“Das Ende der Menschheit”: H.G. Wells’ Marsianer sind zurück

14 Jahre nach den Vorgängen in “Krieg der Welten” sind die Marsianer mit ihren dreibeinigen Kampfmaschinen zurück. Diesmal haben sie es nicht nur auf die Eroberung Englands abgesehen: “Das Ende der Menschheit” heißt daher die von Stephen Baxter geschriebene offizielle Fortsetzung von H.G. Wells’ Science-Fiction-Klassiker. Das unterhaltsame Buch lehnt sich eng ans Original an – mit Modifikationen.

1898 ist Wells’ Kultwerk um den Angriff der Außerirdischen erstmals erschienen, 1938 sorgte eine Hörspiel-Adaption von Orson Welles für Aufregung in Amerika. Viele Hörer hielten den Bericht über eine Alien-Invasion für echt. Das literarische Vorbild war als Satire auf den Kolonialismus des britischen Empires konzipiert. Erzählt wurde die Geschichte aus der Sicht von Walter Jenkins: Der Held irrt durch die Kriegswirren und erlebt die Angriffe, aber auch das Ende der Wesen aus dem All, die den Bakterien auf der Erde nicht gewachsen sind, hautnah mit.

Jenkins spielt auch in “Das Ende der Menschheit” eine Rolle, die Haupt-Erzählperspektive nimmt aber dessen Schwägerin ein. Im Gegensatz zum Original wird – unter Berufung auf Tagebucheintragungen und Notizen – aus der Sicht mehrere Personen berichtet. Baxter, Astronom, Mathematiker und erfolgreiche Science-Fiction-Autor aus Liverpool, hat seine Fortsetzung viel üppiger als Wells’ Roman angelegt, über fast 600 Seiten geht die Rückkehr der Marsianer.

Baxter greift Wells’ Stil auf und imitiert diesen recht sicher. War der “Krieg der Welten” noch in der damaligen Gegenwart des Autors angesiedelt, so spielt Teil zwei in der realen Zeit um den Ersten Weltkrieg. Dieser hat in seiner Form im Buch nicht stattgefunden: “Das Ende der Menschheit” ereignet sich in einer durch die Mars-Attacke geänderten Historie. England hat sich zu einem mit Deutschland verbündeten Militärstaat entwickelt – eine interessanten Ausgangslage. Auch etwas Humor hat Baxter eingestreut (“Wer gebraten wird, braucht keinen Arzt mehr”).

Natürlich müssen anno 2017 die Kämpfer vom Roten Planeten schon mehr bieten als um die Jahrhundertwende: “Wie Churchill es später formulierte: Die heimtückischen Marsianer kehrten aufs Feld zurück, weigerten sich jedoch, nach den Regeln zu spielen”, heißt es an einer Stelle im Buch. So wüten, toben, vernichten und erobern die Fremden aus dem All noch wilder und effizienter – und nicht nur in Südengland.

Etwas weniger Umfang hätte der Geschichte nicht geschadet, manchmal verzettelt sich Baxter zu sehr im Bemühen, Wells gerecht zu werden. Dennoch ist “Das Ende der Menschheit” viel besser als so manches über die Jahre erschienenes Plagiat des “Krieg der Welten”.

(APA)

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