„Exodus to the West“

Von Gemeindereporter Verena Kogelnig
Auf unterschiedliche Weisen brachten Flüchtlinge von ihnen Erlebtes auf die Bühne - so etwa durch Tanz (hier Monika Mayer-Pavlidis und Ayman Jindi).
Auf unterschiedliche Weisen brachten Flüchtlinge von ihnen Erlebtes auf die Bühne - so etwa durch Tanz (hier Monika Mayer-Pavlidis und Ayman Jindi). - © Verena Kogelnig
Ein tiefgehendes Theaterstück von und mit Flüchtlingen feierte Premiere in der Vorarlberger Landesbibliothek.

Bregenz. (vko) Vor einem voll besetzten Kuppelsaal hatte das Theaterstück „Exodus to the West“ am Dienstag, 29. Dezember 2016, seine Premiere. Flüchtlinge brachten ihre Erlebnisse tief berührend auf die Bühne, durch szenisches Spiel, Tanz, Lesung, Erzählung und Musik.

Ohne Ausweg

Der Saal der Landesbibliothek war der Rahmen für das Stück über die Tragik der Flucht. Wo sich der einzelne Mensch hinter den Massen an Geflüchteten verliert, wo wir vor der Flut an Schreckensnachrichten unsere Ohren verschließen, setzte das Stück an. Nahe Aleppo waren die sieben Darsteller gestrandet. Sie vermittelten, was sie mit sich schleppten in ihren Rucksäcken: Verlust, Schmerz, Trauer. Und ein wenig Hoffnung. Sie suchten einen Weg, wo es keine Wege gab. Der nach Europa konnte ebenso das Ende bringen, wie derjenige zurück. Und dennoch gingen sie weiter.

Die eigenen Geschichten

Lili Heinzle erzählte zum Einstieg, wie sie selbst als Jüdin nach Österreich gekommen war – nachdem ein Teil ihrer Familie von hier deportiert worden, ein anderer geflüchtet war. Mit szenischer Schlichtheit stellte dann das Ensemble der aus Syrien, dem Irak und Afghanistan Geflohenen ihr Erleben der Zerstörung und Ausweglosigkeit am Beispiel Syriens dar, offen und ergreifend. Musikalisch untermalten das Stück die am Vorarlberger Landeskonservatorium unterrichtende Penelope Gunter-Thalhammer (Cello), Moaz Alshami (Oud, einem klassischen Instrument des Nahen Ostens), Ammar (Trommel) und Tanja Oberscheider (Gesang). Gemeinsam mit Monika Mayer-Pavlidis (Leiterin der Ballettschule Monika) gab Ayman Jindi im Tanz dem ihm Widerfahrenen eine erschütternd eindringliche Form. Von ihm stammte die Idee zum Stück, dessen Regie er zusammen mit Denis Nayi führte. Die am Ende vorgelesenen Fakten über Aleppo und die jüngsten Ereignisse im Kampf um die Stadt bekamen plötzlich neues Gewicht. Sie erweckten wieder Betroffenheit, nicht angesichts von Zahlen, sondern von Menschenschicksalen.

Die Einnahmen des Abends kommen zur Gänze syrischen Flüchtlingen in einem Lager in Jordanien zugute. Nächste Aufführung: im Theater am Saumarkt, Feldkirch, am 13. Januar 2017 um 20:15 Uhr; Eintritt: freiwillige Spenden.

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