Die schmerzvolle "Brücke ins Leben"

Von VN/Christa Dietrich
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"Ikarus in the house of pain" heißt diese Arbeit, die auch die vielen Brüche zeigt, die Flatz von einem Autofahrer angetan wurden. "Ikarus in the house of pain" heißt diese Arbeit, die auch die vielen Brüche zeigt, die Flatz von einem Autofahrer angetan wurden. - © Flatz
München - Der Vorarlberger Künstler Wolfgang Flatz rang mit dem Tod und engagiert sich jetzt bereits für seine Mitmenschen.

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"Brücken ins Leben" heißt eine Hilfsorganisation für Jugendliche, der sich der bekannte Vorarlberger Künstler Wolfgang Flatz widmete. Er selbst hatte in den letzten Wochen eine äußerst schmerzvolle Brücke zurück ins Leben zu überschreiten. Jetzt, da feststeht, dass er nicht gelähmt ist, obwohl es noch lange dauert, bis er auf die Beine kommt, wagt er auch darüber zu sprechen.

Ein Autofahrer gab Gas

Vor wenigen Wochen war es, die Ampel stand für ihn als Fußgänger in der Münchner Innenstadt auf Grün, ein Autofahrer, der eindeutig Rot hatte, gab trotzdem Gas. Die Folgen waren verheerend: zahlreiche gebrochene und zertrümmerte Knochen, Blessuren am ganzen Körper, ein zerfetztes Augenlid. Flatz’ Rettung dürfte es gewesen sein, dass in einem der ersten Autos in der Kolonne hinter dem Unfallverursacher Notärzte und Helfer saßen. Der Blutverlust war bereits erheblich und die Verletzungen überaus lebensbedrohlich, als er ins Klinikum Schwabing eingeliefert werden konnte.

Der Schmerz ist in seiner Erinnerung noch präsent, auch die Angst um den Verlust der Sehkraft und die Frage nach dem Zustand der Wirbelsäule. Ob es im Fall des Überlebens ein Leben im Rollstuhl sein wird, stand lange Zeit nicht fest, denn die vielen Operationen am Skelett konnten erst Schritt für Schritt in Angriff genommen werden.

"Ich bin nicht krank, nur schwer verletzt, der Kopf funktioniert", versucht Flatz die Scheu beim Fragenstellen im Gespräch mit den VN zu zerstreuen. Es schwingt nicht einmal Sarkasmus mit, wenn er meint, dass er nach den vielen Eingriffen, bei denen seine Knochen mit Metall geschient und verschraubt wurden, nun etwas mehr wiegt.

Wahrscheinlich ist es der Pragmatismus, die bewusste körperliche Anstrengung, die für die Herangehensweise des Künstlers Flatz – wie auch seine Werke im Flatz-Museum in Dornbirn zeigen – immer schon Bedeutung hatten, die nun dazu führten, dass er noch im Klinikum bereits ein Kunstprojekt realisierte.

"Bodyart – Offensive Körperbilder" heißt eine Ausstellung der Universität der Bundeswehr in München. Ein Bild mit dem Titel "Ikarus in the house of pain" hat Kurator Stefan Maria Mittendorf darin aufgenommen. Das auf Leinwand aufgezogene, zwei Meter mal 1,40 Meter große Werk zeigt Flatz mit vernarbtem Gesicht in der Intensivstation. Quasi als Rahmen des Porträtierten, der den Betrachter mit dem unversehrten Auge fokussiert, wurden die eigenen Röntgenbilder aneinandergereiht. Ein Symbol für Verletzung und Verwundbarkeit, aber auch für enormen Überlebenskampf und Bereitschaft, einen schmerzvollen Weg zurück ins Leben zu gehen.

Projekt für den Odeonsplatz

In der Öffentlichkeit in München ist Flatz ab diesem Wochenende mit einem besonderen Werk präsent. Für die Organisation "Brücken ins Leben", die gefährdeten Jugendlichen, aber auch Flüchtlingen oder alten Menschen Hilfe anbietet, hat er eine Skulptur entworfen. Die Brücke, die einem Spielzeug-Baukastenteil nachempfunden wurde, ist mehrere Meter groß und wurde am Freitag auf dem Odeonsplatz aufgestellt, wo ein Fest für die Menschen stattfindet. Neben Bürgermeister Christian Ude hat Flatz die Schirmherrschaft. In Gedanken ist er dabei.

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