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Erste WM ohne Italien seit 1958 - "Das ist die Apokalypse"

Der Ball wollte einfach nicht ins Tor
Der Ball wollte einfach nicht ins Tor ©APA (AFP)
Nach dem bitteren Scheitern in der WM-Qualifikation steht Italiens Fußball-Welt unter Schock. "Das ist die Apokalypse", kommentierte die "Gazzetta dello Sport" das 0:0 gegen Schweden im Play-off-Rückspiel Montagabend in Mailand. Schon Sekunden nach dem WM-Aus flossen bei Tormann-Ikone Gianluigi "Gigi" Buffon die Tränen - wenig später verkündete der 39-jährige Juventus-Star seinen Teamrücktritt.

“Es tut mir so leid, dass mein letztes Länderspiel mit dem Scheitern in der WM-Qualifikation zusammengefallen ist. Es tut mir nicht für mich persönlich leid, sondern für die ganze Mannschaft und das ganze Land. Wir haben etwas verpasst, das auf so verschiedenen Ebenen viel bedeutet hätte”, schluchzte der 1,92 Meter große Welttorhüter des Jahres, der untröstlich war und auch im TV-Interview unaufhörlich weinte.

“Ich verlasse mit Sicherheit eine Nationalmannschaft mit guten Spielern, die von sich reden machen werden”, versuchte der Weltmeister von 2006 auch etwas Positives zu sagen. Unmittelbar nach Buffon, der 175-mal für sein Heimatland spielte und mit seiner sechsten WM-Teilnahme alleiniger Rekordmann geworden wäre, gaben auch der 34-jährige Mittelfeldspieler Daniele De Rossi (AS Roma) und der 36-jährige Verteidiger Andrea Barzagli (Juventus Turin) ihren Rücktritt aus Italiens Team bekannt.

“In der Kabine herrschte eine Stimmung wie bei einem Begräbnis. Dabei ist niemand gestorben”, betonte De Rossi, der 117 Länderspiele bestritt, gegen Schweden im San Siro aber nur auf der Bank saß. Wie Buffon und Barzagli (73 Länderspiele) war auch er Teil der Mannschaft, die 2006 in Deutschland den vierten und bisher letzten WM-Titel für Italien eroberte. Zwölf Jahre später findet nun in Russland (14. Juni bis 15. Juli 2018) erstmals seit der Endrunde 1958 in Schweden eine Weltmeisterschaft ohne die “Squadra” statt.

Trotz drückender Überlegenheit endete das Play-off-Rückspiel gegen Schweden nur mit einem torlosen Remis und stürzte eine ganze Nation ins Tal der Tränen. “Eine sportliche Schande, die keinen Vergleich kennt”, kommentierte der “Corriere dello Sport” das Aus. Die extrem defensiv und destruktiv agierenden Schweden, die das Hinspiel am Freitag in Stockholm glücklich 1:0 gewonnen hatten, duften dagegen ihre erste WM-Quali seit 2006 bejubeln.

Italiens Teamchef Gian Piero Ventura wollte im Gegensatz zu Buffon, De Rossi und Barzagli vorerst noch keine Entscheidung über seine Zukunft treffen. “Ich trete nicht zurück, weil ich noch nicht mit dem Präsidenten gesprochen habe. Es gibt zahlreiche Überlegungen”, sagte er der Nachrichtenagentur ANSA in der Nacht auf Dienstag. “Ich möchte mich bei den Italienern entschuldigen – für das Ergebnis, nicht für unsere Anstrengung, mit der wir das Spiel gewinnen wollten.”

Der italienische Fußballverband (FIGC) will am (morgigen) Mittwoch die Weichen für die Zukunft stellen. Spätestens dann soll Ventura laut Medienberichten Geschichte sein und seinen Hut nehmen müssen. Und auch FIGC-Präsident Carlo Tavecchio, der schon vor dem Match am Montag heftig in der Kritik gestanden war, weil er im Sommer den Vertrag Venturas vorzeitig bis zur EM 2020 verlängert hatte, könnte dieses Schicksal ereilen.

“Wir sind zutiefst betrübt und enttäuscht wegen der verpassten WM-Qualifikation, das ist ein sportlicher Misserfolg, der eine gemeinsame Lösung braucht”, erklärte Tavecchio in einem ANSA-Interview am Dienstag. “Und deshalb habe ich für morgen eine Sitzung des Verbands einberufen, um eine gründliche Analyse vorzunehmen und Entscheidungen für die Zukunft zu treffen.”

Buffon nannte das Fehlen bei der WM eine “Katastrophe”, und Barzagli sprach von der “größten Enttäuschung meines Lebens”. “Es ist ein schwarzer Moment für unseren Fußball, und ein tiefschwarzer für uns Spieler”, lautete der Kommentar von De Rossi dazu, dass die 21. Fußball-WM in Russland die erst insgesamt dritte ohne Italien ist. Zur ersten 1930 in Uruguay war die “Squadra Azzurra” nicht eingeladen worden. Danach war der Weltmeister von 1934, 1938, 1982 und 2006 mit Ausnahme von 1958 WM-Dauergast gewesen.

(APA/dpa)

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