"Einfach eine sportliche Rivalität!"

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Beim Derby Austria gegen FC kocht die Stimmung im Stadion. Dabei kann es ­mitunter auch mal rau zugehen. Beim Derby Austria gegen FC kocht die Stimmung im Stadion. Dabei kann es ­mitunter auch mal rau zugehen. - © VOL.AT/Philipp Steurer
Warum geraten Fußball-Fans immer wieder aneinander? "W&W" hat sich mit zwei rivalisierenden Fans getroffen.

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Anlässlich des aktuellen Gewalt-Präventions-Projektes "Fußball.Kult.ur" der Offenen Jugendarbeit Lustenau hat WANN & WO zwei Vertreter der Fan-Clubs des FC Lustenau und der Austria Lustenau im "Culture Factor Y" zum Gespräch eingeladen und konnte dabei einige Einblicke in die Fan-Kultur gewinnen.

Faszination Fußball

Stefan (Namen von der Redaktion geändert) ist Anhänger der Austria und drückt seiner Mannschaft bei jedem Spiel die Daumen. Trifft sein Team im Derby auf den FC, hat er den ganzen Tag nichts anderes mehr im Kopf als das Spiel: „Wenn ein Derby ansteht kann man mich in der Schule nicht brauchen. Dann freue ich mich nur noch auf den Abend und das Match.“ Daniel, Fan-Club-Mitglied des FC Lustenau, geht es nicht anders: „Ich liebe diese Spannung vor dem Spiel und freue mich immer darauf, meine Mannschaft zu unterstützen.“ Welche Rolle spielt Alkohol bei der Vorbereitung aufs Spiel? „Natürlich trinkt man im Vorfeld ein paar Bierchen. Das gehört einfach dazu“, verrät Stefan. Daniel: „Es wurde auch über ein Alkoholverbot in den Stadien diskutiert. Das ist aber meiner Meinung nach Blödsinn. Ein Bier gehört dazu wie eine Bratwurst. Vor allem ölt es die Stimmbänder zum Anfeuern.“

Hochgehende Emotionen

Sind die Mannschaften auf dem Platz und die rivalisierenden Fangruppen in den Rängen, gehen die Emotionen schnell einmal hoch. Testosteron und ein hoher Adrenalinspiegel sorgen auch schnell für Anfeindungen zwischen den Fan-Clubs. Daniel: „Grundsätzlich gehört Gewalt nicht dazu. Ist die Stimmung aber erst einmal angeheizt, kann es schon einmal dazu kommen, dass man aneinander gerät. Ich war selbst auch schon in eine Schlägerei verwickelt, als unsere Truppe in einem Lokal von anderen Fans attackiert wurde. Da flogen dann schon die Fetzen.“ Auch Stefan war schon in eine Prügelei involviert: „Ein Freund von mir wurde verprügelt, da bin ich eingeschritten. Das war bisher das erste und einzige Mal, dass ich geschlägert habe.“ Und wie hat sich das angefühlt? „Es war ehrlich gesagt ein ungewohntes Gefühl, aber ich wollte einfach meinem Freund helfen.“

Keine englischen Zustände

„Viele Leute glauben, dass es hier so zugeht wie in England, wo sich die Hooligans gegenseitig fast umbringen“, erklärt Daniel. „In der Vorarlberger Provinz sieht die Sache aber anders aus. Ein Schulfreund von mir ist Fan der Austria. Dem kann ich nicht eine auflegen und am nächsten Tag wieder mit ihm die Schulbank drücken. Persönlich haben die Fans der verschiedenen Vereine nur selten Probleme miteinander, aber es besteht einfach eine sportliche Rivalität.“ Dem pflichtet Stefan bei: „Klar geht es auch in Lustenau hin und wieder heiß her, aber im Großen und Ganzen wird die Situation in den Medien oft überspitzt dargestellt. Es gibt viel schlimmere Krawallmacher als in den Lustenauer Fan-Clubs. Ich sage nicht, dass es bei uns keine Jungs gibt, die es übertreiben. Leider bringt das dann den ganzen Fanclub in Verruf. Was die Situation aber oftmals auch zum Eskalieren bringt, ist die übertriebene Polizeipräsenz auf den Spielen. Ich bin der Meinung, je weniger Polizei, desto weniger Ärger würde es geben.“

Es geht um den Club

Dinge wie Rassismus spielen innerhalb der Fan-Clubs keine Rolle, wie Stefan erklärt: „Rassismus in den Clubs ist kein Grund für Gewalttätigkeiten. Bei uns gibt es Rechte und Linke, In- und Ausländer. Dabei ist es dem Rechten egal, was der Ausländer macht und umgekehrt. Es geht um den Club, die Vereinsfarben und den Zusammenhalt für die gemeinsame Sache.“ Daniel bringt es auf den Punkt: „Sport ist Sport, Politik ist Politik. Das sollte klar getrennt werden. Persönliche Einstellungen haben hier keinen Stellenwert, Respekt voreinander ist ausschlaggebend.“

Was tun gegen Gewalt?

Das Fan-Projekt des „Culture Factor Y“ befürworten beide. Das Projekt zielt nicht darauf ab, die Fan-Clubs näher zusammen zu bringen, sondern die Situation in den Stadien und nach den Spielen zu entschärfen. Stefan: „Dabei müssen aber auch die Medien mitspielen. Sie sollten sich künftig zuerst besser informieren, bevor sie über die Fans berichten.“

(WANN&WO/Harald Küng)

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