8. Januar 2012 13:50; Akt.: 8.01.2012 13:50

“Einige Vorarlbergerinnen sind betroffen!”

Chirurg Dr. Manfred Ruetzler Chirurg Dr. Manfred Ruetzler - © Wann&Wo: Miro Kuzmanovic
von Wann & Wo/Küng - Vom Skandal um die krebserregenden Brust – implantate sind auch Frauen aus Vorarlberg betroffen. Aus aktuellem Anlass hat W&W mit Brustspezialist Dr. Manfred Rützler gesprochen.

 (10 Kommentare)

WANN & WO: Herr Dr. Rützler, bei Ihnen haben sich zwei Patientinnen mit sogenannten PIP-Implantaten gemeldet. Was können Sie über diese Fälle berichten?

Dr. Manfred Rützler: Die beiden Damen aus Vorarlberg waren bei einer Ärztin in Tschechien. Sie er hofften sich durch die OP im Ausland eine Kostenersparnis. Nun stehen sie neben einem gesundheitlichen Risiko auch noch vor finanziellen Problemen. Die Ärztin versäumte es, ihre Patientinnen über das Krebs-Risiko zu informieren, dabei ist der Operateur verpflichtet, die Patienten auf diese Gefahr aufmerksam zu machen. Zudem weist sie jegliche Verantwortung von sich und ist auch nicht bereit, die Implantate zu tauschen.

 

WANN & WO: Gehen Sie von weiteren Fällen aus?

Dr. Manfred Rützler: Es gibt mit Sicherheit noch weitere Patientinnen mit den selben Schwierigkeiten. Die beiden Frauen haben mir von Freundinnen erzählt, die ebenfalls bei der besagten Ärztin waren und denen die Situation noch gar nicht bewusst ist.

 

WANN & WO: Raten Sie grundsätzlich von Brustoperationen im Ausland ab?

Dr. Manfred Rützler: Aus Gründen der Gesundheit rate ich allen Patientinnen, nicht weiter als eine Autostunde vom Operateur entfernt zu leben. So kann im Notfall schnell reagiert werden. Einer Patientin aus Dornbirn kann ich schneller helfen, als einer Wienerin. Frauen, die sich im Ausland einer Brust-OP unterzogen haben, empfehle ich, sich umgehend an einen österreichischen Spezialisten zu wenden. Und ich bin mir sicher, dass zahlreiche Frauen davon betroffen sind.

 

WANN & WO: Was macht diese PIPImplantate so gefährlich?

Dr. Manfred Rützler: Die Implantate haben eine Hülle, die sehr leicht reißen kann. Zudem kommt das sogenannte „Bleeding“ – das Durchsickern von Silikon durch die Hülle – bei PIP-Implantaten häufiger vor, als bei Qualitätsimplantaten. Erste Informationen über das Krebsrisiko durch diese Implantate liegen übrigens schon zwei Jahre zurück.

 

WANN & WO: Kommen diese Implantate auch in Vorarlberg zum Einsatz?

Dr. Manfred Rützler: Nein, ich wurde hier auch noch nie damit konfrontiert. Auch meine Kollegen verwenden diese Implantate nicht. Die Vorarlbergerinnen sind in guten Händen.

 

WANN & WO: Was raten Sie Frauen, die Implantate dieses Herstellers bekommen haben?

Dr. Manfred Rützler: Betroffene Frauen sollten sich beim Brustarzt ihrer Wahl untersuchen und die Implantate nach einem Ultraschall entfernen lassen. Von einem weiteren Beobachten der Lage rate ich vehement ab: Wie lange soll denn be obachtet werden? Bis es wirklich zu einer Krebserkrankung kommt? Immerhin sind rund 30.000 Implantate betroffen und es wurde bereits 20 Mal Krebs diagnostiziert.

 

WANN & WO: Kann man den Hersteller rechtlich belangen?

Dr. Manfred Rützler: Nein. Der Hersteller hat mittlerweile Konkurs angemeldet und wird seit kurzem auch von Interpol gesucht. Gerade bei Patientinnen, die durch Operationen im Ausland Geld sparen wollten – schließlich kosten Brustoperationen in Österreich zwischen 5000 und 6000 Euro – stellen sich die vermeintlich billigeren OPs nun unglücklicherweise als die teureren heraus. Denn es ist nicht sicher, dass die Gebietskrankenkasse die Kosten für den Tausch übernimmt, wenn die Operation im Ausland durchgeführt wurde.

Prof. Dr. Manfred Rützler – zur Person

Alter: 59 Jahre

Wohnort: Dornbirn

Beruf: Chirurg, österreichweit anerkannter Brustspezialist

Hobbys: Alte Motoren wieder instand setzen, WANN & WO lesen

Lebensmotto: „Arbeit in der Zeit, dann hast du in der Not!“


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