Hohe Kosten und steigende Preise: Mittelstand in Vorarlberg blutet aus

Von Markus Sturn (VOL.AT)
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Hohe Kosten und steigende Preise: Mittelstand in Vorarlberg blutet aus
Schwarzach - Steigende Immobilien- und Energiepreise, hohe Lebenshaltungskosten - und eine Steuerbelastung, die jeden Lohnzuwachs wieder zunichtemacht: Der Mittelstand ächzt und stöhnt unter vielseitigen Belastungen. Auch viele Vorarlberger haben darunter zu leiden.

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Gerade hat die Österreichische Energieagentur vorgerechnet, dass die Energiepreise für Privathaushalte zwischen August 2011 und August 2012 um 6,9 Prozent angestiegen sind. Damit liegt die Verteuerung deutlich über der gesamtstaatlichen Inflation von derzeit 2,2 Prozent.

Steigende Immobilienpreise, hohe Steuern

Aber auch anderswo drückt der Schuh. Die Immobilienpreise hierzulande gehören zu den Höchsten in ganz Österreich. Der Immobilienpreisspiegel der Wirtschaftskammer weist ein Plus von mehr als 7 Prozent für neue Eigentumswohnungen auf, gebrauchte Wohnungen sind immerhin noch 5,7 Prozent teurer als im Vorjahr. Die Preise für Einfamilienhäuser stiegen um 3,2 Prozent. Moderate 0,65 Prozent macht der Anstieg bei Mietwohnungen aus – allerdings wohnt man nur in Wien und Salzburg noch teurer als im Ländle. Dass es sich dabei um einen längerfristigen Trend handelt, rechnet die Plattform Immobilien.net vor: Der Preis für eine Eigentumswohnung in Bregenz hat sich demnach seit 2008 verdoppelt, Einfamilienhäuser kosten um 45,3 Prozent mehr.    

AK für Senkung der arbeitsbezogenen Steuern

Zudem nimmt die Steuerbelastung laufend zu. Laut Arbeiterkammer Vorarlberg stiegen die Einnahmen aus der Lohnsteuer zwischen 2000 und 2010 um 41 Prozent, die Löhne allerdings nur um 35 Prozent. Das würde bedeuten, dass jede Gehaltserhöhung durch höhere Steuern wettgemacht wurde. Das trifft vor allem die niedrigen und mittleren Einkommen. Deswegen fordert die AK unter anderem eine Erhöhung der vermögensbezogenen und eine Senkung der arbeitsbezogenen Steuern.

Definition schwierig

Blutet die Mittelschicht angesichts dieser vielfältigen Belastungen aus? Zunächst ist festzuhalten, dass es "den" Mittelstand als solchen nicht gibt. Laut der Österreichischen Mittelstandsvereinigung, einer Interessensvertretung, umfasst der Begriff all jene, "die einen kreativen und produktiven Beitrag zum Wohle der Gesellschaft leisten."

1269 Euro netto pro Monat

Eine andere Definition vertritt Peter Kopf vom IfS. Er bezeichnet mit "Mittelschicht" Menschen, "die an der Gesellschaft teilnehmen" und damit ein "menschenwürdiges Leben" führen können. Dazu sei ein monatliches Budget von mindestens 1269 Euro netto notwendig. "Luxusgüter" wie ein eigenes Auto, Geld für Urlaub oder ein regelmäßig ausgeübtes Hobby sind darin aber noch nicht enthalten. Wer über dieser Grenze liegt, gehört zur Mittelschicht – wer weniger hat, darf als arm gelten. Nach oben hin ist die Abgrenzung freilich schwieriger. Experten und Parteien siedeln sie bei 4000 bis 5000 Euro Bruttoeinkommen an.

Mehr als 7.000 gefährdet?

Peter Kopf ist für die Schuldenberatung beim IfS zuständig. Er hat eine deutliche Verschärfung der Situation in den letzten Jahren festgestellt. Immer mehr Menschen hätten auch in Vorarlberg Schwierigkeiten, ihre Lebenshaltungskosten zu bestreiten. Drei von vier Betroffenen, die zu ihm in die Beratung kommen, seien gefährdet, von der Mittel- in die "Unterschicht" abzurutschen. Dazu brauche es nur einen Autounfall oder einen Schaden an Haus bzw. Wohnung. Und weil sich Sparen nicht mehr ausgehe, sei das Wegfallen von zwei Monatsgehältern schon ein akuter Notfall: "Dann brennt der Hut." Gut 2.500 Menschen befänden sich in Vorarlberg in dieser Risikogruppe. Die Dunkelziffer dürfte aber zwei- bis dreimal so hoch sein, meint Kopf abschließend. (MST)

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