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22. Februar 2012 09:29; Akt.: 22.02.2012 09:29

Eine Brücke soll erinnern

Die kleine Brücke über den Alten Rhein wird offiziell den Namen „Paul- Grüninger-Brücke“ erhalten. Die kleine Brücke über den Alten Rhein wird offiziell den Namen „Paul- Grüninger-Brücke“ erhalten. - © GG
Hohenems, Diepoldsau – Heute vor 40 Jahren starb Paul Grüninger. Zu Ehren des Judenretters wird eine Brücke seinen Namen tragen.

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In vielen Städten erinnern Straßennamen an den ehemaligen St. Galler Polizeikommandanten, das Stadion des St. Galler FC Brühl wurde nach ihm benannt, in Wien eine Schule. Im Rheintal fehlte bisher eine Gedenkstätte. Auf Anregung der St. Galler und Vorarlberger Grünen wird nun die kleine Brücke über den Alten Rhein zwischen Hohenems und Diepoldsau nach ihm benannt. Hohenems und Diepoldsau begrüßten dies, die provisorische Gedenktafel, die eine Privatinitiative an der Brücke aufstellte, musste aber vorläufig wieder entfernt und der Festakt am Todestag verschoben werden. Nun gaben das Land Vorarlberg und der Kanton St. Gallen als Zuständige grünes Licht für die Paul-Grüninger-Brücke. Sie steht am einstigen Brennpunkt der menschlichen Tragödien, wo Hunderte Flüchtlinge in die Schweiz flohen, um den Gaskammern der Nazis zu entkommen.

Paul Grüninger war neben den Schleppern, die vor allem in Hohenems ankommende Juden aus Wien über die Grenze brachten, der wichtigste Helfer der Verfolgten. Er rettete Hunderte, nach anderen Angaben waren es über 3000 Menschen, vor dem Weg in die Vernichtungslager.

Probleme begannen 1938

Paul Grüninger trat 1919 in den Dienst der St. Galler Kantonspolizei, ab 1925 war er deren Kommandant. Grüningers Probleme begannen, als nach dem Anschluss Österreichs und der beginnenden Judenverfolgung im Deutschen Reich immer mehr Flüchtlinge in die Schweiz drängten. „Boot ist voll“ 1939 beschloss die Eidgenossenschaft, die Grenzen dichtzumachen. Die unselige Parole „Das Boot ist voll“ ging um. Paul Grüninger brachte bei einer Konferenz in Bern noch menschliche Einwände gegen die Sperre vor, konnte sich aber nicht durchsetzen. An den Schweizer Grenzen wurden Tausende Flüchtlinge abgewiesen und damit die meisten von ihnen direkt in die Todeslager geschickt. „Mein Vater brachte es einfach nicht übers Herz, die Menschen zurückzuweisen“, sagte seine in Heerbrugg lebende Tochter Ruth Roduner-Grüninger (90). „Wir, ich habe drei Söhne mit Familien, freuen uns über die Brückenbenennung, mein Vater erlebt das leider nicht mehr.“

Der Polizeikommandant fand Mittel und Wege, auch nach der Totalsperre Juden die Einreise und den Aufenthalt in der Schweiz zu ermöglichen. Er datierte Grenzübertrittstermine vor, fälschte Papiere und manipulierte Statistiken. In einer späteren Rechtfertigung sagte Grüninger, der auch in dem in einem Diepoldsauer Fabriksgebäude auf seine Initiative eingerichteten Auffanglager zum Rechten sah: „Wer wie ich wiederholt Gelegenheit hatte, die herzzerbrechenden Auftritte, das Zusammenbrechen der Betroffenen, das Jammern und Schreien von Müttern und Kindern anzusehen, der konnte schließlich nicht mehr mittun.“ Die wachsende Zahl der „Fremden“ begann aufzufallen, gegen Paul Grüninger wurden Ermittlungen aufgenommen. Am 6. Mai 1939 wurde er fristlos entlassen. 1940 erfolgte seine Verurteilung wegen Verletzung seiner Amtspflicht und Urkundenfälschungen. Er verlor alle Bezüge, musste Strafe zahlen. Es blieb ihm überlassen, wie er seine Familie durchbrachte, was umso schwerer fiel, als sein öffentlicher Ruf ruiniert war. Grüninger starb „verarmt und vergessen, aber ohne Groll“, wie seine Tochter Ruth einmal sagte, im Jahre 1972. Erst zehn Jahre nach seinem Tod wurden Stimmen laut, die Gerechtigkeit forderten. Nach einem Prozess im gleichen Saal, in dem er 1939 verurteilt worden war, sprach das St. Galler Bezirksgericht 1995 Paul Grüninger von aller Schuld frei. Die Hinterbliebenen erhielten für entgangenen Lohn eine Entschädigung, die sie in die Paul-Grüninger-Stiftung einbrachten.

(VN-gg)


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