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20. August 2010 11:18; Akt.: 20.08.2010 11:18

Deutsches Theater Berlin suchte in Bregenz nach "Öl"

Premierenfeier zu "Öl" Premierenfeier zu "Öl" - © Dietmar Mathis
Bregenz - Die Bregenzer Festspiele präsentieren in diesem Festspielsommer zwei Produktionen des Deutschen Theater Berlins. Nach “Herz der Finsternis” in der vergangenen Woche feierte am Donnerstagabend mit “Öl” von Lukas Bärfuss in der Regie von Stephan Kimmig die zweite Produktion ihre Österreich-Premiere. Das Gastspiel wurde zum Erfolg.

“Öl” erzählt die Geschichte von Eva Kahmer und ihrem Mann Herbert, die – getreu dem diesjährigen Festspielthema “In der Fremde” – in einem fremden Land gestrandet sind. Er ist auf der Suche nach Öl, sie sitzt zu Hause und wird von ihren Ängsten und Schuldgefühlen heimgesucht. “Es gibt kein Mitleid” – so der erste Satz im Stück, der nicht nur für Eva selbst und ihren Mann im Laufe des Stücks mehrfach Bedeutung haben wird.

Der Text zum Stück stammt von Lukas Bärfuss, der bereits in seinem preisgekrönten Roman “Hundert Tage” die Profitgier und Schuld der Europäer thematisiert hat. Der Ort der Handlung ist Beryok – hier waren schon die Engländer, ebenso die Franzosen und die Amerikaner. Es gibt Rentiere und Nomaden mit schamanischen Bräuchen. Ein Ort also, der überall sein könnte, wo Menschen zu Opfern der westlichen Profitgier gemacht werden.

Das Bühnenbild von Katja Haß ist ein karger Raum – fast schon eine Art Bunker, in dem sich Eva vor der fremden Welt zurückgezogen hat. Es gibt nur wenige Möbel und sie schläft auf alten Zeitungen. Ihre Verbindung zur Außenwelt besteht durch die Haushälterin Gomua. Margit Bendokat überzeugt in der Rolle der distanzierten naiven Untergebenen, ihre Sprache ist einfach und klar. Ihre Dialoge mit Eva kippen immer wieder ins Komödiantische.

In der Regie von Stephan Kimmig läuft Nina Hoss als Eva zur Höchstform auf. Ihr Spiel ist vielschichtig und beeindruckend. Sie zeichnet eine Figur, die beständig am Rande des Wahnsinns wandelt. Sie treibt mit Alkohol zwischen Realität und Halluzinationen. Heimgesucht wird sie in ihren Wahnvorstellungen von einem Mädchen, welches nach einem Verbrechen gegen einen Fahrer von Evas Mann hingerichtet wurde. In der Rolle des Mädchens zeigt sich Susanne Wolff zurückhaltend, fast schüchtern und auf der anderen Seite eindringlich und kraftvoll. Sie nennt Evas Situation beim Namen – “Du bist eine einsame, eingeschlossene Alkoholikerin” und zwingt sie, sich ihrer Vernunft und Autonomie zu besinnen.

Am Ende befreit sich Eva mit Gewalt. Sie erschießt ihren Mann (gespielt von Felix Goeser) und seinen engsten Mitarbeiter Edgar (Ingo Hülsmann), mit dem sie außerdem eine Affäre hatte. Die Suche nach Öl hat wieder Opfer gefordert. Das Premierenpublikum zeigte sich von der Inszenierung begeistert. Die Zusammenarbeit der Bregenzer Festspiele mit dem Deutschen Theater Berlin wird zumindest in den nächsten beiden Jahren fortgesetzt.

“Öl” von Lukas Bärfuss im Rahmen der Bregenzer Festspiele im Theater am Kornmarkt in Bregenz.

Weitere Vorstellungen: Freitag, 20. August und Samstag, 21. August 2010 jeweils um 19.30 Uhr.

Karten im Ticket Center, Telefon: 05574 407-6 oder im Internet unter http://www.bregenzerfestspiele.com


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