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Die Zanzenbergbohrer

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Wöchentlich gehe ich meiner Beschäftigung als Schreiber nach. Meine Aufgabe besteht darin, Barons Ideen auszuformulieren. Selten steig ich auf den Zanzenberg, meist über das Zickzackwegle, um droben zu wandeln und Abstand von den Plotikeri zu bekommen, die mich tagtäglich ansurren. Oben bestimmt dann der Baron mein Geh-Hirn und versetzt mich, oh wie schön, nach Panama oder fesselt mich in Rückblenden, aus denen mich ein Zanzenvogel befreit oder sonst eine Oberdorferin mit Dackel, wenn sie mir entgegen wandern, was ich nicht so mag. Über den Zanzenberg wird allerlei Unglaubliches erzählt.Kürzlich wurde ich von einem tiefen anhaltenden unterirdischen Brummen überrascht, ein Geräusch, also ob der Berg zahnarztmäßig angebohrt werde. In der Zeitung las ich später, dass „ein Stollen mit sanfter Bohrung“ (political goretexness) durchgezogen werde. Wozu fragte ich? Wozu wird für 7 Millionen Euro Dreck herausgebohrt? Bohren die Rathäusler nach ihren fossilen Versteinerungen? Dass die Stadtvertreter gerne und la

nge mit dem Zeigefinger herumbohren ist bekannt, auch dass sie nicht von spritzigen Ideen geplagt werden, weiß man. Aber ist das ein Grund, eine derart urblöde Idee umzusetzen? Um 7 Millionen ein langes Loch in den Zanzenberg zu bohren? Es gibt ja bereits das Hatler Loch, dem die 7 Millionen Investition gut täten. Im Wirtshaus erfuhr ich, dass der „sanfte Stollen“ zur Rettung der Fischbächler in 100 Jahren sei. Was? Hör ich recht? Wer (außer der Stadtvertretung) käme jemals auf die Idee, die Fischbächler um 7 Millionen 100 Jahre voraus zu retten? Einzig die Pinken hat diese Pinke gereut.Der Tunnel müsse gebaut werden, weil irgendwann in ferner Zeit, wenn wir alle schon dreimal tot sind, die große Flut über den Zanzenberg komme und das Wasser vom Steinebach in den Fischbach sause und alle Fischbächler drinn ersaufen könnten. Die städtischen Rettungsbohrer haben extra einen Fragebohrer (sprich Fragebogen) für die Fischbächler gemacht, der beweisen soll, dass den Fischbächlern trotz Gewinnspiel jetzt schon der Reis geht und deshalb alle dafür

sind. Bürgermitsprache heißt, die urblöden Ideen der Stadtvertreter vom Volk bestätigen zu lassen, damit man fein heraus ist, wenn‘s in die Hosen geht. Begründet wird das so: Weil die große Flut bisher noch nie dagewesen sei, werde sie umso sicherer einmal kommen und deshalb müsse man unbedingt dieses Jahrhundertbauwerk bohren. Das sei nachhaltig, wird mir vorgehalten. Außerdem könne man bei der Kulturhauptstadteröffnung 2024 damit gleich neben dem Krippenmuseum aufgeigen, die Jahrhundertflut exemplarisch vorführen und einen mutigen Fischbächler durch den Zanzentunnel durchsausen lassen.

Ulrich Gabriel
Ulrich Gabriel ©Ulrich Gabriel
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