29. Januar 2012 08:56; Akt.: 29.01.2012 08:56

Essen an Schulen: “Es ist erschreckend”

Die richtige Ernährung der Jüngsten ist kein Kinderspiel. Die richtige Ernährung der Jüngsten ist kein Kinderspiel. - © Symbolbild Wann&Wo
Im WANN & WO Interview klärt Vital- und Ernährungsberaterin Monika Obermair über Missstände in Vorarlbergs Schulkantinen auf.

 (9 Kommentare)

WANN & WO: Welche Probleme zeigen sich bei der Verpflegung in Vorarlberger Schulen?

Monika Obermair: Die Missstände äußern sich dahingehend, dass die Kinder sehr viele Fertigprodukte vorgesetzt bekommen. Es muss vor allem schnell und günstig sein. Ein weiterer negativer Punkt sind die Automaten, die mit Süßigkeiten vollgestopft sind.

 

WANN & WO: Was steht auf dem Speiseplan?

Monika Obermair: Vorwiegend die Kombination mit Burger, Pommes, Würstchen und Toasts. Ganz selten bekommen die Kinder Salat auf den Teller. Von Obst ganz zu schweigen. Ich war an verschiedenen Vorarlberger Schulen (z.B. Sporthauptschule Hohenems, HAK Bregenz, BG Dornbirn, BG Gallus), habe mir die Situation genau angeschaut und vor Ort das Essen auch selber getestet. Es ist erschreckend, was den Kindern zugemutet wird. Auf Anfrage bei einem Kantinenpächter, warum die Kinder keine ausgewogene Kost bekommen, hat er nur gemeint: „Ha, das haben schon viele Eltern probiert“, und hat mich der Kantine verwiesen.

 

WANN & WO: Was resultiert aus diesen Essgewohnheiten, welche die Kinder „aufgedrückt“ bekommen?

Monika Obermair: Viele Kinder erkranken an Diabetes. Außerdem sind Adipositas (Fettleibigkeit), Schilddrüsenprobleme und Probleme mit dem Haltungsapparat keine Seltenheit. Ein weiterer Punkt ist die Hyperaktivität, die bis zu 30 Prozent auf falsche Ernährung zurückzuführen ist. Da bei Kindern die Blut-Hirnschranke noch durchlässiger ist, als bei Erwachsenen, können Schadstoffe, wie z.B. Geschmacksverstärker wesentlich leichter ins Gehirn eindringen. Weiters ist die Leber unser Hauptumschlagorgan. Einfachzucker gehen in die Leben hinein und gleich wieder hinaus. Sie liefern dem Körper nur kurzfristig Energie und der Körper will immer mehr. Darum brauchen die Kinder immer mehr Zucker. Wenn man es ihnen nicht gibt, leidet der Körper danach an Entzugserscheinungen. Ein Vollkornbrot zum Beispiel hat Mehrfachzucker, welcher in der Leber gespeichert wird. Der Körper bedient sich dann an diesem Vorrat, wenn er es braucht.

 

WANN & WO: Woran liegt es, dass ungesundes Essen in Schulen serviert wird?

Monika Obermair: Ein Grund ist sicher die Profitgier der Betreiber. Ein weiterer ist, dass es der einfachste Weg ist, so genanntes Fast Food zu servieren. Es ist schnell zubereitet und zudem kostengünstig.

 

WANN & WO: Laut Schätzungen des WHO soll der durchschnittliche BMI in Österreich 2020 bei 30 (Normalwert: 18,5 – 25) liegen. Geben Sie nur den Schulen die Schuld oder liegt es auch an den Eltern?

Monika Obermair: In erster Linie liegt die Verantwortung bei den Eltern, die eine Vorbildfunktion gegenüber ihren Kinder einnehmen. Wenn man den Kindern eine ausgewogene Ernährung im frühen Alter näherbringt, kann man das spätere Essverhalten meiner Meinung nach sehr wohl in eine richtige Richtung lenken. Wenn das nicht erfolgt, ist es in höherem Alter meist schon zu spät, denn die Geschmackspapillen werden mit der Zeit betäubt. Das resultiert darin, dass die Leute gar kein gesundes Essen – ohne übermäßig Salz und Geschmacksverstärker – mehr mögen.

 

WANN & WO: Wie könnte man die Situation verbessern?

Monika Obermair: Ein Anfang wäre, dass die ganzen Süßigkeiten-Automaten abgeschafft werden. Es ist wichtig, dass den Schülern eine Alternative angeboten wird, wie z.B. ein Mehrangebot an Obst. Außerdem sollten mit den Kantinen Menüpläne erstellt werden, die hochwertige (nahrhafte) Produkte enthalten. Die Kinder müssen sich den ganzen Tag konzentrieren und Leistung erbringen. Dazu brauchen sie Kalorien. Aber solche aus denen der Körper Energie schöpfen kann und nicht Energie aufwenden muss, um sie zu verarbeiten. Sinnvoll wäre auch, die Kinder im Schulunterricht über ausgewogene Ernährung zu informieren. Viele Kinder wissen zum Beispiel nicht einmal mehr, wo die Milch herkommt. Eine sehr skurrile Angelegenheit spielt sich außerdem von Seiten des Landes ab. Kantinen bekommen nicht unbeträchtliche Summen an Förderungen, wenn sie mit Ländle-Produkten kochen. Das mag zwar von der Grundidee eine gute sein, dennoch ist nicht garantiert, wie das Essen schlussendlich zubereitet wird. Und in eine ausgewogene Ernährung der Kinder fließen die Gelder offensichtlich nicht.

(WANN&WO)


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