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Ein-Personen-Unternehmen im Ländle: Unabhängigkeit oder sozialer Abstieg?

Susanna Troy von Wirtschaftskammer Vorarlberg bei der Arbeit Susanna Troy von Wirtschaftskammer Vorarlberg bei der Arbeit - © VOL.AT/Markus Sturn
von Markus Sturn (VOL.AT) - Schwarzach, Feldkirch – In Österreich gibt es immer mehr Ein-Personen-Unternehmen (EPUs). VOL.AT sprach mit Experten und Unternehmern über die Vor- und Nachteile dieser besonderen Form des Wirtschaftens.

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Laut Studien verdienen EPUs im Schnitt zwischen 10.000 und 30.000 Euro im Jahr. Bedeutet die Gründung eines solchen Unternehmens damit den sozialen Abstieg? Susanna Troy, Geschäftsführer der Sparte Information und Consulting bei der Wirtschaftskammer Vorarlberg, verneint. Dazu sei zu bemerken, dass „in diesem Durchschnitt natürlich auch alle Ein-Personen-Unternehmen drinnen sind, die nur auf geringfügiger Basis arbeiten, was natürlich den Durchschnittsumsatz drückt.“ Nachteile gebe es aber in anderen Bereichen: So erhalte man als Alleinunternehmer beispielsweise kein Krankengeld.

Hohe steuerliche Belastung

Rund die Hälfte der Mitglieder der Wirtschaftskammer sind EPUs. Die meisten davon sind im Bereich der wissensbasierten Dienstleistung aktiv, wie Troy berichtet. Einer davon ist Simon Bertsch. Der 30-Jährige hat sich vor sechs Jahren selbstständig gemacht. Sein Unternehmen bietet Firmen Hilfestellung beim Onlinemarketing. Als großen Vorteil sieht er, dass EPUs relativ leicht zu gründen sind. Negativ ist hingegen die hohe steuerliche Belastung: Mehr als die Hälfte seines Umsatzes machen derzeit Einkommensteuer und Sozialversicherung aus. Trotzdem muss er bei einem Arztbesuch mit einem Selbstbehalt von 20 Prozent rechnen. Einen wichtigen Nachteil stellt auch die volle Haftung von Selbstständigen dar. Empfehlen würde er die Gründung eines EPUs nur, wenn man über ein solides Startkapital und ein gutes Netzwerk verfügt. Vor allem die ersten Monate würden sich für ein junges Unternehmen recht schwierig gestalten.

Schwierige Anfangsphase

Das kann Alexandra Serra nur bestätigen. Die 45-Jährige ist selbstständige Fotografin. Vor allem die ersten zwei bis drei Jahre litt sie unter einem Mangel an Aufträgen: „Es ist schon ein langer Atem notwendig.“ Überrascht war sie auch über die vielen Nebentätigkeiten, die mit der Selbstständigkeit einhergehen, beispielsweise die eigene Buchführung. Bereut hat sie ihre Entscheidung aber nicht: Für sie sei es die Möglichkeit gewesen, „etwas Neues auszuprobieren.“ Zu Beginn habe sie noch Teilzeit gearbeitet, um mehr Zeit mit der Familie verbringen zu können. Mittlerweile ist sie vollzeitig als Fotografin unterwegs und kann auch von ihrem Beruf leben. Die hohe Steuerbelastung macht aber auch ihr zu schaffen.

„Man steht oft alleine da“

Fast nur Positives zu berichten weiß Marliese Martin. Im Jahr 1999 gründete sie ihre eigene Farb- & Typenberatung. Nebenbei ist die 52-Jährige als Familienhelferin in Liechtenstein tätig. Besonders gut gefällt ihr, dass sie nun ihr eigener Chef sein kann. „Wenn man mehr arbeitet, verdient man auch mehr; tut man weniger, springt auch weniger heraus.“ Einziger Knackpunkt aus ihrer Sicht: „Man steht oft alleine da.“ Das Problem ist in ihrer Branche besonders ausgeprägt, weil es in Vorarlberg nicht sehr viele Farb- und Typenberater gibt, mit denen sie sich austauschen könnte. Dass man als EPU aber nicht zum Einsiedlerdasein verdammt ist, zeigt Simon Bertsch: Er arbeitet in einem sogenannten Coworking Lab – einem geteilten Büro. Das hat auch den Vorteil, dass sich die Unternehmen gegenseitig bei der Auftragsbeschaffung behilflich sein können.

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