15. November 2007 12:38; Akt.: 15.11.2007 12:38

Experten fordern Zugang zu Drogenersatzprogrammen

Experten fordern mehr Zugang zu Drogenersatzprogrammen Experten fordern mehr Zugang zu Drogenersatzprogrammen - © Bilderbox/Symbolbild
Bregenz – Unzufrieden mit der bestehenden Suchtverordnung, allerdings aus unterschiedlichen Gründen, zeigten sich namhafte Ärzte und Sozialarbeiter anlässlich einer Diskussion zum Thema „Drogentherapie – Ein emotionales Thema?“ Mittwochabend in Bregenz.

Der Oberste Sanitätsrat (OSR) wurde von Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky beauftragt, unter der Leitung der Wiener Drogenexpertin Gabriele Fischer (Universitätsklinik für Psychiatrie/AKH) eine Evaluierung der Verordnung vorzunehmen. Für sie ist es unbestritten, dass Ärzte, die in der Drogenbehandlung tätig seien, intensiv aus- und weitergebildet werden müssten. Doch: „Es ist allerdings bedenklich, dass vom Staat vorgegeben wird, welche Medikamente verschrieben werden dürfen.“

Franz Riedl, Facharzt für Psychiatrie aus Bregenz ergänzte, die seit März dieses Jahres geltenden Verordnungen zur Substitutionstherapie von Opiatabhängigen hätten eine verstärkte Bürokratisierung und eine Einschränkung der Handlungsfreiheit in der Behandlung der Patienten mit sich gebracht. Es gäbe eine Reihe von drogenabhängigen Patienten, die mittlerweile in geordneten sozialen Verhältnissen lebten und stabil gehalten werden könnten.

Der Tiroler Facharzt Christian Haring berichtete, viele niedergelassene Ärzte hätten die Behandlung von drogenkranken Patienten aufgrund der Verordnung aufgegeben, die allgemein gewünschte Erfassung von mehr Patienten in Substitutions- bzw. Erhaltungstherapien habe einen schweren Rückschlag erlitten. Die überwiegende Mehrheit der Drogentoten in Österreich befinde sich in keinem Behandlungsprogramm und hätte sich Substanzen auf dem Schwarzmarkt besorgt. Die verstärkte Einbindung von Suchtkranken in Betreuungsprogramme sei der wirksamste Schutz gegen Medikamentenmissbrauch.

In eine andere Richtung argumentierte der ärztliche Leiter von H.I.O.B. (Beratungsstelle für Drogenkranke in Feldkirch): “Österreich hat mit der 1998 erfolgten Zulassung von morphinhaltigen Medikamenten in der Substitution einen Irrweg beschritten, mit dem es international isoliert geblieben ist und eine massive Missbrauchsproblematik zur Folge hatte.“

Der Opiatkonsum führt zu einer physischen und psychischen Abhängigkeit und hat gesundheitliche, soziale und rechtliche Konsequenzen. Neben der Entwöhnung und Abstinenz erreichen Mediziner und Therapeuten heute gute Erfolge mit der Substitutionstherapie. Die ärztlich kontrollierte Verabreichung oraler Substitutionsmittel erleichtert den Verzicht auf illegales Heroin. Mehr als 9.000 Opiatabhängige werden in Österreich derzeit von Ärzten in entsprechenden Therapieprogrammen behandelt.


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