Darum sind die Wahlen in Kasachstan für die Vorarlberger Wirtschaft relevant

Von Marc Springer
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IV-Präsident Martin Ohneberg und NR-Präs. Karlheinz Kopf.
IV-Präsident Martin Ohneberg und NR-Präs. Karlheinz Kopf. - © APA, VN
Am 20. März gehen in Kasachstan die vorgezogenen Parlamentswahlen über die Bühne. Diese werden auch in Vorarlberg genau mitverfolgt. Das an Bodenschätzen reiche Land ist für die heimische Wirtschaft ein interessanter Standort und wichtiger Handelspartner für Unternehmen wie zum Beispiel Gebrüder Weiss, Julius Blum & Co.


Kasachstan ist für viele Vorarlberger ein weißer Fleck auf der Landkarte. Doch es gibt mehr wirtschaftliche Verbindungen als man im ersten Moment vielleicht vermuten würde. Die rohstoffreiche Region liegt in Zentralasien und ist mit einer Fläche von rund 2,7 Millionen Quadratkilometern das neuntgrößte Land der Welt. Um das Kaspische Meer herum liegen große Erdöl- und Erdgasfelder, die wichtigsten Exportrohstoffe des Landes. Diese sind zum Großteil für Europa bestimmt. Im November 2010 hat die Wirtschaftskammer in Almaty sogar eine Außenhandelsstelle gegründet. Kasachstan ist als größter Erdöllieferant auch gleichzeitig der wichtigste österreichische Handelspartner in der sogenannten CCA-Region. Experten schätzen die Erdölreserven am Kaspischen Meer auf rund neun Milliarden Barrel. Zudem ist das Land der größte Lieferant von Uran, rund 40 Prozent der geförderten Mengen stammen aus dem größten Binnenstaat der Erde.

Strategische Schnittestelle

Durch die Lage in Zentralasien nimmt Kasachstan nicht nur geopolitisch, sondern vor allem in wirtschaftlicher Hinsicht eine strategisch wichtige Schnittstelle zwischen Europa und Asien ein. Das nützen auch Vorarlberger Unternehmen.

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Doppelmayr-Lifte in Kasachstan

Die Firma Doppelmayr, Weltmarktführer wenn es um den Bau von Seilbahnen geht, hat schon ein paar Projekte in Kasachstan umgesetzt. Der heimische Seilbahn-Gigant stellte beispielsweise im Jahr 2011  eine neue Gondelbahn– damals die drittlängste der Welt – im Shymbulak-Skigebiet fertig. Weitere Projekte liegen derzeit “aber auf Eis”. Obwohl Doppelmayr derzeit keine neuen Projekte in Kasachstan umsetzt, ist Geschäftsführer Hanno Ulmer – VOL.AT- Informationen zufolge – als Honorarkonsul des zentralasiatischen Staates in Vorarlberg im Gespräch. Offiziell ist – obwohl die WKÖ gegenteiliges berichtet – allerdings noch nichts.

Gebrüder Weiss gründet Standort in Almaty

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kza-gw-moserDas Vorarlberger Logistikunternehmen Gebrüder Weiss hat Anfang März einen Standort in Almaty gegründet, mit rund 1,3 Millionen Einwohnern die größte Stadt des Landes. „Der neue Standort wird als zentrale Drehscheibe für die Regionen um das Kaspische Meer und als Bindeglied zwischen Europa, den GUS-Ländern und vor allem Richtung China fungieren“, erläutert Thomas Moser, Direktor und Regionalleiter Süd-Ost / CIS bei Gebrüder Weiss. In Kasachstan sollen die lokalen Services mittelfristig um Verzollung, Lager- und Logistiklösungen erweitert und mögliche weitere Standorte in der Region eruiert werden.

IV-Präsident Martin Ohneberg: “Sehr interessant”

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“Kasachstan betreibt eine sehr offensive Ansiedlungspolitik”, sagt IV-Präsident Martin Ohneberg auf VOL.AT-Anfrage. “Das ist sehr interessant, insbesondere aufgrund der zehn Sonderwirtschaftszonen, welche durch attraktive Konditionen in- und ausländische Unternehmen anlocken.”

Vorteile für Unternehmen u.a.:

  • Befreiung Körperschaftssteuer und Grundsteuer
  • Immobilien sowie Waren und Dienstleistungen die in einer Sonderwirtschaftszone erstellt und dort verbraucht werden sind von der Mehrwertsteuer befreit
  • Höhere Abschreibungen für IT-Software (40 %)
  • Kostenlose (befristete) Grundstücke
  • Befreiung von Sozialversicherungsbeiträgen

Zudem habe Kasachstan – wie Ohneberg konstatiert – als einziger Nachfolgestaat der ehemaligen Sowjetunion ein erweitertes Partnerschaftsabkommen mit der EU unterzeichnet und stehe auch mit der OECD in engem Kontakt.

Kasachischer Energieminister im Ländle

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Dass die Verbindungen zwischen Kasachstan und Vorarlberg besonders gut sind, unterstreicht auch der Besuch des kasachischen Energieministers, Vladimir Shkolnik, in Vorarlberg. Im vergangenen September nutzte Shkolnik seinen Aufenthalt, um sich im Energie-Effizienz-Musterland Vorarlberg Tipps zu holen, wie man ohne große Rohstoffvorkommen mit der Energie haushaltet.

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Trotz seines Ölreichtums sei sich Kasachstan völlig im Klaren, dass die Wirtschaft zu diversifizieren sei, betonte auch erst unlängst derKasym-Zhomart Tokayev, Präsident der gesetzgebenden Kammer des Parlaments in Astana bei einem Treffen mit Karl-Heinz Kopf.. Vor diesem Hintergrund werde auch die EXPO-2017 in Astana der Energiezukunft gewidmet sein, mit Fokus auf erneuerbare Energien. Dabei besuchte er die illwerke / vkw sowie Bertsch Energy. Apropos Bertsch: Der frühere IV-Präsident und Geschäftsführer der Bertsch Holding, Ing. Hubert Bertsch, gehört zudem dem Vorstand der ÖKG (Österreichisch-Kasachische Gesellschaft) an.

Nicht nur für “Big Player” interessant

Doch nicht nur für die “Big Player” wie Blum oder Doppelmayr ist Kasachstan ein interessanter Markt. Die in Hörbranz ansässige Daunenaufbereiter Sleep­well Kauffmann GmbH hat erst vor kurzem berichtet, dass es in Kasachstan Neukunden im “Premium-Segment” gewinnen konnte. Rund 18 Millionen Einwohner zählt Kasachstan derzeit, Tendenz steigend. Damit bietet Kasachstan auch für kleinere Betriebe Wachstums- und Absatzchancen. Zudem verfügt der zentralasiatische Staat durch seine Öl-Reserven – auch wenn 2015 ein schwieriges Jahr war – über große liquide Mittel.

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Seit rund 25 Jahren wird Kasachstan von Nursultan Äbischuly Nasarbajew regiert. Das kasachische Staatsoberhaupt wird im Ausland durchaus kritisch gesehen, nichtsdestotrotz schafft er den außenpolitischen Spagat zwischen dem „Westen“ und Russland offensichtlich perfekt. Kasachstan gilt – trotz der Erdölkrise im Jahr 2015 und aller Kritik an Nasarbajew – als wirtschaftlich und politisch stabil.

Wahlen in Kasachstan

Aufgrund der bestehenden wirtschaftlichen Verbindungen zwischen Vorarlberger Unternehmen und Kasachstan rücken auch die anstehenden Parlamentswahlen am Sonntag in den Fokus der heimischen Wirtschaftskapitäne. Bei den Wahlen darf wieder mit einem klaren Sieg der Regierungspartei „Nur Otan“ (“Strahlendes Vaterland”) gerechnet werden. „Nur Otan“ vereinigte 2012 mehr als 80 Prozent der Stimmen auf sich, der Rest verteilte sich auf die Demokratische Partei „Ak Schol“ und die Kommunistische Volkspartei. Obwohl am Sonntag mehr Oppositionsparteien antreten werden, ist davon auszugehen, dass der oppositionelle Einfluss gering bleiben wird.


(Quelle: IV)

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