23. April 2010 15:04; Akt.: 23.04.2010 15:04

Eine erst auf den zweiten Blick spannende Wahl

Wahlausgang steht fest, Details sind interessant Wahlausgang steht fest, Details sind interessant - © Bilderbox/Symbolbild
Nach einem öffentlich kaum wahrgenommenen Wahlkampf stellen sich am Sonntag Heinz Fischer, Barbara Rosenkranz (FPÖ) und Rudolf Gehring (CPÖ) der Wahl für das höchste Amt im Staat. Am Ausgang gibt es keinen Zweifel: Bundespräsident Heinz Fischer wird weitere sechs Jahre in der Hofburg amtieren. Spannend ist diese Wahl nur auf den zweiten Blick.

So ist es zwar nicht die Frage, wer die Wahl gewinnt – aber doch, wie hoch Fischer sie gewinnt und wie die FPÖ-Kandidatin Rosenkranz abschneidet. Ebenfalls interessant ist, wie viele der 6,355.620 Wahlberechtigten ihr Wahlrecht überhaupt ausüben – und wie viele weiß wählen werden.

Mit 52,39 Prozent ging Fischer 2004 aus dem Duell gegen die ÖVP-Kandidatin Benita Ferrero-Waldner (47,61 Prozent) hervor. Sein Wiederwahlergebnis wird gewiss deutlich besser ausfallen. Die Frage ist, ob er das beste Ergebnis der bisher elf Volkswahlen seit 1951 überbieten kann. Auf 79,87 Prozent hat der von der SPÖ nominierte Rudolf Kirchschläger 1980 – ebenfalls ohne ÖVP-Mitbewerber – die Latte gelegt.

In den Umfragen rangierte Fischer zuletzt um die 80 Prozent. Er selbst nannte keine Zahl – aber als Wahlziel die absolute Mehrheit in allen neun Bundesländern. Auch das wird heuer nicht die Frage sein. 2004 entschieden sich noch vier Länder für Ferrero-Waldner: Ihr Geburtsland Salzburg, die beiden tiefschwarzen Länder Tirol und Vorarlberg und Kärnten, dessen LH Jörg Haider (damals F) die Wahl der ÖVP-Kandidatin empfahl.

Das Kärntner Ergebnis wird auch heuer recht interessant – und zwar im Hinblick Rosenkranz. Denn dort haben sich die Orangen ja wieder mit den Bundes-Blauen zusammengetan. Das Abschneiden der FPÖ-Kandidatin kann zeigen, was die Kärntner davon halten. Wobei freilich selbst die Bundespartei ihre Kandidatin eher zurückhaltend unterstützte.

Mit umstrittenen Aussagen über die Gaskammern und das Verbotsgesetz hat sie es sich gleich nach ihrer Nominierung offenbar nicht nur mit der “Kronen Zeitung”, sondern auch mit potenziellen Wählern verdorben. Mittels Notariatsakt und ständig wiederholten Beteuerungen – garniert mit Angriffen auf die Medien – versuchte sie zwar, das Blatt zu wenden. Aber auf die Umfragewerte vom März – von deutlich über 20 Prozent – kam sie zuletzt nicht mehr.

Im Bereich des Möglichen scheint das von Rosenkranz formulierte Wahlziel: Die 16,96 Prozent des bisher besten FPÖ-Kandidaten Willfried Gredler (ebenfalls aus 1980) zu überbieten. Unerreichbar scheint hingegen die Latte, die ihr Parteichef Heinz-Christian Strache legte: 35 Prozent nannte er möglich – doppelt so viel wie die 17,54 Prozent der FPÖ bei der Nationalratswahl 2008. Unrealistisch ist auch die Parole des dritten Bewerbers, Rudolf Gehring von der Christlichen Partei Österreichs, in die Stichwahl mit Fischer zu kommen.

Schwer einschätzbar ist, wie sich die ÖVP-Wähler verhalten, denen ihre Partei heuer (wie schon 1980) kein Angebot machte. Zu einer Wahlempfehlung für Fischer – wie sie die Grünen als Protest gegen Rosenkranz letztlich abgaben – rang sich die ÖVP nicht durch, auch wenn Fischer heuer als “Unabhängiger” antrat. Ein paar frühere ÖVP-Größen (z.B. Heinrich Neisser) schlossen sich zwar seinem Unterstützungskomitee an, einige lobten ihn – aber viele gingen auf Distanz. Und manche, wie Klubobmann Karlheinz Kopf, legten den VP-Anhängern Weißwählen nahe.

Somit wird heuer auch die Zahl der ungültigen Stimmen spannend. Die bisher meisten “Ungültigen” (7,29 Prozent der abgegebenen Stimmen) gab es ebenfalls bei der Wiederwahl Kirchschlägers 1980. Damals war – bei allgemeiner Wahlpflicht – die Wahlbeteiligung aber noch hoch, sodass insgesamt (Nichtwähler und ungültige Stimmen) “nur” 15,05 Prozent der Wahlberechtigten nicht mitentschieden. 2004 war dieser Anteil – mit 31,42 Prozent – bereits doppelt so groß, da mittlerweile die Wahlbeteiligung stark abnahm. 91,63 Prozent hatte sie 1980 betragen, gerade noch 71,60 Prozent waren es vor sechs Jahren. Für heuer befürchten die Meinungsforscher einen weiteren Einbruch.

Nicht am Wahltag beantwortet wird eine weitere Frage dieser Wahl, und zwar jene nach den innenpolitischen Auswirkungen. Mancher in der SPÖ erhofft (und mancher in der ÖVP befürchtet wohl) einen positiven Impuls für die Sozialdemokratie nach einer Serie von Wahlverlusten – den sie für die anstehenden Landtagswahlen im Burgenland, der Steiermark und Wien gut brauchen könnte. Auf “Schwung” vor allem für die Wien-Wahl hatte anfangs auch die FPÖ gehofft. Bei den Grünen wiederum läuft die Diskussion, warum man diese Möglichkeit der Profilierung ausgelassen hat.


Artikel weiterempfehlen

Ihre Meinung
Was meinen Sie?
Kommentare filtern  | 
KOMMENTARE FILTERN Optionen ausblenden  X


Please enter a title and content
 


Mehr auf VOL.at
Erneut Tote bei Demonstrationen in Syrien
Mit Tränengas und scharfer Munition sind die syrischen Streitkräfte am Freitag gegen tausende demonstrierende [...] mehr »
Hollande verspricht “geordneten” Afghanistan-Abzug
Frankreichs neuer Präsident Hollande hat Afghanistan militärische und zivile Zusammenarbeit auch nach 2012 zugesagt, [...] mehr »
Widmer-Schlumpf verteidigte Steuerabkommen
Die Schweizer Bundespräsidentin Eveline Widmer-Schlumpf am Freitag in Wien das mit Österreich vereinbarte [...] mehr »
FPÖ sieht ÖVP-Hintermänner in Causa Graf
Die FPÖ beschuldigt nun die ÖVP, hinter den Vorwürfen gegen den Dritten Nationalratspräsidenten Martin Graf im [...] mehr »
Dalai Lama bekräftigte Willen zum Dialog mit China
Das spirituelle Oberhaupt der Tibeter, der Dalai Lama, hat sich erneut für einen Dialog mit China ausgesprochen. Er [...] mehr »
Mehr Meldungen »
Psst... Box

Anmelden

Facebook-Benutzer?

Sie können Ihren Facebook-Account zum Anmelden verwenden:

Mit Facebook verbinden



Passwort vergessen?
Neuen Nutzer registrieren

Anmelden oder Registrieren
um Profile zu verknüpfen

{username} registrieren Sie sich jetzt neu auf VOL, um Ihr Facebook-Profil mit einem neuen Benutzer zu verknüpfen ODER klicken Sie auf Anmelden wenn Sie bereits einen VOL-Benutzer haben.


muss eine gültige E-Mail-Adresse sein


Bitte max. 32 Zeichen verwenden


Mindestens 6 Zeichen





Sie haben bereits einen VOL-Benutzer? Anmelden

Bestehendes VOL-Profil verknüpfen

melden Sie sich mit Ihrem VOL-Benutzer an ODER klicken Sie auf Neu Registrieren .


Passwort vergessen

Sie haben noch keinen VOL-Benutzer? Neuen Benutzer registrieren