9. August 2005 16:58; Akt.: 27.08.2011 05:59

Schwere Zeiten für Annan

Schwere Zeiten für Annan
Der Skandal um die Korruptionsvorwürfe machen den UN schwer zu schaffen. Die Ermittler gehen dem Verdacht der Vorteilnahme durch Annan weiter nach. Schon werden Gerüchte über einen baldigen Rücktritt Annans laut. (1 Kommentar)

Kofi Annan hat so rasch gehandelt, wie man das von den Vereinten Nationen kaum gewohnt ist. Minuten, nachdem zwei hohe UN-Beamte öffentlich der Korruption beschuldigt worden waren, hob er deren diplomatische Immunität auf. „Wir arbeiten rückhaltlos mit der US-Staatsanwaltschaft zusammen“, versprach eilfertig Annans Kabinettschef Mark Malloch Brown. Das Entgegenkommen ist verständlich. Es geht auch um die Zukunft des Generalsekretärs.

Kaum eine Frage wird in den Wandelgängen am East River derzeit so häufig gestellt wie diese: Wann wird es „Adieu Annan“ heißen? Schon Wochen vor der Veröffentlichung des neuen Berichtes der Kommission zur Untersuchung von Korruption beim Irak-Hilfsprogramm streuten amerikanische Diplomaten, der oberste UN-Beamte sei von einer „Rücktrittssehnsucht“ befallen.

Annan ließ zwar wissen, er werde seine Amtszeit bis Ende 2006 wahrnehmen. Doch am Montag machte der von ihm berufene Ermittler Paul Volcker klar, dass dem Verdacht der Vorteilsnahme durch den UN-Generalsekretär weiter nachgegangen wird. Dabei geht es um eine Notiz des Vizepräsidenten der Schweizer Firma Cotecna, die auf eine Einflussnahme Annans auf die Vergabe eines lukrativen UN-Auftrags für das Unternehmen im Irak hinzudeuten scheint – als Gegenleistung dafür, dass Annans Sohn Kojo bei der Firma gutes Geld verdiente.

Selbst wenn der nächste Volcker-Bericht einen solchen Vorwurf nicht beweisen, sondern nur erklären würde, der Verdacht habe sich erhärtet, wäre es nach Überzeugung vieler Diplomaten um Annan geschehen. Sein Ansehen sei durch die inzwischen wohl erwiesene Korruption zweier Beamter in seinem Umfeld derartig geschwächt, dass dann nur noch der Rücktritt bliebe.

“Über Kofi schwebt ein Damoklesschwert“, sagt ein hochrangiger westlicher UN-Diplomat. „Und die Amerikaner haben es in der Hand. Sie sind es vor allem, die Volcker mit Hinweisen und bruchstückhaften Informationen spicken.“

Manche UN-Diplomaten gehen davon aus, dass Annan nicht wartet, bis das Schwert fällt, sondern nach dem Jubiläumsgipfel, der Mitte September zum 60. Gründungsjahrestag der Weltorganisation stattfindet, den Hut nimmt. „Er könnte mit dem Gipfel sein Werk krönen und sich verabschieden“, sagt ein westlicher Botschafter. „Die Ermittlungen gegen ihn würden dann wohl im Sande verlaufen.“

Warum Washington Annan loswerden will, pfeifen am East River die Spatzen von den Dächern. Die US-Regierung hat ihm nie verziehen, dass er den Irak-Krieg öffentlich als „illegal“ anprangerte. Dass er erneut zum „Bremsklotz“ werden könnte, wenn die USA zum Beispiel Gewaltmaßnahmen gegen Iran durchsetzen wollen, gilt in erzkonservativen US-Kreisen als sicher.

Zudem stört es Washington, dass Vertraute Annans bei den UN immer wieder auf das hinweisen, was so mancher als den eigentlichen Irak-Skandal ansieht. Dass Saddam Hussein seinerzeit Milliarden von Dollar am UN-Sanktionsregime vorbei durch den Schwarzhandel mit Erdöl einnahm, geschah nach Angaben von Diplomaten mit Billigung der USA.

Als damals im UN-Sanktionsausschuss die Briten verlangten, Saddams Ölschmuggel über Jordanien und die Türkei zu unterbinden, wurden sie von Washington zurückgepfiffen. „Zur Begründung“, erklärte ein Diplomat, der mit ihm Raum war, „erklärte uns der US-Vertreter, Jordanien und die Türkei seien Verbündete und auf die Einnahmen aus dem Schmuggel angewiesen.“



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