Deep Purple und “The Long Goodbye” in der Wiener Stadthalle

Deep Purple nahmen lautstark Abschied von Wien.
Deep Purple nahmen lautstark Abschied von Wien. - © APA
Natürlich nicht ohne das vielleicht markanteste Riff der Rockgeschichte: “Smoke On The Water” hat am Mittwoch den “offiziellen” Teil des Konzerts von Deep Purple in Wien beendet.

Eine lange Abschiedstour führte die Urgesteine des Genres in die Stadthalle, da wollte man natürlich noch einmal die Klassiker der Band hören (und spielen). Aber nicht nur Nostalgie war angesagt.

Die Zeichen deuten auf das Ende einer Ära hin: Unter dem Motto “The Long Goodbye” ziehen Deep Purple noch einmal in ihrer langen, bewegten Geschichte durch die Länder dieser Welt. Große Songs – von “Space Truckin'” bis zu “Perfect Strangers” (beide gestern am Programm) – haben Deep Purple ausreichend im Repertoire, ihre Platte “In Rock” (1970) definierte einen Stil und die Streitereien von Ur-Gitarrist Ritchie Blackmore mit seinen Kollegen sind Legende. Warum die Briten dennoch nie den Kultstatus erlangten, den etwa ihre Landsmänner von Led Zeppelin genießen, darüber kann man musikwissenschaftliche Abhandlungen schreiben.

Deep Purple mit viel Energie auf der Bühne

Vielleicht liegt es auch daran, dass der Sound der Gruppe heute etwas angestaubt wirkt und die “Schärfe” früherer Auftritte verloren gegangen ist. Die Zeiten, als die Rivalität zwischen den Akteuren so groß war, dass regelrecht Funken sprühten, wenn sich Sänger Ian Gillan und der 1993 endgültig abgangene Blackmore auf der Bühne zu nahe kamen, sind Geschichte. Deep Purple klingen 2017 wie nette Herren, die gemeinsam Spaß haben – bisserl bieder, aber mit Freude an der Sache, so dass man ihnen das mit dem “Goodbye” nicht ganz glauben will.

Unter den 7.000 Fans kam beim vierten Song (und dem ersten Evergreen) “Strange Kind Of Woman” erwartungsgemäß so richtig Stimmung auf. Aber auch der Opener “Time For Bedlam” vom aktuellen Album “inFinite” kam recht gut an. Die Band hat es verstanden, ihre Markenzeichen in die Gegenwart zu bringen, als solide darf man die neuen Songs bezeichnen, wenn auch keine Hymnen zum Abfeiern wie eben “Strange Kind Of Woman” darunter sind.

Ian Gillan: “Wir sind uns treu geblieben”

“Das war immer das Geheimnis von Deep Purple: Wir sind uns treu geblieben”, sagte Gillan. Daher fehlten beim Konzert die typischen Zutaten nicht: Gitarren-Orgel-Gesang-Duelle, Solo-Einlagen (aber mittlerweile getrimmt und nicht ins Endlose dudelnd), wuchtige Drums und treibende Bässe, Jam-Nummern mit Jazz-Anleihen (“Lazy”) und knackig-flotte Mitgröl-Songs “Black Night” (als Zugabe). Zwischendurch wurde die Band von einer Violinistin unterstützt, die sogar den Donauwalzer geigte. Eine Portion Kitsch gehört eben auch dazu.

“Eine Show von Deep Purple ist wie ein Schneeball, der aus Liedern aus unserer gesamten Karriere zusammengerollt wird”, betonte Gillan. Der Frontman, Bassist Roger Glover, Drummer Ian Paice sowie die neueren Rekruten Steve Morse (immerhin bereits seit 1994 verlässlich an der Gitarre) und Don Airey (seit 2002 am Keyboard) hatten kräftig durchgestartet: Die zweite Nummer, “Fireball”, fetzte, dann wummerte der Blues-Rock’n’Roll-Bastard “Bloodsucker” noch einmal durch die Gehörgänge. Bei den neuere Tracks im Mittelteil wurden zunehmend Melodien dick aufgetragen, was den Schwung bremste.

Wien feierte mit “Smoke On The Water”

Während andere Veteranen vielleicht ein oder zwei frische Stücke einbauen, brachten Purple eine Handvoll davon.

Für Gillan eine Selbstverständlichkeit: “Wir schreiben ja Lieder, um sie live spielen zu können. Wir stellen Neues vor, packen das Zeug dazu, das die Leute immer hören wollen und mischen ein paar obskure Sachen darunter. Und die Improvisationen halten das alles zusammen.” Für das Bemühen um Relevanz gab es Anerkennung, für “Hush” von 1968 und eben “Smoke On The Water” von 1972 frenetischen Applaus.

(APA)

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