“Der Playboy-Fotograf muss es doch wissen”

Von Lisa Purin / WANN & WO
Der Vorarlberger Christian Holzknecht war schon auf der ganzen Welt als Fotograf tätig.
Der Vorarlberger Christian Holzknecht war schon auf der ganzen Welt als Fotograf tätig. - © MiK
Schwarzach – Star-Fotograf Christian Holzknecht im WANN & WO Sonntags-Talk über den Playboy, Promis und seine große Leidenschaft.

WANN & WO: Wie bist du zu deiner großen Leidenschaft, der Fotografie, gekommen?
Christian Holzknecht: Als ich etwa sechs Jahre alt war, habe ich bei einer Kunst-Ausstellung von einem Freund meines Vaters ein Bild angesehen und wurde vom Maler gefragt, wie es mir gefällt. Darauf habe ich geantwortet, dass es ganz okay wäre, aber ich nicht verstehe, warum sich jemand so viel Mühe macht, wenn man doch einfach ein Foto machen kann. Das fanden natürlich alle witzig, aber für mich war das logisch. Mein Vater hatte eine alte Rollfilmkamera. Jedes Mal, wenn der Film gewechselt werden musste, haben meine Geschwister und ich uns darum gestritten.

WANN & WO: Hat es für dich nie etwas anderes gegeben?
Christian Holzknecht: So etwas wie Feuerwehrmann? Nein, ich wollte immer schon Fotograf sein, mein ganzes Leben lang. Das war witzig, weil ich keine Lehrstelle fand. Heute ist das mein größtes Geschenk, denn wenn ich bei einem erfolglosen, frustrierten Fotografen gelernt hätte, dann wäre etwas Schlechteres aus mir geworden. Ich habe dann eine Lehre als Elektriker gemacht. In meinem ersten Lehrjahr, mit meinem ersten Gehalt, habe ich mir meine erste, eigene Kamera gekauft. Erst später habe ich als Berufsfotograf angefangen zu assistieren, bin dann nach Kalifornien ausgewandert und durfte in LA mit vielen guten Fotografen arbeiten. Die fanden das lustig, dass ich aus Österreich komme. „It’s a fucking long way“ haben sie gesagt. (schmunzelt)

WANN & WO: Wann hast du gewusst, dass du so weit bist und dein eigenes Ding machen kannst?
Christian Holzknecht: Ich durfte bei Vern Evans, einem der größten Fotografen der damaligen Zeit arbeiten. Unter anderem hat er Stars wie Elvis oder Clinton fotografiert. Im Hintergrund habe ich den Film eingespannt, dabei habe ich mir immer gedacht, der ist aber unentspannt. Der scheißt sich vor den Promis an. Da habe ich gewusst, ich bin so weit. Er war der bessere Fotograf, aber ich war entspannter.

WANN & WO: Wie ist es, richtige Stars vor der Linse zu haben?
Christian Holzknecht: Je berühmter die Person, umso öfter wird sie fotografiert und ist dementsprechend genervt. Ich musste mir eine Strategie überlegen, wie ich den Stars wieder Bock machen kann. Promis habe ich nie anders gesehen, für mich gibt es nur Menschen. Gerade erst hatte ich Reinhold Messner vor meiner Kamera. Eine halbe Stunde war geplant, er kam jedoch zwanzig Minuten zu spät. Als er da war, sagte er zu mir, wir haben zehn Minuten. Er wollte mich unter Druck setzen. Ich habe dann aber gesagt, super, ich brauche nur fünf. Das hat ihn begeistert. Anschließend hat er mit meiner Freundin und mir geredet und dem Nächsten wieder diese Zeit gestohlen.

WANN & WO: Wie ist es für dich, als Fotograf, vor der Kamera zu stehen?
Christian Holzknecht: Überhaupt kein Problem, ich habe auch schon als Männermodel Sachen gemacht – allerdings erst seit ich einen Bart habe (lacht). Es ist wichtig, dass Fotografen wissen, wie es sich anfühlt auf der anderen Seite zu der Kamera zu stehen. Viele verbinden Fotografieren mit einem unangenehmen Gefühl. Manche fühlen sich nicht perfekt, so wie sie sind. Das ist ein großes Problem.

WANN & WO: Denkst du, das ist ein Problem in unserer Gesellschaft?
Christian Holzknecht: Wir leben in einer oberflächlichen Welt. Es geht ganz viel um Schönheit. Ich habe gerade einen Vortrag darüber gehalten und die Menschen waren extrem angetan. Dieses Thema geht jeden etwas an, denn wir alle werden in eine Unzufriedenheit geboren. Von Geburt an wird dir gesagt, du bist nicht perfekt. Aber das ist verdammt falsch! Jeder ist perfekt, so wie er ist. Aber das wird dir niemand sagen. Deshalb habe ich mir das zu meiner Aufgabe gemacht. Mittlerweile sind die Menschen so weit, dass sie sagen „Hey, das ist der Playboy-Fotograf, der das sagt, der muss es doch wissen“.

WANN & WO: Also kann jeder Mensch ein gutes Model sein?
Christian Holzknecht: Klar! Es gibt aktuell etwa siebeneinhalb Milliarden Menschen auf dieser Welt und niemand ist gleich. Jetzt kommt meine Überlegung: Wenn das so ist, woher kommt dann diese völlig bescheuerte Idee, dass alle gleich sein sollten oder möchten?

WANN & WO: Was hat es eigentlich mit deiner Bärte-Serie auf sich?
Christian Holzknecht: Stehst du auf Bärte? Wer sich einen Bart wachsen lässt, hat einen Plan. Als ich das erste Mal einen wachsen ließ, war ich in Afrika und hatte keinen Bock mich zu rasieren. Ich habe ihn aber wieder weg gemacht, da er so grau war. Als er weg war, wollte ich ihn wieder. Von Reinhold Messner gibt es ein Foto, das ich wirklich geil finde. Dann habe ich versucht, das Bild mit mir herzustellen. Das war super, also habe ich meine Bärte-Homies eingeladen und so ist die Serie entstanden.

WANN & WO: Du warst auch lange Zeit Soldat?
Christian Holzknecht: Ich bin als Soldat viel um die Welt gezogen, bevor ich Fotograf war. Ich war ein ganz normaler Soldat. Dort gab es eine Abteilung für Personenschutz, das hat mich interessiert. Irgendwann stand ich finanziell an der Wand, und jemand hat mir gesagt, wenn du jetzt zur UNO gehst, bekommst du viel Kohle. Das habe ich dann fast zehn Jahre lang gemacht. Ich war für die NATO und später für die UNO in so ziemlich allen Kriegen dieser Welt unterwegs. Am Schluss allerdings nur noch für Privatfirmen – dort habe ich etwa Rockstars beschützt. Bei den Einsätzen habe ich so viel Scheiße gesehen, dass ich immer ein starkes Bedürfnis nach Schönheit hatte – die habe ich in der Fotografie wiedergefunden.

WANN & WO: Dein neueste Projekt hat auch mit Schönheit zu tun?
Christian Holzknecht: Derzeit arbeite ich an einem Buchprojekt, es heißt „I am perfect“ – das ist die Message. Ich möchte, dass sich Menschen außerhalb der Norm trotzdem perfekt fühlen können. Dafür möchte ich Stars vor die Linse bekommen, die auch nicht der Norm entsprechen. Das soll sich dann an die Menschen richten, die sagen, sie sind nicht perfekt. Wenn man denen diese Menschen vor die Füße setzt, die von sich selbst sagen, sie sind perfekt, ja was soll dann noch jemand sagen? Es wird ein Kickstarter-Projekt, damit ich mich nicht abhängig mache.

WANN & WO: Wie ist es dann im Gegenzug, für den Playboy zu fotografieren?
Christian Holzknecht: Es ist schon ein Ritterschlag. Man unterscheidet unter den Fotografen zwischen denen, die Promis im Playboy ablichten und denen, die Playmates fotografieren. Playmates machen relativ viele. Die großen Stars fotografieren vielleicht zehn, ich bin unter diesen. Mir hat das noch nie etwas ausgemacht, nackte Menschen zu fotografieren. In meiner ersten Ausstellung präsentierte ich Fetisch Bilder – das war geil.

WANN & WO: Hat sich die Welt diesbezüglich geändert?
Christian Holzknecht: Ja, total. Das hat etwas mit Leben feiern zu tun! Ich will Spaß haben und die Menschen lieben. Das soll man doch so groß machen wie nur irgendwie möglich – auch durch Fotografie. Wenn alle so wären, würden weniger Menschen auf die Straße gehen und sich in die Fresse hauen.

Zur Person

Name: Christian Holzknecht Geboren: 4. Jänner 1968 in Schwarzach Wohnt in: Schwarzach Beruf: Fotograf, Holzknecht Photography Hobby: Crossfit, Biken, Roadtrips, Abenteuer

(WANN &WO)

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