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Faymann warnt mit Horrorszenario vor Euro-Aus

Kommissionspräsident José Manuel Barroso (l) und BK Werner Faymann beim Forum Alpbach 2012 Kommissionspräsident José Manuel Barroso (l) und BK Werner Faymann beim Forum Alpbach 2012 - © APA
Bundeskanzler Werner Faymann (S) hat am Donnerstag in Alpbach vor den schweren Folge eines möglichen Aufbrechens der Eurozone gewarnt: Eine solcher Vorgang würde Österreich im ersten Jahr 11 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) oder 32 Mrd. Euro kosten, sagte Faymann am Donnerstag beim Forum Alpbach.

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Es würde fünf Jahre dauern, bis sich das Land erholen könne, die Arbeitslosigkeit würde um 3,3 Prozentpunkte oder 140.000 Jobs steigen.

“Können uns die Kosten nicht vorstellen”

“Wir können uns die sozialen und politischen Kosten eines solchen Szenarios nicht vorstellen”, sagte Faymann unter Hinweis auf ein vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) erstelltes Szenario.

Kämen spekulative Angriffe auf die Währung hinzu, würde sich die Situation noch verschlimmern, ein mögliches Ansteigen einer Folgewährung würde die 1 Million Jobs im Export gefährden.”Daher müssen wir in dieser Diskussion konstruktiv und nicht destruktiv sein”, sagte Faymann.

Der Kanzler verglich heute die gegenwärtigen Schwierigkeiten in Europa mit einer Seilschaft von Bergsteigern, die zusammen und nicht nur zum Teil den Berggipfel erreichen wolle.

Faymann forderte die Einführung der Finanztransaktionsteuer, eine gemeinsame Bankenunion und ein gemeinsames Schuldenmanagement in der Eurozone, was aber strenge gemeinsame Budgetregeln erfordere.

Spaltung von Euroland: Schocks und tiefe Rezession

Auf Basis einer Studie des Forschungsinstituts Oxford Economics habe das Wifo auf Bitte des Kanzleramtes in Wien ein Krisenszenario analysiert. Die Annahmen: Griechenland, Italien, Irland, Portugal, Spanien und Zypern treten im ersten Quartal 2013 aus dem Euro aus. Die übrigen Euroländer behielten die gemeinsame Währung, die dann ein “Nord-Euro” wäre.

Abgesehen davon würde das Schockwellen an den globalen Finanzmärkten auslösen, austretende Länder müssten einen Bank Run fürchten. Für Österreichs Wirtschaft und die Arbeitnehmer wäre der Nord-Euro auch so ein furchtbarer Schlag, heißt es.

Laut Wifo-Berechnungen würde die heimische Wirtschaft 2013 um knapp 11 Mrd. und 2014 um 32 Mrd. Euro schrumpfen. Vor allem deshalb, weil die Exporte einbrechen würden. Für Italien mit seiner dann abgewerteten Lira etwa wären Produkte aus Österreich nahezu unerschwinglich. Erstes zaghaftes Wachstum sähen die Wirtschaftsforscher in diesem Szenario erst wieder 2015. In den beiden Folgejahren ginge es wieder rascher aufwärts, “weil dann die Investitionen wieder anspringen”, wird Wifo-Experte Serguei Kaniovski zitiert. Unterm Strich bedeute diese Entwicklung “fünf verlorene Jahre”.

Wie es in der Analyse weiter heißt, würde die tiefe Rezession in den Jahren 2013/2014 auch einen massiven Anstieg der Arbeitslosigkeit mit sich bringen. Die Arbeitslosenrate (nach EU-Definition) würde von jetzt 4,5 auf bis zu 7,6 Prozent hochschnellen. Das bedeutet: Es gebe um bis zu 140.000 Arbeitslose mehr. Was das Budget stark belasten würde.

Dass sich die Lage im Nord-Euro-Raum nach den ersten Schreckensjahren wieder beruhigt, kann Bank Austria-Chefökonom Stefan Bruckbauer aber nicht glauben. Er geht davon aus, dass es lange kriseln würde. “Es würde Jahre dauern, bis Österreich die derzeitige Wettbewerbsposition wiedererlangt”. Außerdem kann er sich kaum vorstellen, wie Investoren davon überzeugt werden könnten, dass der Nord-Euro dann die Währung wäre, die Bestand hat – wo es doch der Vorgänger-Euro nicht geschafft hat.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Währungsunion zu einem Nord-Euro-Raum schrumpft, geben die Forscher aus Oxford immerhin mit 30 Prozent an.

Dass es den Euro ganz zerbröselt und alle Länder wieder ihre Nationalwährungen einführen, versieht Wifo-Experte Kaniovski mit einer Wahrscheinlichkeit “im einstelligen Prozentbereich”. Die Auswirkungen wären allerdings noch viel dramatischer. Den Absturz der heimischen Wirtschaftsleistung wage Kaniovski zwar nicht zu beziffern. Dass es mehr als 32 Milliarden kosten würde, liege auf der Hand, und die Rezession wäre noch tiefer.

(APA)

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