Färöer: Vorarlberger Tierschutz-Aktivistin kämpft gegen die Grindwaljagd

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Für die einen Tradition, für die anderen sinnloses Massaker: Das Grindadrap.
Für die einen Tradition, für die anderen sinnloses Massaker: Das Grindadrap. - © Sea Shepherd
Auf den Färöer-Inseln gehört das Grindadrap, der jährliche Grindwalfang, zur Tradition. Aus Sicht der Tierschutzorganisation Sea Shepherd handelt es sich dabei um ein illegales Massaker an Wildtieren. Seit Jahren setzt sich auch das Vorarlberger Tattoo-Model Sandy P.Peng für ein Ende dieser Tradition ein.

Jährlich werden beim Grindadrap hunderte Wale in eine Bucht getrieben, wo sie von den Einheimischen noch in der Bucht getötet und geschlachtet werden. Möglich ist dies, da die Färorer zwar ein autonomer Teil Dänemarks sind, jedoch nicht Teil der EU. Aus Sicht der Einheimischen ist die kostenlose Fleischeindeckung der Bevölkerung ein Teil ihrer Tradition mit engen Regeln. So darf Tieren, die aus der Bucht entkommen, nicht nachgestellt werden, auch werde das komplette Tier verwertet. Für die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd handelt es sich dabei vor allem um ein Massaker, das die Organisation seit Jahren bekämpft.

SSCS Sandy P.Peng

VOL.AT: Sandy P.Peng, du beteiligst dich auch dieses Jahr an den Aktionen von Sea Shepherd auf den Färörern. Was hat sich in den letzten Tagen ereignet?

Sandy P.Peng: Am Donnerstag, den 23. Juli 2015, wurden in zwei Tötungsbuchten insgesamt 250 Pilotwale (Grindwale, Anm. d. Red.) gnadenlos abgeschlachtet. Unsere Aktivisten haben noch versucht, die Tiere zu retten, doch bei dem Versuch wurden fünf Mitglieder der Land- sowie der Bootcrew festgenommen. Dabei wurde die örtliche Polizei durch dänische Polizeikräfte und von der Marine unterstützt. Zwei dänische Kriegsschiffe sind zu diesem Zweck in den färöischen Gewässern stationiert. Obwohl Dänemark Mitglied der europäischen Union ist – und sich gemäß der Berner Konvention nicht am Walfang beteiligen darf -, unterstützen sie den Walfang mit militärischer Gewalt.

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Das färörische Parlament hat zudem kürzlich spezielle Gesetze erlassen, die die Rettung von Pilotwalen und anderen Delfinen hart bestrafen: Für das gewaltlose Einschreiten droht den Sea Shepherds nun eine hohe Geldstrafe und eine Haftstrafe zwischen zwei und zehn Jahren.

Wie muss man sich die Situation bei so einem Grindadrap vorstellen?

Sobald ein Grind ausgerufen wird, geht alles sehr schnell. Geschäfte und Schulen werden geschlossen, alle wollen an dem Massaker teilhaben, ganz vorne mit dabei sein. Jubelndes Publikum, wohin man nur sieht, auf den Färöer-Inseln ist das Abschlachten der Grindwale ein “Volksfest”.

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Das Meer färbt sich innert wenigen Minuten blutrot. Nach dem Grind posieren Kinder und Erwachsene vor und auf den abgeschlachteten Tieren, um Erinnerungsfotos zu machen. Es ist grauenvoll.

Für die Färörer gehört die jährliche Jagd zur Tradition, der Fang wird an die gesamte Bevölkerung kostenlos verteilt.

Die Färinger benötigen kein Walfleisch zum Überleben – die Inselgruppe gehört zu den reichsten Ländern Europas. Der Walmord ist angesichts der Versorgungslage absolut unnötig. Es handelt sich hier lediglich um das Erhalten einer blutigen Tradition. Aber keine Tradition rechtfertigt dieses Blutbad. Blutige Traditionen gegenüber Mensch und Tier müssen ein für alle Mal abgeschafft werden.

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Für euch sprechen aber auch gesundheitliche Gründe für ein Ende der Jagd. Welche?

Das Walfleisch ist stark mit Quecksilber, PCB sowie DDE, einem Abbauprodukt des Insektizids DDT, kontaminiert – die Färöer-Gesundheitsbehörde warnt vor dem Verzehr. Der Konsum von Wal- und Delphinfleisch kann Parkinson-Krankheit, Immunschwäche, neurologische Entwicklungsstörungen, Herzerkrankungen und vieles mehr verursachen. Kindern und werdenden Müttern wird davon abgeraten.

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Den festgenommenen Aktivisten droht nun ein Prozess. Wie ist da die aktuelle Lage?

In zwei Wochen finden die ersten Verhandlungen statt. Wer über die aktuelle Lage, die Motivation der Aktivisten und die Konsequenzen für die Angeklagten informiert sein möchte, kann alles auf unserer Seite: www.standup250.org mitverfolgen.

Alle Bilder zur Verfügung gestellt von Sea Sheperd

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