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Eine Umarmung

Seniorenheim und Kindergarten am Blasenberg in Feldkirch wurden nicht nur generalüberholt, sondern mit einem Neubau doppelt so voluminös. Seniorenheim und Kindergarten am Blasenberg in Feldkirch wurden nicht nur generalüberholt, sondern mit einem Neubau doppelt so voluminös. - © Darko Todorovic | Norman A. Müller
von Martina Pfeifer Steiner - Feldkirch – Vielleicht macht das den Unterschied: In Vorarlberg kommt der Montagekran pünktlich auf Aviso des Zimmermanns. Statt verdreckten Ketten hat er saubere Tragegurte für Holzelemente an Bord.

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Es war nicht von vornherein klar, dass es wieder ein Holzbau werden würde. Aber Architekt Johannes Kaufmann steht zu seiner Leidenschaft: „Mit Holz kenne ich mich aus. Es gibt nichts Schöneres, als am Samstagvormittag bei der Sägerei im Bregenzerwald kurz vorbei zu schauen, was dort wieder in Arbeit ist.“ Man darf weiters annehmen, dass wer Kaufmann heißt und mit Holzbau zu tun hat, verwandt ist. Bruder Hermann baut zurzeit am aufsehenerregenden Holzhochhaus in Dornbirn, Bruder Michael hat sich in seiner innovativen Zimmerei in Reuthe auf die Vorfertigung komplett installierter Holzboxen spezialisiert. Mit Cousin Oskar Leo entwickelte Johannes Kaufmann einst das Fertighaus Susi und den modernen Zimmertrakt des ersten Zubaus vom Hotel Post in Bezau. „Die paar, die sich dem Holzbau verschrieben haben, müssen sich austauschen, um etwas weiter zu bringen. Was nützt es, auf dem Know-how sitzen zu bleiben, das gehört in die Firmen, an die Behörden, bezüglich Brandschutz und Genehmigung“, ist sich Johannes Kaufmann bewusst und schätzt die intensiven Gespräche miteinander.

Im Wettbewerb für das Pflegeheim mit Kindergarten – nach dem Um- und Neubau doppelt so groß wie vorher – überzeugte das Projekt des Architekten vor allem städtebaulich. Ein derartiges Bauvolumen am Blasenberg zu platzieren war die große Herausforderung, aber auch die Verbindung zu schaffen. Nun wird das Alte vom Neuen regelrecht umarmt. Ein Gesamtes entsteht: das neue Antoniushaus. Der Südhang fordert kluge Terrassierung. Jedes Geschoß hat direkten Gartenzugang und bezieht sich auf die angrenzenden Streuobstwiesen, zudem spart man sich die Fluchttreppen.

Vielfältige Nutzungen sind an diesem Standort beherbergt. Im Neubau sind die Pflegezimmer, die Tagesbetreuung und die Urlaubspflege des Mobilen Hilfsdienstes situiert. Der Altbau vereint im Endausbau die Gemeinschaft der Kreuzschwestern als betreutes Wohnen, den viergruppigen Kindergarten, Zentralküche und Wäscherei. Die funktionelle Gesamtlösung macht eine klare Trennung der einzelnen Bereiche der verschiedenen Nutzer, die trotzdem gute interne Erreichbarkeit auf kurzen Wegen, Übersichtlichkeit und infrastrukturelle Synergien aus.

Kaufmann hat einen pragmatischen Ansatz zu Konstruktionen und Detaillösungen: Normalität, Sparsamkeit, ein gesundes Verhältnis von Aufwand zu Aufgabe, Hausverstand und Verantwortung. Für den Neubau der Pflegezimmer wurde also die Modulbauweise für vernünftig erachtet. Sechzig Kammern stellte die Bregenzerwälder Zimmerei als Holzbauelemente her, während auf der Baustelle bereits die Erd- und Rohbauarbeiten vorangingen. Die Holzboxen stapelte man dann vor Ort nur mehr aneinander und ummantelte sie mit den ebenfalls vorfabrizierten Fassadenelementen.

Bei Räumen mit hohem Wiederholungsfaktor bietet sich diese Lösung an. Außerdem sollte das Haus in nur einem Jahr stehen. Die Bauzeit konnte mit Systembauweise um fünf Monate reduziert werden, sodass die Anrainer durch den Baustellenverkehr nicht überstrapaziert wurden. Auch die Prinzipien des Holzbaus entsprechen dem Gesamtkonzept mit Ordnung im Rastersystem, disziplinierten klaren Grundrissen und Linearität.

Grundsatzentscheidungen und auch alle Details zu Materialwahl, Ausstattung, Möblierung und die Vergabe der Gewerke wurden ausführlich im Lenkungsausschuss besprochen. Diesen hatte die Bauherrschaft, die Kongregation der Kreuzschwestern, eingesetzt und man traf sich bis heute zu fünfzig Sitzungen. „Hier wurde gewissenhaft und sorgfältig entschieden“, bemerkt Schwester Elisabeth. Sie erzählt auch, dass die Schwestern, die hier leben, früher das Pflegepersonal stellten, heute jedoch alle in Pension und über 85 Jahre alt sind. Nach Fertigstellung der Renovierungsarbeiten des Altbaus werden sie wieder hinüber in die Kleinwohnungen ziehen.

In der Zwischenzeit haben sie es sich in den Pflegezimmern gemütlich gemacht. „Ich fühle mich hier wirklich sehr wohl. Es ist so heimelig, jeden Tag freue ich mich über den Sonnenaufgang“, sagt Schwester Maria Martina. Die Zimmer sind hell und freundlich, Decke und Außenwand in Fichte (aus Feldkirchs Wäldern), raumhohe Fenster mit französischen
Balkonen, ansonsten weiß, am Fußboden Braunkern-Esche. Die gemeinsamen Aufenthaltsbereiche sind übersichtlich, behagliche Wärme kommt von den Bänken, die an Kachelöfen erinnern, in denen die Fußbodenheizung einfach hochgezogen ist.

Die Einbindung in die Natur war großes Thema. Liebevoll bepflanzte Gärten, Terrassen, Beete sind von jedem Bereich aus zu erreichen, teils ebenerdig oder über Brücken. Der Spielgarten für die Kinder ist besonders großzügig. Ein schmaler Feldweg führt Spaziergänger am Blasenberg zur Mariengrotte.

Daten & Fakten

Objekt: Antoniushaus Neu- und Umbau, 6800 Feldkirch, Blasenbergstraße

Bauherr: Kongregation der Kreuzschwestern, Provinz Europa Mitte, Wels

Architektur: Johannes Kaufmann Architektur, Dornbirn,

Landschaftsarchitektur: Gruber + Haumer, Elisabeth Gruber, Lünersee Fabrik, Bürs

Bauleitung: Wolfgang Summer Baubetreuung, Klaus

Wettbewerb: 2010

Planung: September 2010 bis September 2012

Baubeginn: April 2011

Fertigstellung: September 2012

Nutzfläche: 7150 m²

Bauvolumen: Altbau 11.400 m³, Neubau 21.500 m³

Konstruktion: Holz- Betonkonstruktion, Holzboxen

Baumeister: Hilti + Jehle, Feldkirch

Holzbau-Module: Kaufmann Bausysteme, Reuthe

Lenkungsausschuss: Günther Lampert (Vorsitzender), Clemens Schmölz (Notar), Helmut Madlener (Projektkoordinator und Vertreter der Kongregation), Werner Bühel (Geschäftsführer), Robert Häusle (Controlling), Schwester Elisabeth SV (Oberin), Johannes Kaufmann (Architekt), Dark Schick (Projektleiter)

Nutzung: Pflegeheim mit 60 Zimmern
Mobiler Hilfsdienst Tagesbetreuung, Urlaubspflege
Im Altbau: Kindergarten der Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik; Betreutes Wohnen und Wohnungen der Kreuzschwestern, Kapelle, Zentralküche, Wäscherei

(Leben & Wohnen)

Für den Inhalt verantwortlich:
vai Vorarlberger Architektur Institut

Architektur vorORT

In der monatlichen Architekturführungsreihe des vai wurde
im April auch dieses Objekt vorgestellt. Die Kollektion 2012 mit
allen weiteren Terminen ist zu fi nden unter Architektur vorOrt
www.v-a-i.at

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