Casinos Austria CEO Karl Stoss: “Ich habe schon in einem Kapuzinerkloster gewohnt“

Von Martin Begle / WANN & WO
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Karl Stoss erhielt Ende November das Große Golden Ehrenzeichen der Republik Österreich.
Karl Stoss erhielt Ende November das Große Golden Ehrenzeichen der Republik Österreich. - © MiK

Casinos Austria CEO Karl Stoss gibt WANN & WO im Sonntags-Talk Einblicke in seine vielfältigen Tätigkeiten, Privates und seinen Werdegang.

WANN & WO: Es ist nicht einfach, einen Termin mit Ihnen zu bekommen. Geht das um die Weihnachtszeit etwas besser?

Karl Stoss: Der Dezember ist einer der anstrengendsten Monate überhaupt. Quartalsabschluss, Jahresende: In allen Aufsichtsräten, in denen ich bin, sind jetzt Aufsichtsratssitzungen. Dazu kommen Weihnachtsfeiern und auch Dinge, die man noch im alten Jahr abschließen möchte. Natürlich ist das alles sehr komprimiert – heute ist mir aufgefallen, dass ich im Jahr 2016 nur fünf Mal in Vorarl­berg gewesen bin. Da gehören Heute und Morgen dazu. Schade, dass man für viele wichtige Dinge zu wenig Zeit hat.

WANN & WO: Wie bringen Sie das alles unter einen Hut?

Karl Stoss: Das ist eine Frage der Erfahrung, aber auch der Selbstdisziplin. Vor allem aber braucht man eine sehr verständnisvolle Partnerschaft, die akzeptiert, dass man nur alle vier bis fünf Wochen mal an einem Wochenende zuhause ist und an keinem Abend vor Mitternacht nach Hause kommt. Ich bin doppelter CEO, sowohl in den Casinos Austria als auch in den Österreichischen Lotterien, CEO bei der Entertainment GmbH (Tochtergesellschaft der Lotterien und der Casinos, mit Win2day, Winwin und tipp3), Aufsichtsratspräsident der Casinos Austria International, Aufsichtsratspräsident Casinos Austria Swiss, Aufsichtsrat Casino Kopenhagen (DNK), Aufsichtsrat Casino Munkebjerg (DNK) und Aufsichtsrat Reef Casino Trust (AUS). Dazu kommen noch weitere Funktionen: Präsident Österreichisches Olympisches Comité, Mitglied Internationales Olympisches Komitee, Mitglied im Investitionsausschuss und im Aufsichtsrat bei Signa, Johann Frischeis Stiftung, Propter Homines Stiftung (LIE), Aufsichtsrat Uniqa Privatstiftung AG und Aufsichtsrat Silvretta Montafon. Das sind mal die wichtigsten Funktionen, die Liste geht aber noch weiter. Dann gibt es auch noch die Familie und Freunde, die natürlich zwangsläufig zu kurz kommen. Und dann gibt es auch noch mich selbst. Es ist aber wichtig, eine Funktion nicht nur innezuhaben, um das auf seine Visitenkarte zu schreiben. Wenn ich etwas annehme, möchte ich dafür verantwortlich Zeit einsetzen. Das ist eine Frage der Einteilung. Am meisten Zeit für mich habe ich im Flugzeug. Dort schlafe ich auch am meisten. 170 bis 200 Flüge im Jahr, 400.000 bis 500.000 Meilen, viele Langstreckenflüge – da schlafe ich halt mal zehn bis zwölf Stunden.

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WANN & WO: Ende November erhielten Sie das Große Goldene Ehrenzeichen der Republik Österreich. Wie empfinden Sie es, so eine Ehrung zu bekommen?

Karl Stoss: Ich sehe das als Anerkennung für die ganze Belegschaft und nehme Auszeichnungen in Vertretung für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entgegen. Darum finde ich es toll, dass wir durch meine Person ausgezeichnet wurden. Es gehört Engagement dazu, das nicht immer nur auf Gewinn ausgerichtet sein sollte. Man muss auch etwas für die Gesellschaft tun. Ich bin dankbar für viele Dinge, die man mir ermöglicht hat, die ich mir aber auch erarbeitet habe. Darum habe ich in vielen Aktivitäten, sozialen, kulturellen und sportlichen Engagements, versucht, einen Beitrag zu leisten. Ich empfinde es als meine Aufgabe, mich nicht auf das zu beschränken, wo ich angestellt bin und einen Lohn bekomme.

WANN & WO: Wie war Ihre Studienzeit?

Karl Stoss: Nach der Matura in der Textilschule und dem Bundesheer habe ich angefangen, bei Benedikt Mäser in der Textilindustrie zu arbeiten. Mein Vorgesetzter hat mir geraten, studieren zu gehen. Ich hab mir das überlegt und mit meinen Eltern besprochen, die mir das aber nicht bezahlen konnten. So habe ich beschlossen, es selbst zu finanzieren. Im Winter war ich Skilehrer und im Sommer Fernfahrer. Ich habe in einem Zimmer des Kapuzinerklosters gewohnt. Das waren einfache Verhältnisse – vier Quadratmeter mit Bett und Schreibtisch, aber ich bin nicht im Luxus aufgewachsen. Es gab keine Heizung, darum war es ziemlich frisch im Winter. Die Kälte hatte aber auch den Vorteil, dass ich relativ schnell studiert habe: In drei Semestern hatte ich den ersten Abschnitt fertig und nach weiteren fünf den zweiten. Das war für mich eine sehr schöne und einprägsame Zeit. Man hat miteinander gejasst, Ausflüge gemacht und konnte ständig reden, wie einem der Schnabel gewachsen ist. Mir ist das Studieren ziemlich leicht gefallen. Darum haben wir auch viele Späßchen unternommen und das Leben genossen. Wenn man versucht, ein kleines Maß an Disziplin walten zu lassen und weiß, wann es genug ist, kann man ein Studium trotz dieser Freuden recht rasch durchziehen.

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WANN & WO: Wäre das anders gewesen, wenn Ihre Eltern Ihr Studium finanziert hätten?

Karl Stoss: Das kann sein, dann hätte der Druck gefehlt. Im zweiten Abschnitt, lernte ich ja meine heutige Frau kennen. Sie war auch aus bescheidenen Verhältnissen und ich wollte nicht, dass ihre Eltern für ihr Studium zahlen. Darum habe ich unsere Wohnung bezahlt. Das sind wichtige Erfahrungen, die man als junger Mensch machen muss. Es gab Zeiten, in denen wir nicht viel zu essen hatten. Dann gab es halt Nudeln mit Ketchup oder einem Rupp-Käsle. Ich habe alle Urlaube hergenommen, um meine Dissertation fertig zu bekommen.

WANN & WO: Also immer vollkommen zielorientiert?

Karl Stoss: Es ist gut, wenn man sich ab und zu mal ablenken lässt, sonst würde man sich selbst kasteien. Aber man muss das richtige Maß finden. Wenn man das schafft, ist auch eine Doktorarbeit keine Doktorarbeit (lacht). Das Vorleben dieser Disziplin hat aber auch große Vorbildwirkung in Unternehmen.

WANN & WO: Wie wichtig ist es, vorzuleben, was man verlangt?

Karl Stoss: Das ist das Allerwichtigste! Man darf nicht nur meinen, was man sagt, sondern muss es auch tun. Sonst ist man ein Wasser predigender Weinsäufer!

WANN & WO: Welche Rolle spielt der Sport in Ihrem Leben? Sie waren ja auch erfolgreicher Wasserballer.

Karl Stoss: Für Sport bleibt kaum Zeit. Ich gehe drei oder vier Tage im Jahr Skifahren, mache zwei, drei Skitouren und zwei bis drei Berggipfel. Alle zwei Jahre nehme ich mir mindestens zwei Wochen Urlaub für Extrembergtouren.

WANN & WO: Welche Gipfel haben Sie schon erklommen?

Karl Stoss: Der höchste war der Lhakpa Ri im Himalaya (7045 Meter). Mehrere Sechstausender, zuletzt den Illimani in Bolivien (6438 Meter). Ich liebe das, denn so verliert man nie die Bodenhaftung, weil man immer mit sehr einfachen Leuten, Sherpas, Trägern, unterwegs ist. Man schläft am Boden, in einem Zelt. Es ist für jeden gleich kalt.

WANN & WO: Sind Sie dabei auch schon in brenzlige Situationen geraten oder mussten umkehren?

Karl Stoss: Ich bin öfter umgekehrt, als ich oben gestanden habe. Da verlasse ich mich auf die Führer, die Erfahrung haben und die örtlichen Gegebenheiten kennen. Wenn die sagen, dass es keinen Sinn macht, füge ich mich deren Rat. Man muss sich auch unterordnen können. Am Berg bin ich nicht der Chef!

WANN & WO: Lässt sich das auch auf die Geschäftswelt umlegen?

Karl Stoss: Absolut! Man kann nicht alles können und braucht Experten, denen man vertraut. Man muss die Leute aber auch kennen, denen man eine Aufgabe anvertraut. Darum reise ich so viel. Ich möchte einen Eindruck gewinnen und nicht nur Berichte und Protokolle lesen. Diese Basis kann man nur durch persönliche Anwesenheit herstellen. Auf einem Berg gehe ich außerdem auch ab und zu über einen Grat oder überspringe einen Graben, was ich mir vorher nicht zugetraut hätte. So ist es auch im Berufsleben.

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WANN & WO: Mussten Sie auch Rückschläge verkraften?

Karl Stoss: Die gibt es tagtäglich. Man bekommt auch mal Baumstämme in den Weg gelegt. Dann muss man überlegen, wie man die Stämme umgeht oder überspringt. Es sind meistens die komplexen Probleme, die zu mir kommen. Was einfach zu erledigen ist, machen meine Mitarbeiter. So habe ich oft mit schwierigen Situationen zu tun, wobei es auch den einen oder anderen Rückschlag gibt. Keiner hat mich aber total demoralisiert.

WANN & WO: Wie blicken Sie in Ihre berufliche Zukunft?

Karl Stoss: Darüber macht man sich natürlich Gedanken. Ein Vorstand in einer AG hat einfach eine beschränkte Laufzeit. Ende 2017 läuft mein Vertrag aus, es findet aber gleichzeitig auch ein Eigentümerwechsel statt. Dann ist es ja logisch, dass Unternehmen, die viele Millionen in die Hände nehmen, um einen Anteil zu kaufen, Aufsichtsräte aus ihrem eigenen Stall bestellen. Der Aufsichtsrat bestimmt auch den CEO. Es kann passieren, dass das nicht mehr ich bin. Ich würde sehr gerne weiterarbeiten. Wenn es nicht sein soll, habe ich dafür vielleicht etwas mehr Zeit für die anderen Funktionen, meine Gesundheit, Yoga und natürlich für die Familie. Zudem möchte ich mehr Zeit für meine Funktionen im Sport aufwenden.

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