Dramatischer Fischbestand in der Ill

Von Sascha Schmidt
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Fischzählung beim Kraftwerk Hochwuhr in Feldkirch. Fischzählung beim Kraftwerk Hochwuhr in Feldkirch. - © VOL.AT/Sascha Schmidt
Feldkirch - Eine in Vorarlberg einzigartige Methode zur Fischzählung findet derzeit beim Kraftwerk Hochwuhr in Feldkirch statt.

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Beim Kraftwerk Hochwuhr in Feldkirch wurde ein Videozähl-Anlagen Prototyp, der eigens hierfür entwickelt wurde, installiert. Die Schwierigkeit bei dieser Art der Zählung liegt speziell in diesem Fall bei der Eintrübung der Ill.

Kameras überwachen Fischwanderung

Für die Zählung werden Überwachungskameras verwendet, die nur auslösen, wenn eine Bewegung im Bild zu verzeichnen ist. Die Kameras zeichnen kurze Sequenzen, sobald der Fisch ins Bild kommt, auf. Die Auswertung des aufgezeichneten Bildmaterials ist sehr schwierig und mühsam. "Das heißt, man muss jeden einzelnen Videoclip anschauen und auswerten", erklärt Landesbiologe Nikolaus Schotzko. Mit dieser Methode sei eine sehr gute Zählungen möglich. Man könne damit die Arten unterscheiden und auch die Länge der Fische ziemlich genau bestimmen. Dadurch erhalte man über das ganze Jahr einen guten Eindruck über die Funktionsfähigkeit von Fischaufstiegen.

Dramatischer Fischbestand in der Ill

Die Ill ist ein mehrfach sehr belastetes Gewässer. Nicht etwa durch chemische oder physikalische Einflüsse, sondern durch die Verbauungen und die energiewirtschaftliche Nutzung des Gewässers. "Es ist klar zu erkennen, dass der ehemalige verzweigte Fluss zu einem Kanal zusammengedrückt wurde", weiß Schotzko. Der Hochwasserschutz und der Ausbau der Ill, aber auch die energiewirtschaftliche Nutzung führen zu großen Schwank- und Sunkereignissen. Das heißt, die Ill steigt am Tag mehrmals auf und ab. "Und jetzt hat man ein System, ein Gewässer, dass eigentlich nicht mehr die Lebensräume bietet wie sie früher vorzufinden waren und dementsprechend schaut der Fischbestand aus", erklärt der Biologe. Von ehemals 16 Fischarten sind nur noch drei heimische Fischarten in der Ill anzutreffen. "Die Situation ist wirklich dramatisch", so Schotzko. Und auch generell sei es in Vorarlberg so, dass 60 Prozent der heimischen Fischarten auf verschiedenste Art und Weise gefährdet sind.

Probleme durch Kraftwerke

Kraftwerke stellen eine Wanderbarriere für den heimischen Fischbestand dar. "Die besondere Situation, die wir an der Ill haben, ist der hohe Niveauunterschied zum Rhein", weiß Schotzko. Das führe dazu, dass die große Mündungsrampen an der Ill nicht oder nur sehr eingeschränkt für Fische passierbar sind. "Nur die besten Schwimmer unter den Fischen, große Seeforellen beispielsweise, kommen zu bestimmten Wasserständen über die Rampen hinaus", so Schotzko.

Illspitzkraftwerk soll Situation verbessern

Jetzt gehe es darum, auch für die Seeforelle den Weg ins Montafon wieder frei zu machen. "Und da ist das in Bau befindliche Illspitz-Kraftwerk nicht, wie langläufig gemeint wird, ein zusätzliches Hindernis, so paradox das auch klingen mag", erklärt Schotzko. Ganz im Gegenteil. Für den Fischaufstieg erhofft man sich durch das Kraftwerk sogar eine Verbesserung. "Wir haben hier eben derzeit die Situation, dass unter den Mündungsrampen 12 bis 14 Fischarten im Rhein warten und oberhalb der Barriere nur drei heimische Fischarten vorkommen", erklärt Schotzko. Nun sollen Möglichkeiten geschaffen werden, um den Fischarten ihren vollständigen Lebenszyklus wieder zu ermöglichen.

Landesbiologe Schotzko im Interview

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