Mehrere Helikopterflüge waren dazu notwendig. Diese Eindeckung bietet dem Verein jetzt aber auch eine Gelegenheit: Wie schon bei den damaligen Flügen kommuniziert wurde, könnte man auf dem Bergfried eine Aussichtsplattform schaffen. Dieses Ansinnen wird nun augenscheinlich vorangetrieben, denn in der vergangenen Stadtvertretungssitzung hat der zuständige Stadtrat Thomas Spalt einen Antrag auf Umwidmung gestellt. 164 Quadratmeter Freifläche sollen in Sonderfläche Tostner Burg umgewandelt werden. Geplant ist nun die museale Nutzung des Turms. Innen soll eine Holztreppe gebaut werden, die auf eine Aussichtsplattform führen soll. Vorhandene Öffnungen im Turm sollen verglast werden. Von außen wäre die Konstruktion nicht sichtbar, im Außenbereich würde sich nichts ändern.

Dohlen-Kolonie gefährdet

Das Projekt erfuhr in der Stadtvertretung doch erheblichen Gegenwind. Denn eine Stellungnahme der Abteilung Umwelt- und Klimaschutz stellt dem Projekt in einer Hinsicht ein schlechtes Zeugnis aus: Durch die geplanten Eingriffe würde, kann man lesen, eine von nur drei Dohlen-Nistkolonien in Vorarlberg gefährdet werden. 18 bis 24 Dohlen nisten laut Zählung im Biotop Tostner Burg, das wäre die größte Population im Land. Die Dohle ist in Vorarlberg als gefährdete Tierart eingestuft. Zudem würden Nistplätze von Turmfalken und Waldkäuzen, die sich in den Mauerresten finden, wohl unwiederbringlich verloren gehen. Auch Sicherungsmaßnahmen könnten den Erhalt der Vogelkolonie nicht gewährleisten. Es wäre, so der Bericht, jedenfalls eine Umweltverträglichkeitsprüfung durchzuführen. Die Aussichten scheinen nicht besonders gut, denn im letzten Absatz heißt es: „Aus Sicht des Naturschutzes ist das geplante Vorhaben klar negativ zu beurteilen.“

Knappe Mehrheit

Nichtsdestotrotz stimmte eine knappe Mehrheit für die Umwidmung und folgte damit der Argumentation von Spalt, der betonte, dass mit der Einleitung des Umwidmungsverfahrens noch keine Bewilligung verbunden sei. Vielmehr laufe nun ein UVP-Verfahren an, in dessen Zuge man Gutachten erhalte, die bei der Entscheidungsfindung helfen könnten. Denn am Ende müsse die Politik abwägen, ob das öffentliche Interesse an den Maßnahmen schwerer wiege als die Bedenken des Umweltschutzes.
Gegen das Projekt stimmten Feldkirch blüht, die Neos, die SPÖ sowie Gertrude Tiefenthalter von der ÖVP. Letztere sprach sich als Stadtvertreterin gegen die „Zerstörung eines Biotops“ aus. Ähnlich argumentierte die grüne Stadträtin Marlene Thalhammer, die auch bei Einhaltung möglicher Minderungs- und Ausgleichsmaßnahmen einen „zu großen Eingriff“ und den Verlust der Dohlenkolonie befürchtet. Neos-Vertreter Georg Oberndorfer argumentiert zudem, dass es „genug andere Möglichkeiten gibt, den Blick auf Feldkirch von oben zu genießen“. Angesichts der Stellungnahme des Landes sei anzunehmen, dass der mögliche Schaden an der Natur in keinem Verhältnis zum öffentlichen Interesse stehe.

Begehung steht im Raum

Die Umwidmung wurde letztlich eingeleitet und es dürfte eine weitere Diskussion folgen. Beim Verein zeigt man sich zuversichtlich, dass der Mehrwert des Projekts den Stadtvertretern in einer Begehung erklärt werden kann. Es gebe nur eine negative Stellungnahme. Dabei habe die Zahl an Dohlen während der Instandhaltung zu- und nicht abgenommen. VN-gms
Feldkirch Ein weiteres Grundstücksgeschäft sorgte in der Sitzung für Diskussionen. Die Stadt verkauft zwei Grundstücke (Baumischgebiet) beim Grenzübergang Nofels an einen Autohändler zum Bau einer Werkstatt. Für einige Stadtvertreter wären die zusätzliche Verkehrsbelastung und die Standortcharakteristik Grund, den Verkauf abzulehnen. SPÖ-Stadtvertreterin Brigitte Baschny regte an, dort sozialen Wohnbau zu betreiben. Georg Oberndorfer (Neos) bezeichnet das Projekt als „raumplanerischen Rückschritt in die 70er-Jahre“. Die Grünen kritisierten Lage und Verkaufspreis. In der Nachbarschaft habe man schon 450 Euro pro Quadratmeter bezahlt, die Stadt verlange 400 Euro für 660 Quadratmeter, so Marlene Thalhammer. STR Wolfgang Matt (ÖVP) erklärte, dass sich hier laut Standortüberprüfung Synergien ergäben. Die Widmung lasse einen Werkstattbetrieb mit Handel zu. Der Lärmschutz für umliegende Grundstücke werde sogar verbessert. Am Ende wurde der Verkauf gegen die Stimmen von Feldkirch blüht, Neos, SPÖ, WIR und der Stadtvertreter Renate Geiger (FPÖ) und Gertrude Tiefenthaler (ÖVP) beschlossen.

VN-Gms

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