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„Die Patienten brauchen erträgliche Wartezeiten"

Lange Wartezeiten sorgen oft für Ärger.
Lange Wartezeiten sorgen oft für Ärger. ©AP
Da sich ein frustrierter Patient an die Redaktion wandte, machte W&W den Stichproben bei 50 Fachärzten im Ländle.

Sein Optiker habe ihn darauf hingewiesen, dass er aufgrund seiner rapiden Sehkraftverschlechterung einen Augenarzt aufsuchen sollte. Darum habe Johann* aus Bregenz probiert, bei einem Facharzt im Bezirk Bregenz einen Termin zu bekommen. „Ich habe erfolglos alles versucht, aber bei keinem der sieben Ärzte in der Umgebung wurde mir ein zeitnaher Termin gegeben, was mich sehr frustriert hat. Die meisten nehmen keine neuen Patienten mehr auf und manche verweisen sogar einfach nur auf dem Anrufbeantworter darauf“, erklärt der Vorarlberger Mitte 60.

Ernüchterndes Ergebnis

Also griff WANN & WO kurzerhand zum Telefon, um mittels Stichproben in Erfahrung zu bringen, mit welchen Wartezeiten man in Vorarlberg bei verschiedenen Fachärzten rechnen muss. Nachdem rund 50 Augen-, HNO-, Röntgen- und Zahnärzte durchtelefoniert waren, war das Ergebnis ernüchternd. Die vom Patienten angegebenen Wartezeiten bei Augenärzten bestätigten sich und betragen auch mit Überweisung vom Hausarzt mindestens ein bis zwei Monate. Neue Patienten werden selten oder frühestens im Herbst aufgenommen. Auch bei den anderen Fachärzten verhält es sich ähnlich. Auf einen Termin beim Radiologen wartet man etwa einen Monat, sofern es aufgrund des Krankheitsbildes nicht unbedingt notwendig ist, schneller eine Diagnose zu erhalten.

Neuer Zahnarzt gesucht

Wie WANN & WO auf Nachfrage bei der Zahnärztekammer bestätigt wurde, gehen heuer und nächstes Jahr überdurchschnittlich viele Zahnärzte in Vorarlberg in Pension. Nicht zuletzt deshalb gestaltet sich die Suche nach einem neuen Zahnarzt sehr schwierig. Wartezeiten bis September oder Oktober sind hier keine Seltenheit. Ein Lichtblick sei jedoch, dass in einigen Praxen auch junge Zahnärzte nachrücken und so neue Kapazitäten geschaffen werden.

Manche Ärzte reagieren

Diese Problematik ist den Ärzten natürlich nicht entgangen, weshalb manche mit eigenen Konzepten reagieren. So etwa ein HNO-Arzt in Vorarlberg, der Vormittags keine klassischen Termine mehr anbietet. Patienten können von acht bis zwölf Uhr ohne Termin in die Praxis kommen und kommen je nach Vordiagnose des Hausarztes und Dringlichkeit der Behandlung an die Reihe. Ohne Überweisung werden Patienten jedoch zur Voruntersuchung zum Hausarzt geschickt. Dieses System habe sich in den vergangenen fünf Jahren bewährt.

Dringlichkeitsterminsystem

Kurienobmann Dr. Burkhard Walla von der Ärztekammer verweist auf das im Herbst 2016 neu eingeführte Dringlichkeitsterminsystem der Ärztekammer in Zusammenarbeit Gebietskrankenkasse: „Das System hat zu einer spürbaren Verbesserung der niedergelassenen Versorgung geführt. Inzwischen werden bereits rund die Hälfte aller bereitgestellten dringlichen Facharzttermine gebucht, Tendenz steigend.“ Gesundheitslandesrat Christian Bernhard betont: „Durch die demografische Entwicklung muss es Offenheit für neue Systeme geben. Die Patienten brauchen erträgliche Wartezeiten!“

*Name von der Redaktion geändert

Recherche-Ergebnis im Überblick:

50
Fachärzte wurden von WANN & WO für die Erhebung angerufen.

1
Monat durchschnittliche Wartezeit bei HNO-Ärzten im Bezirk Bregenz.

1010
zusätzliche Termine im Monat durch das neue Dringlichkeitsterminsystem.

0
der sieben Augenärzte in Bregenz vergeben einen zeitnahen Termin.

2-3
Monate wartet man im Schnitt auf einen Termin beim Zahnarzt.

6
Monate war die längste Wartezeit, die bei einem Zahnarzt genannt wurde.

Christian Bernhard, Landesrat für Gesundheit: „Im Zusammenhang mit Ambulanz und Krankenhäusern ist ein gutes Funktionieren der Patientensteuerung von hohem Interesse für alle. Dieses große Bestreben wurde mit der Ambulanzgebühr versucht, die aber gescheitert ist. Es braucht einen Ausgleich zwischen Krankenhaus und den niedergelassenen Bereich. Ich bin optimistisch und setze auf die Gesundheitsreform. Das System darf aber nicht zum Nachteil für Patienten werden!“

Dr. Burkhard Walla, Kurienobmann Ärztekammer Vorarlberg: „Bei Erfordernis einer fach- bzw. spitalsärztlichen Diagnostik und Behandlung helfen die Hausärzte jedem Patienten weiter und stellen die notwendigen Überweisungen aus. Die wohnortnahe fachärztliche Versorgung der Bevölkerung ist sichergestellt. Wir sind aber überzeugt, dass bei Einhaltung der ,Versorgungspyramide‘ durch alle Patienten die kassenärztliche Versorgung in Vorarlberg noch wesentlich optimiert werden kann.“

Tipps für Patienten

Keine Krankmeldung im Krankenhaus!

Viele Patienten gehen mit einer Erkrankung direkt ins Krankenhaus, was nicht der richtige Weg ist. Hier drohen stundenlange Wartezeiten und außerdem stellt ein Krankenhaus nur in Ausnahmefällen eine Krankmeldung für den Arbeitgeber aus.

Hausarzt ist immer die erste Anlaufstelle

Die Ärzte für Allgemeinmedizin haben Lotsenfunktion und sollten im Falle einer Krankheit als erste aufgesucht werden. Durch deren Fachkenntnis wird der Patient – bei entsprechendem Erfordernis – an den richtigen Facharzt zugewiesen.

Überweisung beim Hausarzt holen

Überweisungen enthalten wichtige medizinische Informationen für den Facharzt, die der Arzt für Allgemeinmedizin bereits erhoben hat.

Nicht erst im letzten Moment zum Arzt!

Viele Erkrankungen können frühzeitig rascher und einfacher behandelt werden. Daher sollte man regelmäßig zum Hausarzt gehen und nicht erst, wenn man es anders nicht mehr aushält.

Kommentar: Oft ist es auch eine Frage des Glücks

In den Gesprächen mit Ordinationsassistentinnen wurde schnell klar, dass es bei manchen Fachärzten fast unmöglich ist, rasch einen Termin zu bekommen. Die entsprechenden Kapazitäten sind oft nicht vorhanden. Eine Überweisung vom Hausarzt kann helfen, ist aber trotzdem kein Allheilmittel. Oft ist es auch eine Frage des Glücks, ob man in kurzer Zeit einen Termin beim passenden Facharzt bekommt.

Verwunderlich war jedoch, dass in keiner einzigen Praxis auf das neue Dringlichkeitsterminsystem von GKK und Ärztekammer verwiesen oder danach gefragt wurde.

MB

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