Das Warten auf Herz und Niere

Von VN/Iris Burtscher
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Im Jahr 2011 wurden in Österreich 66 Lungentransplantationen durchgeführt. Im Jahr 2011 wurden in Österreich 66 Lungentransplantationen durchgeführt. - © VN
Feldkirch - Zehn Vorarlberger spendeten im Vorjahr ihre Organe. Die Wartelisten sind lang.

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195 Österreicher, darunter zehn Vorarlberger, schenkten im Vorjahr anderen Menschen durch ihren Tod ein neues Leben. Ihre Herzen, Nieren, Lungen, Lebern und Bauchspeicheldrüsen wurden anderen transplantiert. Das Spenderaufkommen ist damit leicht gestiegen, wie der „Transplant-Jahresbericht 2011“ zeigt. 673 Organtransplantationen konnten in Österreich durchgeführt werden.

Die gespendeten Organe reichen nicht aus. Patienten warten monatelang: sechs Monate auf eine Lunge, sechseinhalb Monate auf eine Leber, sieben Monate auf ein Herz. Fast dreieinhalb Jahre lang müssen Patienten auf eine Spenderniere warten. Das Ende der Wartezeit erlebten im Vorjahr 105 Personen nicht. Sie starben vor der Transplantation.

1000 Österreicher warten

Rund 1000 Patienten sind derzeit auf der Warteliste. Damit liegt Österreich hinsichtlich der Versorgung allerdings international im Spitzenfeld. Auch deshalb, weil man hierzulande automatisch Organspender ist. Wer das nicht will, muss sich in einem Widerspruchsregister eintragen lassen. 24.000 Österreicher haben das bereits getan. Eine Organentnahme ist nur erlaubt, wenn eine Person bereits hirntot ist. „Zudem reden wir zuvor immer mit den Angehörigen. Wenn diese nicht einverstanden sind, machen wir es nicht“, sagt Primar Dr. Karl Lhotta von der Nephrologie in Feldkirch. „Das kommt aber selten vor.“

In anderen Ländern funktioniert die Regelung umgekehrt: Hier müssen die Bürger aktiv zustimmen. „In England will man das System jetzt umstellen, in Deutschland schafft man es nicht. Dort will man sich nicht damit abfinden, dass hirntote Patienten der Allgemeinheit gehören“, wundert sich Lhotta mitunter über den starken Widerstand im Nachbarland.

Die österreichische Regelung bringt jedenfalls eine höhere Versorgung: Bezogen auf die Einwohnerzahl gab es im Vorjahr 23,2 Organspender pro Million Einwohner. Der Zielwert liegt bei 30. Nur Kärnten hat diesen deutlich überschritten. Vorarlberg ist mit 27 gut dabei.

Organe von heimischen Spendern werden nicht automatisch österreichischen Patienten eingesetzt. Sieben Länder – Belgien, Deutschland, Kroatien, Niederlande, Luxemburg, Slowenien und Österreich – haben sich zusammengeschlossen. So können Organe an die am besten geeigneten Empfänger vermittelt werden. „Hauptkriterium ist die Verträglichkeit und die Wartezeit des Patienten“, erklärt Lhotta.

Eine Niere spenden

57 Transplantationen konnten im Vorjahr zudem mit Organen von Lebendspendern erfolgen. „Die derzeitige Rate von 15 Prozent könnte man leicht verdoppeln“, hofft Lhotta auf mehr Nierenspender. „Meistens liegt es aber nicht an den Angehörigen. Die Patienten wollen dieses Geschenk nicht annehmen“, weiß der Primar.

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