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Ein Abend mit großer Schauspielkunst

Im „Applaus“-Abo gastierten zwei berühmte deutsche Schauspieler auf der Kulturbühne.

Götzis. (sch)  „Halpern & Johnson“, dieses Schauspiel von Lionel Goldstein, geb. 1935 in London (1982 als Fernsehspiel, später als höchst erfolgreiche Bühnenadaption), war im Rahmen von „Applaus“ in einer Produktion des Ernst-Deutsch-Theaters Hamburg/Tournee Landgraf auf der Kulturbühne zu Gast. Es ist ein „Kammerspiel“ für zwei profilierte ältere Mimen, die allein den dialogreichen Theaterabend bestreiten. Mit Klaus Mikoleit und Friedhelm Ptok, zwei „großen alten Männern“ deutscher Schauspielkunst auf Bühnen, in Film und Fernsehen, die mit den wichtigsten Regisseuren und Partnern des letzten Jahrhunderts zusammengearbeitet haben, war das Zweipersonenstück glanzvoll besetzt. Regisseur Felix Prader führte das Duo behutsam/sensibel durch einen Abend der tragikomischen Lebenslügen. Die Bühnenausstattung (Werner Hutterli) beschränkte sich auf eine Grabstätte und eine Parkbank.

Joseph Halpern, ein älterer Jude in Trauerkleidung, hat eben seine Frau „Flo“ bestattet und hält am Grab liebevolle Zwiesprache mit ihr, mit der er über fünfzig Jahre verheiratet war. Plötzlich tritt ein ebenfalls älterer Mann namens Dennis Johnson hinzu und will Blumen auf das frische Grab legen. Halpern ist fürs Erste darüber empört, erst recht, als er von Johnson erfährt, dass dieser einmal der Geliebte von Flo war und später bis zu ihrem Tod ihr platonisch (?) verbunden blieb.  Nach einiger Zeit treffen sich die beiden Männer aber wieder auf einer Parkbank, sogar mit kleinem Picknick, und machen, einmal mehr Kumpel, ein andermal mehr Streithähne, einen gegenseitigen, pointenreichen Seelenstriptease rund um Flo, die verblichene Frau im Leben beider Männer.

 

Herrliches „Doppel“

Der Autor Lionel Goldstein legt den beiden Akteuren permanent sehr menschliche Dialoge in den Mund; es geht um Liebe, Sex, Ehe, Seitensprung, Treue etc. und viele kleine Lebenslügen, die wohl jedem im Publikum bekannt vorkommen, gewürzt mit bissigem Humor bis hin zu Halperns deftigen Sorgen mit der Prostata. Die beiden Alten raufen sich schließlich zusammen, werden (fast) Freunde und legen Flo nun gemeinsam einen Stein bzw. weiße Blumen auf die Grabplatte. Der elegant/smarte Klaus Mikolait spielte den Halpern gereizt, aufbrausend, voll Selbstmitleid über Verletzungen und nachträgliche Enttäuschungen in seiner Ehe; Friedhelm Ptok, mit fülliger weißer Mähne und behäbiger Körpersprache, betrachtete sein Verhältnis zu Flo sehr cool und mit stoisch-ironischer Gelassenheit. Das geniale Schauspieler-Duo bot jedenfalls einen herrlichen Abend zwischen Komik und Berührtsein mit virtuosem Theater-Blick in verborgene Seelenwinkel des Menschen.