„Theaterspielen öffnet ein Fenster in die eigene Seele“

Von Gemeindereporter Edith Hämmerle
Mitwirkende in „Jägerstätter“: Hanno Dreher, Sepp Gröfler und Manfred Kräutler.
Mitwirkende in „Jägerstätter“: Hanno Dreher, Sepp Gröfler und Manfred Kräutler. - © edithhaemmerle
Im Theaterstück „Jägerstätter“ haben drei Akteure aus Dornbirn und Lustenau eine tragende Rolle.

Dornbirn (EH) Felix Mitterers zeitkritisches Theaterstück erzählt die Geschichte des unbeugsamen Wehrdienstverweigerers Franz Jägerstätter. Das Stück wird als Freiluft-Theater mit der einzigartigen Kulisse des Liebfrauenberges der Basilika in Rankweil aufgeführt, in dem Brigitta Soraperra Regie führt. Premiere ist am 18. August. Die Proben laufen auf Hochtouren. Insgesamt sind es rund 50 Mitwirkende, die ihre Zeit ehrenamtlich in den Dienst der Produktion stellen. Darunter sind drei ambitionierte Laienschauspieler aus Dornbirn und Lustenau mit tragenden Rollen. Sepp Gröfler aus Dornbirn verwandelt sich als Hauptdarsteller in den Jägerstätter. Zur Vorbereitung, um sich ganz und gar in den zwiespältigen Menschen Franz Jägerstätter hineinfühlen zu können, besuchte er dessen Geburts- und Wohnort St. Radegund, der zu einem kleinen Museum geworden ist. Als Laienschauspieler ist Gröfler bereits in mehrere Rollen geschlüpft. Theaterspielen öffne für ihn ein Fenster in die eigene Seele, nennt der gebürtige Salzburger sein freizeitfüllendes Faible, das dennoch eine Parallele zu seinem Beruf erkennen lässt. Der 56-jährige Neo-Dornbirner leitet die Vorarlberger Telefonseelsorge seit 17 Jahren. Und so spiele auf beiden Seiten die Seele des Menschen die Hauptrolle, schmunzelt Gröfler. „Die Proben erfordern immens viel Zeit. Das Herz muss dabei sein und eine große Leidenschaft. Den enormen Aufwand neben dem Beruf muss die Freude aufwiegen“, sagt der dreifache Familienvater und erwähnt im selben Atemzug: „Da muss auch die Familie mitspielen, sonst ist es nicht machbar. Die Toleranz der Partnerin ist stark gefordert“, dabei denke er an die Liebensszenen, die vor jeder Aufführung nicht nur einmal geprobt werden müssen. Als Hauptakteur fühlt er sich dennoch als kleines Rädchen im Gefüge, das nur im Gesamten das Uhrwerk zum Schwingen bringt. „Erst wenn die Emotionen aller Mitwirkenden als geballter Funke im Publikum überspringt, ist das Ergebnis intakt“, spricht Gröfler aus seiner langjährigen Bühnenerfahrung.

Kirche spielt hinein

Das Theaterstück ist ebenso historisch wie kritisch und gerade dadurch höchst aktuell. Die Gesinnung der Kirche spielt in die NS-Zeit hinein. Eher zurückhaltend und sehr diplomatisch agiert Bischof Josef Fliesser, der in der Zeit von 1941 bis 1955 als katholischer Bischof wirkte. Die Rolle dieses Kirchenmannes, der sich nie zu weit aus dem Fenster hinauslehnen wollte, verkörpert Hanno Dreher aus Lustenau. Seine Erfahrung im Laienschauspiel, er spielte bereits den Mephisto in Goethes Faust, ebenso die Hauptrolle in Arno Geigers Stück „Der alte König im Exil“, lässt Dreher nun in seine neue Aufgabe hineinfließen. Das Theaterspielen bringt für ihn den Ausgleich in das eher nüchterne Zahlenlabyrinth als Bankangestellter. „Sehr bewegend bei jeder Probe ist die Szene, wobei der Bischof die Bitte Jägerstätters um den Segen ablehnt“, erzählt der 56-jährige Familienvater den berührenden Ausschnitt aus dem Inhalt seiner Rolle und fügt hinzu: „ich bin darauf bedacht, dass der Bischof nicht zu sehr an Sympathie verliert.“

Tragisches Ende

Einen weiteren Kirchenmann im Stück spielt Manfred Kräutler. Der 52-jährige Dornbirner ist beruflich selbstständiger Unternehmer, engagiert sich nebenbei ehrenamtlich für die Albanienhilfe, in seiner Freizeit ist er leidenschaftlicher Theaterspieler und Kabarettist. In seine Rolle als Pfarrer Fürthauer ist er während der intensiven Probenzeit hineingewachsen. „Es gibt Szenen, die gehen unter die Haut. Zum Beispiel wenn du während der Probe das Gefühl der Machtlosigkeit spürst. Wie der Versuch scheitert, Jägerstätter von seinem Entschluss den Kriegsdienst zu verweigern, abzubringen, um dessen Leben zu schützen“, lässt Kräutler an auftretenden Emotionen teilhaben. Doch Jägerstätter hält bis zum bitteren Ende an seinem Entschluss fest: „Lieber die Hände gefesselt als den Willen.“
Neben den Schauspielern besteht das Ensemble aus einem Sprech- und einem Gesangschor. Eine der Mitwirkenden im Schauspiel- oder Sprechchor ist die Hohenemserin Heidi Salmhofer (42). Außerdem spielen ihre beiden Töchter Melina (9) und Naya (8) zwei der Kinder von Franz Jägerstätter.
Zwischen der Dramatik biete das Stück auch eine gewisse Leichtigkeit, geben die drei Darsteller dem Inhalt einen Rahmen, „und niemand wird unberührt bleiben.“

Aufführungen:

Premiere: 18. August
Weitere Aufführungen: 19., 23., 24., 25., 26., 27. August 2017
www.basilika-rankweil.at

 

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