30. Oktober 2012 10:24; Akt.: 30.10.2012 10:50

Erdiger Rock: The Gaslight Anthem im Wiener Gasometer

The Gaslight Anthem beim Auftritt im Wiener Gasometer The Gaslight Anthem beim Auftritt im Wiener Gasometer - © APA/GEORG HOCHMUTH
Am Montagabend gastierten The Gaslight Anthem im Wiener Gasometer – und präsentierten dort ihre Mischung aus bodenständigem Rock und chart-tauglichen Hits. Die Fans waren begeistert.

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Eine raue Stimme, drei Gitarren, der imaginäre Geruch von Motorschmieröl an Jeans und T-Shirt – so präsentierten sich The Gaslight Anthem, ursprünglich als Punkversion von Bruce Springsteen positioniert, am Montag im Wiener Gasometer. Herrlich erdig brachten sie ihre Mischung aus geschrubbtem Rock and Roll, Gassenhauern zum Mitsingen und dem zuletzt offenkundigen Liebäugeln mit den Charts auf die Bühne – und bestachen durch einen rundum authentischen Auftritt.

Gaslight Anthem-Gitarrist im Interview

“Ein Konzert soll eine andere Erfahrung sein, als wenn man eine Platte alleine zu Hause hört”, betonte Gitarrist Alex Rosamilia vor der Show im Gespräch mit der APA.

Die Band aus New Brunswick im Boss-Staat New Jersey begann 2005 als erfrischende Mischung aus Punk, Rock und Independent mit einem Schuss Retro-Pop. Der harte Rock ist auf dem aktuellen Album “Handwritten” (Universal), ein Opus über verlorene und gewonnene Liebe, etwas in den Hintergrund getreten, live aber immer noch vorhanden. Die neuen Lieder – “45″, der Titelsong oder “Here Comes My Man” – funktionierten bestens, klangen dreckiger als auf dem Album, wurden ebenso gefeiert wie ältere Beiträge (“The ’59 Sound”, “Old White Lincoln”). Die Darbietung war der perfekte Party-Soundtrack.

Punk-Einstellung trifft Ohrwurm-Songs

The Gaslight Anthem haben zweifellos das richtige Material und die Chuzpe, Punk-Attitüde mit Ohrwurm-Ambitionen zu kombinieren. “Ich versuche einfach immer, den besten Song zu schreiben”, zuckte Sänger Brian Fallon backstage mit den Schultern. “Ich habe nun mal eine Schwäche für radiofreundliche Musik, ich mag Pop und Dancemusic, aber nicht diese Club-Tunes, sondern mehr die Indie-Sachen. Diese Vorliebe für Melodien schlägt dann durch.”

Und trotz der Leidenschaft für Singles sollte das Gesamte nicht weniger gut funktionieren: “Wir schauen, dass kein Song ohne den anderen leben kann. Eine Platte mit zufällig aneinandergereihten Songs, das würde ich hassen.”

Über den Wechsel zum Big Label

Mit dem Wechsel zu einem Mega-Player im Musikgeschäft und mit Hinzunahme des renommierten Produzenten Brendan O’Brien mussten sich The Gaslight Anthem in einigen Kritiken den Vorwurf gefallen lassen, angepasster zu klingen. Fallon bestritt, in die Falle getappt zu sein. “Das passiert vielleicht jungen Bands, die sich leicht was einreden lassen, oder die mit aller Gewalt reich und berühmt werden wollen. Aus dem Alter sind wir draußen. Große Plattenfirmen sind dazu da, um Bands noch größer zu machen, das ist klar. Aber man hat uns nie etwas vorgeschrieben.”

Außerdem sieht die Band das mit den Ambitionen mittlerweile gelassener. Vor Erscheinen von “Unwritten” hatte Fallon noch getönt, bereit für die Arenen dieser Welt zu sein. “Wir hatten bereits einen Geschmack von Stadien – ich bin mir nicht mehr so sicher, ob wir dort wirklich hin wollen”, meinte der Sänger. “Da habe ich wohl zu vorschnell etwas gesagt. Manche Leute wollen berühmt und reich werden, wir wollen Künstler sein. Wenn wir mit unserer Kunst Geld machen, umso besser.” Diese Bodenständigkeit tut The Gaslight Anthem gut – auch auf der Bühne.

(apa/red)



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