Sie sind splitterfasernackt - und sie wollen in die Natur. Nacktwanderer haben in den direkt benachbarten Kantonen der Schweiz bereits zweifelhafte Berühmtheit erlangt. Seit die berggängigen Nudisten im Appenzellerland neuerdings mit 200 Franken gestraft werden, wandern sie anscheinend Richtung Toggenburg. Das St. Galler Tagblatt berichtet jedenfalls von zahlreichen „bluttä Födlä“, die man in den vergangenen Wochen in der freien Natur im Großraum Ebnat-Kappel gesichtet habe.
Nackte aus dem Busch
„Zuerst kamen zwei Rehe aus den Büschen gehüpft und kurz darauf zwei nackte Männer“, schildert beispielsweise Cornelia Dubach aus Hemberg im Kanton St. Gallen. Sie war mit ihrer Familie am vergangenen Sonntag in den Bergen unterwegs, um Blumen zu fotografieren - als ihr die zwei Nacktwanderer vor die Linse gerieten. Auch andere Spaziergänger kamen an dem dank idyllischem Hochmoor viel frequentierten Salomonstempel in den zweifelhaften Genuss der nackten Männlichkeit.
Wanderer weichen aus
Seit gut einem Monat werden im Toggenburg, insbesondere auf dem Gebiet der Gemeinde Ebnat-Kappel, immer wieder Nacktwanderer angetroffen. Aber nicht nur die Sonnenseite des Tals ist zum Ausflugsziel für, wie die Nachbarn sagen, „blutter“ Wanderer geworden: Nackte Alpinisten wurden auch in anderen Tälern gesehen. So vor der Alpwirtschaft Oberbächen unterhalb des Tanzbodens, bestätigt etwa Wirtin Therese Roth.
Offiziell wird gegen die Nackt-Flüchtlinge aus dem Appenzell noch nichts unternommen. Der Ebnat-Kappeler Gemeindepräsident Christian Spoerlé sagt, dass er bisher nur über einen einzigen Fall weit außerhalb des Dorfes informiert worden sei. Sollten die Nacktwanderer massiv zunehmen oder vermehrt gut frequentierte Orte aufsuchen, müssten allenfalls mögliche Maßnahmen geprüft werden, meint der Ortsvorsteher.
Lust auf Vorarlberg?
Auch Vorarlberg interessiert die Nacktwanderer offenbar, es gibt einige entsprechende Einträge in Nudistenforen. Unter dem Betreff „Nacktwandern in Vorarlberg“ schreibt etwa FKK-Forums-User Krawatzki aus Deutschland: „Wer hat Lust, mit mir in Vorarlberg zu wandern? Wer kennt gute Strecken?“ Die Antworten darauf sind verhalten - wohl auch weil Nacktalpinisten im Land weder der Alpinpolizei noch erfahrenen Alpinisten bislang untergekommen sind.
„Bei uns gab es jedenfalls bisher noch keine Beschwerden“, schildert Alpinpolizei-Chef Günter Alster. Im Kanton St. Gallen ist Nacktwandern nicht explizit verboten - solange keine sexuelle Absicht dahinter steht. In Vorarlberg sei das anders, heißt es im Polizeihauptquartier: „Nach dem Sittenpolizeigesetz ist das definitiv nicht zulässig“, bestätigt der stellvertretende Landespolizeikommandant Siegbert Denz den „VN“.
Auf Vorarlbergs Alpen gäbe es insofern bisher keinen Sündenfall. „Aber es wird wohl auch so sein: Wo kein Kläger, da kein Richter“, lacht Alpinpolizist Alster.
Cornelia Dubach, die die Nacktwanderer fotografierte, war nach ihrer besonderen Begegnung ebenfalls erheitert: „Mich hat es nicht gestört. Ich musste einfach lachen.“