Seltene Einblicke in ein Atelier

Von Gemeindereporter Gerty
Akt.:
Für Prof. Gerhard Winkler sind die "himmlischen Boten" bedeutsam für unsere Existenz.
Für Prof. Gerhard Winkler sind die "himmlischen Boten" bedeutsam für unsere Existenz. - © Gerty Lang
Besuch im Atelier – akad. Maler Prof. Gerhard Winkler. Die Vorstellung von einem persönlichen Schutzengel in unserer hochtechnisierten Welt.

Dornbirn. „Es müssen nicht Männer mit Flügeln sein, die Engel. Sie gehen leise, sie müssen nicht schreien. Oder sie sind alt, hässlich und klein. Vielleicht ist einer, der gibt dir die Hand, oder er wohnt neben dir, Wand an Wand.“ Ein Besuch im kleinen Atelier des Dornbirner Künstlers Gerhard Winkler oberhalb von Haselstauden ist schon etwas Besonderes. Es sind seine Engel, gemalt in der alten Technik der Hinterglasmalerei, die in Stille und mit einem fantastischen Blick über das Rheintal mit Hilfe von Ölfarben und Gold langsam sichtbar werden.

Es sind Kostbarkeiten hinter Glas. „In den Glaubensvorstellungen sämtlicher Weltreligionen finden sich überirdische Geistwesen. Ihre Namen, Erscheinungsformen und Aufgaben sind von Religion zu Religion verschieden“, sagt der Herr Professor. In dem hellen Raum findet man sie aneinandergereiht: edel, ausdrucksstark, strahlend, bunt und liebevoll, in kostbaren Rahmen, aber auch in ihrer ursprünglichen Form. „Es ist praktisch eine verkehrte Welt hinter Glas“, schmunzelt der Künstler. Fasziniert gleitet mein Blick über die Atelierwand. Es ist nicht die „verkehrte Welt“, die mich in den Bann zieht, sondern die Ausdruckskraft der Engel.

Sie überbringen eine Botschaft. „Sie sprechen uns an und laden uns dazu ein, mit ihnen in ein Gespräch zu treten. Hören wir auf ihre Stimme, hören wir uns selbst. Wenn wir das wahrnehmen, können aus leeren Engeln wieder Lichtgestalten werden. Gerade auch in Zeiten persönlichen Zweifelns und Leidens, Unsicherheit und Krankheit sind Engel die Zuversicht als Boten der Hoffnung.“ Sie sind strahlende Boten von der Bedeutung unserer Existenz. Bei der Hinterglasmalerei, ist das Glas Malgrund und Deckschicht zugleich. Das auf die Scheibe gemalte Bild steht vom Betrachter aus gesehen hinter dem Glas. Deshalb erhalten die Farben ihre Leuchtkraft durch das von vorne einfallende Licht.

„Was unbedingt sichtbar sein soll, wird zuerst gemalt. Wurde mit dem Bild begonnen, lassen sich keine Veränderungen des kompositorischen Aufbaues mehr vornehmen“, so der akad. Maler. „Kunst gibt nicht nur das Sichtbare wieder, sondern macht es sichtbar“, sind seine Gedanken. So wird auch der Schutzengel zum persönlichen Begleiter des Menschen. „Die Bilder sind für mich ein Verdichten religiöser Empfindungen. Ich bin unterwegs im Suchen und Fragen. Die Antworten, die sich dabei in meinen Bildern ergeben, sind keine endgültigen. Sie sind oft vorläufig, oft nicht direkt greifbar, wie die Farbe hinter dem Glas.” Dass ihm die Technik der Hinterglasmalerei mit ihren vielschichtigen , fast geheimnisvollen Möglichkeiten, seinem künstlerischen Wollen besonders entgegenkommt, betont er immer wieder.

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