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28. Juli 2010 05:40; Akt.: 28.07.2010 05:40

"Es war absolut grauenvoll!"

Trauer nach der Loveparade-Katastrophe Trauer nach der Loveparade-Katastrophe - © AP
Nüziders - Tobias, 23, aus Nüziders hat den Horror in Duisburg erlebt: Im W&W-Interview spricht er über die traumatische Erfahrung, Vorahnungen und die Trauer um die Opfer der Loveparade. (5 Kommentare)

WANN & WO: Warum warst du dieses Jahr bei der Love Parade in Duisburg?

Tobias: Wir gehen normalerweise immer in einer Gruppe mit 8-10 Leuten und waren mit diesem Jahr das vierte Mal. Der erste Grund ist die Party, der zweite die Musik. Wer einmal auf der Loveparade war, weiß dass das wahrscheinlich der größte und beste „Rave“ ist, den es gibt.

WANN & WO: Wie war es, als du angekommen bist?

Tobias: Die Stimmung war toll wie immer, das Wetter hat auch prima mitgespielt. Wir gingen schon relativ früh hin.

WANN & WO: Hattest du beim Eingang, sprich dem engen Durchgang, schon eine Ahnung, dass da was schiefgehen könnte?

Tobias: Ehrlich gesagt, ja. Mir ging ganz kurz ein Frequency Festival am Salzburgring durch den Kopf. Auch dort gab es einen Tunnel, und damals ist eine Brücke durch die Menschenmassen eingestürzt. Als ich aber durch den Tunnel in Duisburg durchging, war die Erinnerung auch gleich wieder weg. Es war ja Party angesagt. Außerdem sind wir, wie gesagt, recht früh ins Gelände rein, da war es noch nicht so brechend voll.

WANN & WO: Hast du das Drama mit den Todesfällen auf der Parade selbst mitbekommen?

Tobias: Wir haben nichts mitgekriegt - anfangs zumindest. Jedoch ist es dank Twitter, Facebook und Web 2.0 recht schnell bei der ganzen Menge bekannt geworden. Die Veranstalter haben in meinen Augen das einzig Richtige getan und die Party nicht abgebrochen. Was sonst passiert wäre, weiß niemand! Ich denke jedoch, es hätte noch weit mehr Tote zu beklagen gegeben.

WANN & WO: Wie war das Gefühl, als du erfahren hast, was passiert ist?

Tobias: Natürlich war das grauenvoll. Unbeschreiblich eigentlich. So schnell wie die gute Stimmung auf der Loveparade da war, war sie auch wieder weg.

WANN & WO: Wie war es für dich, als du beim Ausgang, wo das Schlimmste passiert ist, wieder raus musstest? Hast du daran gedacht, dass dir vielleicht dasselbe passieren hätte können?

Tobias: Ich habe Gott gedankt und auch sofort an die ganzen Hinterbliebenen denken müssen. Diese Leute brauchen jetzt volle Unterstützung!

WANN & WO: Wie siehst du die Tragödie im Nachhinein?

Tobias: Wenn ich jetzt im Nachhinein darüber nachdenke, gehen mir ständig zwei Punkte durch den Kopf: Erstens war es irgendwie absehbar, dass es früher oder später auf einer Veranstaltung wie der Loveparade Tote geben muss. Es kann einfach nicht glatt laufen, wenn hunderttausende von Menschen auf engstem Raum feiern. Der zweite Punkt ist natürlich große Trauer. Ich denke, im Geiste sind alle Loveparade-Geher und Freunde von elektronischer Musik bei den Hinterbliebenen und Angehörigen der Opfer sowie auch bei den Verletzten.

WANN & WO: Sollte die Loveparade je wieder stattfinden, würdest du wieder hingehen? Wie sieht es mit ähnlichen Events wie der Streetparade in der Schweiz aus?

Tobias: Ganz einfach, ja. Normalerweise gehe ich gerne auf die Streetparade, aber wahrscheinlich nicht dieses Jahr.

WANN & WO: Findest du, die Katastrophe hätte verhindert werden kön­­­­nen?

Tobias: Ich bin kein Freund von „Was wäre wenn“-Theorien. Natürlich hätte man das Gelände schon früher dicht machen müssen. Ich denke, da ist vieles schief gelaufen. Auch bei den Ermittlungen, wer verantwortlich dafür ist, schiebt jeder dem anderen die Schuld in die Schuhe. Wobei ich mir aber absolut sicher bin: Sämtliche Einsatzkräfte wie Polizei, Feuerwehr und Rettung haben vorort alles in ihrer Macht stehende getan.



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