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"Dann hieß es ‚Mandi, du sturer Hund!’"

Ungeplante Karriere: „Dass ich das Amt des Bürgermeisters von vornherein angestrebt habe, war nicht der Fall.“
Ungeplante Karriere: „Dass ich das Amt des Bürgermeisters von vornherein angestrebt habe, war nicht der Fall.“ ©Foto Lerch
Bludenz - Mandi Katzenmayer im Talk mit WANN & WO über jahrelange ­Freundschaften, neue Projekte und „die“ Stadt Bludenz.

WANN & WO: Was war Ihr ­Berufswunsch als Kind, was hat Sie fasziniert?

Mandi Katzenmayer: Die Nummer eins war immer Automechaniker, die Nummer zwei Elektriker. Meine Jugendzeit war sehr schön, was nicht selbstverständlich ist. Ich befand mich stets auf der Sonnenseite des Lebens und hatte tolle Kollegen. Damals trat ich der Jungen ÖVP bei, aber nicht aus politischen Gründen, sondern weil meine Freunde auch dabei waren. Wir haben außerdem bereits seit Anfang der 70er-Jahre den selben Stammtisch und treffen uns jeden Mittwochabend. Das gibt es auch nicht immer, dass man sich nach 45 oder 46 Jahren immer noch trifft. Das mit der Politik hat sich aber erst im Nachhinein so ergeben. Ich habe mich über die damalige politische Situation ausgelassen und man sagte zu mir: „Hör’ auf zu schimpfen, arbeite mit und mach’s besser.“ Da dachte ich mir: Wieso eigentlich nicht?

WANN & WO: Vor Ihrer Bürgermeisterlaufbahn, welche 2005 begann, arbeiteten Sie in der Personalabteilung der Firma Bertsch. Was hat Sie schlussendlich dazu bewogen, sich als Kandidat für das Stadtoberhaupt aufstellen zu lassen?

Mandi Katzenmayer: Ich bin seit 1990 im Stadtrat und seit 1994 Vizebürgermeister. Ich habe immer gerne bei der Stadt mitgearbeitet, blieb aber dennoch bei der Firma Bertsch – dort war ich immerhin ganze 40 Jahre lang! Im Personalbüro hat man auch viele Beziehungen. Als der ehemalige Bürgermeister, Dr. Kraft, wieder seiner Arbeit als Richter nachging, hieß es, ich soll nun Bürgermeister werden. Nach einigen Gesprächen sagte ich dann zu. Zuvor habe ich den Schritt jedoch längere Zeit überlegt und auch alles mit meiner Familie zuhause abgesprochen. Da meine Frau nicht gern in der Öffentlichkeit steht, hat sie von Vornherein gesagt, dass sie mich nur auf die Events und Termine begleitet, welche sie wirklich interessieren.

WANN & WO: Seit der Wahl zum Bürgermeister hat sich Ihr Leben bestimmt stark verändert. Sehnen Sie sich manchmal nach dem Leben „vor“ der Bürgermeister-Ära zurück?

Mandi Katzenmayer: Ich habe immer gesagt: So wie ich bin, bin ich und ich werde mich für diesen Job ganz sicher nicht ändern. Wenn man das akzeptiert, ist es gut so, verstellen würde ich mich aber nicht. Ich mache meine Arbeit wirklich gern, aber dass ich das Amt des Bürgermeisters von vornherein angestrebt habe, war nicht der Fall.

WANN & WO: Hat sich die Arbeit als Bürgermeister in den zwölf Jahren, die Sie jetzt im Amt sind, verändert?

Mandi Katzenmayer: Die Grundaufgaben sind gleich geblieben, beispielsweise die Grundversorgungen wie Schule, die Arbeit mit älteren, aber auch jungen Menschen sowie die Verwaltung und politische Konstellationen. Früher hat die Handschlagpolitik mehr gezogen als in der jetzigen Zeit, heutzutage werden teilweise Vorwürfe gemacht, die haltlos sind. Ich kann jedoch mit solchen Situationen gut umgehen und habe durchaus kein Problem damit.

WANN & WO: Die letzte Bludenz-Wahl war sehr turbulent. Von den NEOS und der SPÖ wurde nach der Wahlkarten-Affäre ihr Rücktritt gefordert. Aus welchem Blickwinkel sehen Sie das Ganze?

Mandi Katzenmayer: Die Wahlen sind ein schwebendes Verfahren, darüber kann ich keine Auskunft geben. Ein Rücktritt ist jedoch nie im Raum gestanden.

WANN & WO: Machen Sie noch einmal einen Wahlkampf durch?

Mandi Katzenmayer: Wieso nicht? (schmunzelt)

WANN & WO: Welches Projekt hat im Moment Priorität in Bludenz?

Mandi Katzenmayer: Da ich früher selbst ein aktiver Schwimmer war, liegt mir das Freizeitbad Val Blu sehr am Herzen. Wir werden das umgebaute Bad im nächsten Jahr eröffnen und ich freue mich sehr darauf. Wir wollten das Ganze nicht überziehen und auch keine Konkurrenz zu anderen Bädern sein. Da wir aber immer schon ein Schwimmbad hatten, soll das auch so bleiben und in das Ganze investiert werden. Es gibt bei uns außerdem einen Schwimmclub mit Atlethen, welche bundesweit unter den ersten Dreien mitschwimmen. Im neuen Bad wird es dann die Möglichkeit geben, Staatsmeisterschaften zu machen, was für unsere Jugendliche eine tolle Sache ist. Im Dezember wird – wenn alles nach Plan läuft – außerdem die neue Saunalandschaft fertig sein, mit Schwimmteich sowie Saunahaus. Ich selber bin kein Saunagänger, mir ist eh schon das ganze Jahr zu heiß (lacht),
aber für die anderen freut’s mich. Das zweite Projekt ist das SeneCura-Heim. Ich habe durch meine Eltern selbst viel von der Pflege älterer, hilfsbedürftiger Menschen mitbekommen und auch beobachtet, wie das Leben in Pflegeheimen abläuft. Die Voraussetzungen im alten Heim waren sowohl fürs Personal, als auch für die Bewohner nicht ideal. Deswegen hab ich gesagt: „Entweder nehmen wir uns diesem Projekt an, oder ich höre auf!“ Dann hieß es zwar „Mandi, du sturer Hund“, aber das hat mit stur nichts zu tun. Die älteren Leute sind diejenigen, die unseren Wohlstand aufgebaut haben und sie sollen auch unsere Unterstützung bekommen, wenn es ihnen nicht mehr gut geht.

WANN & WO: Vor Kurzem erwähnte Thomas Krobath in einem Interview mit W&W die „schwierige Zusammenarbeit mit dem Bürgermeister in Bludenz“. Wie haben Sie das ­empfunden?

Mandi Katzenmayer: Ich habe das nicht so empfunden, wir konnten immer gut miteinander reden. Nach Vorfällen in einer seiner Lokalitäten war es für mich aber aus. Die betreffende Bar war eine tolle Sache und auch ein Highlight für die Ju­­gendlichen, aber es ging einfach nicht mehr. Ich habe schließlich eine Verantwortung.

WANN & WO: Apropos Jugend: Wird sich in der nächsten Zeit was tun in Bludenz? Neue Ausgehmöglichkeiten o. Ä.?

Mandi Katzenmayer: Die Lokale eröffnen ja nicht wir. Wir zahlen eine Wirtschaftsförderung, wenn jemand eine Lokalität eröffnet und unterstützen, wo wir können, aber ein Lokal aufmachen können wir nicht. Was jedoch momentan im Gespräch ist, ist eine Beachlounge beim neuen Freibad, in der man am Abend länger sitzen kann. Wir werden sehen! Lokale wie die Bar „herrMUK“ in der Altstadt muss ich verteidigen: Es kann am Wochenende halt mal lauter werden. Da muss ich die Besucher in Schutz nehmen. Es ist aber nicht einfach, die Anrainer beschweren sich dann. Das ist aber nicht nur in Bludenz so, sondern auch in anderen Städten.

WANN & WO: Bleibt als Bürgermeister genug Zeit für die Familie? Wie sieht Ihre derzeitige private Situation aus?

Mandi Katzenmayer: Ich habe zwei Kinder, drei Enkelkinder sowie seit Kurzem quasi nochmals ein Enkelkind. Es ist ein Pflegekind, ein zwei Jahre alter, blondgelockter Knirps. Mein Sohn und meine Schwiegertochter sind Physiotherapeuten mit einer Praxis in Schruns sowie einer Praxis im Klostertal und haben am Bartholomäberg gebaut. Es geht ihnen und ihren drei Kindern, Gott sei Dank, sehr gut. Nun haben sie beschlossen, einem weiteren Kind eine Chance geben, das es nicht so gut hat und ein Pflegekind aufgenommen. Im Vorfeld mussten sie diverse Kurse machen, danach haben sie lange nichts gehört. An dem Tag, an dem sie in den Urlaub gingen, war dann die Übergabe und der Kleine durfte gleich mit. Es war, als ob er immer mit dabei gewesen wäre. Er fühlt sich wohl in seiner neuen Familie und seine Geschwister reißen sich darum, wer mit ihm reden und spielen darf. Zur ersten Frage: Privat habe ich als Bürgermeister nicht allzu viel Zeit, teile sie mir aber gut ein. Ich habe ja bereits in der Firma Bertsch sehr viel gearbeitet. Das muss man miteinander verwalten und managen. Die Familie gehört einfach dazu!

WANN & WO: Wie sieht es mit Hobbys und privaten Unternehmungen aus? Was machen Sie gerne, wenn Sie mal frei haben?

Mandi Katzenmayer: Im Moment „schwämmla“! Ansonsten laufen, im Garten werkeln, auch Tennis spielen. Und: Ab und zu lege ich die Füße hoch, faulenze einfach eine Stunde und mache gar nichts. Das kann ich auch (lacht).

WANN & WO: Jeder Mensch hat Stärken und Schwächen. Welche sind das bei Ihnen?

Mandi Katzenmayer: Ich behaupte von mir, bodenständig zu sein sowie gut zuhören zu können. Meine soziale Ader ist sehr ausgesprägt! Da ich das Glück habe, dass es mir zu 100 Prozent „sauguat“ geht, unterstütze Mitmenschen,­ denen es nicht so geht, gerne. Mein Temperament geht ab und zu mit mir durch, jedoch nur in Fällen, in denen es das auch wirklich braucht. Es kann etwas ausdiskutiert werden, dann ist es für mich aber auch erledigt. Wenn jemand dann am nächsten Tag zu mir kommt und ­wieder mit demselben Thema beginnen möchte, sage ich: „Das haben wir bereits ­abgeschlossen.“

(WANN & WO)

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