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Der Mann an der Kurbel

Raimund Gehrer an der Kurbel.
Raimund Gehrer an der Kurbel. ©Edith Rhomberg
Schleusenwärter Raimund Gehrer hat am Müllerbach einen wichtigen Job - doch das weiß kaum jemand.
Schleusenwärter

Dornbirn. Dass der Balkon seiner Wohnung den Blick freigibt bis zum First, ist praktisch für den Job. Denn wenn sich über dem Gebirge ein Gewitter zusammenbraut, weiß Raimund Gehrer, was zu tun ist. „Es kommt vor, dass die vielen Zuflüsse bei starkem Gewitterregen die Ach innerhalb einer halben Stunde um einen Meter ansteigen lassen“, sagt der Schleusenwärter. Und hier, bei der Schleuse, zeigt er auf die Stelle, wo das erkennbar ist. Der Ort, an dem der Müllerbach von der Dornbirner Ach abzweigt, ist idyllisch gelegen, zumal an einem sonnigen Herbsttag wie diesem. „Zu Hause in der Wohnung fällt mir die Decke auf den Kopf“, sagt der 62-Jährige. Am Wasser lässt er den Gedanken freien Lauf, erfreut sich an den Vögeln und geht in der Natur seiner Arbeit nach. Jetzt im Herbst ist zusätzlich viel Laub zu beseitigen, damit die Gitter und Rechen nicht verstopft werden. „Die Blätter mit den Kleinlebewesen sind für die Fische“, sagt Raimund. Einen Teil davon kehrt er in das tiefe Wasser der Ach. Er schaut rundum nach dem Rechten, macht seinen täglichen Kneippgang und ist mit sich und der Welt zufrieden.

Ein Erlebnis aber vergisst der Schleusenwärter der Müllerbach-Genossenschaft so schnell nicht wieder: Da brannte es nämlich, wenn auch im übertragenen Sinn. „Es war vor etwa drei Jahren, als wegen eines verstopften Überlaufs beim Kleinkraftwerk Inatura nachts das Wasser über die Jahngasse lief und den Keller des Kolpinghauses flutete“. Ein Großaufgebot der Feuerwehr konnte durch Abpumpen das Schlimmste verhindern. Die Polizei war ebenfalls alarmiert. Sie fuhr Gehrer zur Schleuse, wo er sofort alles zumachte. „Stell dir das vor, mit Blaulicht wurde ich mitten in der Nacht hierher gefahren“, wiederholt er die Schreckminuten. „Das Ganze aber ohne Handschellen“, wirft er zum Spaß ein. Das teilweise unterirdische Labyrinth des Müllerbaches, seinen rund sechs Kilometer langen Verlauf durch Dornbirn, die Kieskammern und was dazu gehört, kennt Gehrer seit dem Jahr 2006 sehr gut. Sein inzwischen verstorbener Vorgänger hatte ihm das Wesentliche anvertraut. Als praktisch erweist sich, dass der siebenfache Familienvater quasi am Müllerbach wohnt. Auf dem Weg zur Arbeit an der Gütlestraße radelt er entlang des Baches und der Ach, vorbei an den drei kleinen Kraftwerken, die heute noch in Betrieb sind.

Ort der Begegnung

Für den Schleusenwärter ist seine Arbeitsstelle auch ein Ort der Begegnung. Hier kurbelt er per Hand die alte Schleuse auf oder zu und führt Tagebuch in der winzigen Schreibstube der grünen Holzhütte am Wasser. In fein säuberlicher Schrift steht da aktuell geschrieben: „7 Grad Lufttemperatur um 9.20 Uhr, der Müllerbach fließt mit 75 Prozent“. Hundert Prozent sind ideal, aber auch die Dornbirner Ach soll Wasser führen. Neben der Hütte ist ein kleiner Parcours, wie Gehrer das nennt, mit unterschiedlichen Sitzgelegenheiten rund um eine Feuerstelle. Hier treffen sich Leute wie Dr. Stone, alias Kurt Rümmele, Harald, Serena, Esther oder Sandra. Sie bauen Steinmännchen im Wasser, machen Musik oder philosophieren. „Jeder ist willkommen“, betont der Herr der Schleusen, „zum Entspannen und auch, um neue Energie zu tanken“.

Das Leben war anders geplant

Seine Frau Ester und Raimund Gehrer hatten sich das Leben ursprünglich ganz anders vorgestellt. „Wir lernten uns 1983 zufällig auf einer Reise durch Russland kennen“, erzählt der 1955 im Kloster Gaißau Geborene. Wir heirateten im Jahr 1986, arbeiteten beide und sparten auf eine Weltreise. Das war ihr Traum, der jäh zerbrach. „Ich habe es vergeigt, das Geld war weg und die Reisepläne dahin“, umschreibt Raimund jene Situation, die für die beiden alles veränderte. Ester war es, die damals den entscheidenden Entschluss fasste: „Lass uns eine Familie gründen mit sieben Kindern. Das wollte sie so“, sagt er mit Stolz auf seine Frau und die Kinder im Alter von 14 bis 25 Jahren. Der zweitälteste Sohn vertritt seinen Vater bei den Schleusen, wenn dieser einmal ausfällt. Und wenn Raimund Gehrer den Job eines Tages nicht mehr ausüben kann, wird es Theodor sein, der den Lauf des Wassers und den First im Blick hat.

Raimund Gehrer, geboren 3.9.1955,

verheiratet mit Ester, sieben Kinder, eine Enkeltochter,

Schleusenwärter bei der Müllerbach Genossenschaft

Motto: „Im Hier und Jetzt leben“.

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