Organspendenskandal auch in Vorarlberg möglich? Ärzte beruhigen

Von Markus Sturn (VOL.AT)
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Primarius Karl Lhotta vom LKH Feldkirch gibt Entwarnung Primarius Karl Lhotta vom LKH Feldkirch gibt Entwarnung - © VOL.AT/Sturn
Innsbruck, Feldkirch - Der Skandal beschäftigt Deutschland seit Tagen: Zwei Ärzte an der Universitätsklinik Göttingen werden verdächtigt, Patientendaten gefälscht zu haben, um sie auf der Warteliste für Organtransplantationen weiter nach oben zu bringen. Wäre so etwas auch in Vorarlberg denkbar? VOL.AT fragte nach.

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Professor Robert Öllinger ist stellvertretender Leiter der Transplantationschirurgie an der Universitätsklinik Innsbruck. Als solcher ist er unter anderem auch für die Zuteilung der Transplantationsorgane in Westösterreich zuständig. Einen Skandal wie in Deutschland hält er für unmöglich, weil hierzulande ein völlig anderes Zuteilsystem verwendet werde. Demnach verlasse man sich in Deutschland fast ausschließlich auf den „Meld-Score“, ein auf der Grundlage verschiedener Parameter ermittelter Punktewert. Der Patient mit dem höchsten Meld-Score in einer Blutgruppe erhält dann automatisch das verfügbare Organ. Im Gegensatz dazu werden in Österreich noch andere Faktoren miteinbezogen, etwa Größe und Alter des Transplantationsorgans und die Grunderkrankung des Betroffenen. Die Entscheidung darüber, wer das Organ letztendlich erhält, fällt ein interdisziplinäres Team, bestehend aus einem Chirurgen, einem Internisten und einem Anästhesisten.

Österreich: Keine Konkurrenz um Organe

Verschärft werde die Lage in Deutschland noch durch die Konkurrenz mehrerer Abteilungen um dieselben Organe, wie Öllinger meint. In Kombination mit dem dort geltenden Zuteilungssystem ergeben sich dadurch Anreize, Patienten durch Manipulation einen höheren Meld-Score und damit eine bessere Position auf der Warteliste zu verschaffen. Anders stellt sich die Lage in Westösterreich dar. Rund 95 Prozent der in Innsbruck entnommenen Organe werden auch dort wieder verpflanzt. Konkurrenz um Organe gebe es somit keine. Auch die Mitgliedschaft bei Eurotransplant stelle kein wirkliches Problem dar. Über Eurotransplant tauschen Transplantationszentren in insgesamt sieben Staaten, darunter auch Deutschland und die Benelux-Länder, Informationen über verfügbare Organe aus. Dabei werde aber immer darauf geachtet, dass jedes Zentrum genauso viele Organe erhält, wie es im Laufe eines Jahres hergibt. Es finde somit kein „Nettoexport“ an Organen aus Österreich statt, wie Öllinger betont. Ob er das Vertrauen in die Ärzte in anderen Eurotransplant-Staaten noch besitzt? „Absolut, weil ich davon ausgehen, dass es sich bei den Vorfällen in Göttingen um Einzelfälle handelt.“

Fehlverhalten bei Nierentransplantation „dezidiert auszuschließen“

Ähnlich sieht das Primarius Karl Lhotta, Leiter der Abteilung für Nephrologie und Dialyse am Landeskrankenhaus Feldkirch. Ein Fehlverhalten wie in Deutschland könne man „zumindest für die Nierentransplantation dezidiert ausschließen.“ Aber auch bei Lebertransplantationen hält er für das Risiko nicht für besonders groß. Es seien so viele Menschen in die entsprechenden Entscheidungen eingebunden, dass es relativ rasch auffallen würde, wenn „Patienten immer nach vorne rutschen“. Wie Öllinger sieht auch Lhotta eine Ursache des Skandals in den Besonderheiten des deutschen Systems. Im Vergleich zu Österreich warte man bisweilen doppelt so lange auf ein geeignetes Organ, was den Druck auf die alle Beteiligten wesentlich erhöhe. Deutschland hat im Unterschied zu Österreich ein Zustimmungssystem, d.h. potenzielle Organspender müssen dezidiert als solche ausgewiesen sein. In Österreich gilt hingegen die Widerspruchsregelung: Jeder ist ein potenzieller Organspender, solange er oder sie nicht nachweislich zu Lebzeiten Einspruch erhebt, etwa durch Eintragung in einen zentralen Widerspruchsregister. Der Pool an möglichen Spendern ist deswegen im Verhältnis größer als in Deutschland.

Bislang keine Auswirkungen auf Spenderverhalten

Weder Öllinger noch Lhotta bemerken bisher Auswirkungen des deutschen Skandals auf das österreichische Spenderverhalten. Lhotta meint, dass das Vertrauen in das österreichische System weiterhin gegeben sei: In Vorarlberg seien nicht einmal eintausend Menschen in das Widerspruchsregister eingetragen. Laut Zahlen der Universitätsklinik Innsbruck warten derzeit rund 350 Patienten in Westösterreich auf eine Niere, außerdem werden 30 bis 40 Lebern und rund 20 Bauchspeicheldrüsen benötigt.

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