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Bürgerhaus neu interpretiert -  Wohnen in einem Möbelstück

Bürgerhaus neu interpretiert -  Wohnen in einem Möbelstück
Holz in Hülle und Fülle - so könnte man das Haus von Brigitte und Hermann Nenning aus Hittisau in wenigen Worten beschreiben. Doch ganz ehrlich. Die Beschreibung wird dem Wohntraum der beiden nicht wirklich gerecht. Wohnen im Holz ist weit mehr. „Mir honds einfach schö“, beschreibt Brigitte Nenning ihr Wohngefühl. In einem Bürgerhaus in Hittisau hat die 46-jährige Religionslehrerin ihr Familienglück gefunden.

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Wenn Hermann Nenning über Holz spricht, scheint es, als hätte Gepetto seine leibliche Reinkarnation in Form eines Zimmermeisters gefunden. In den Erzählungen des 48-jährigen Hittisauers steckt viel Fleisch und Blut. Ähnlich wie in der von Gepetto geschnitzten Figur Pinocchio, die sich nach vielen Abenteuern und Lügengeschichten von einem hölzernen Jungen in einen richtigen Menschen verwandelt.

Auch Hermann Nenning lebt das Holz. Und er schaff t es auf völlig unscheinbare, aber umso raffiniertere Weise, dem Material eine Lebendigkeit einzuhauchen, die bis in die kleinsten Ritzen spürbar ist. Im neu errichteten Bürgerhaus gibt es kaum etwas, dessen Ursprung nicht aus Holz ist. Ein Freund, der einmal zu Besuch war, drückte es folgendermaßen aus: „Das Haus ist wie ein einziges Möbelstück, in dem man wohnt.“ Fußboden, Wände und Decke sind ein Material.

Dadurch erhält der natürliche Rohstoff eine immense Kraft. Er umschließt den Wohnraum mit einer einzigartigen atmosphärischen Wirkung, wie es nur Holzschaffen kann. Der Experte setzte dies gekonnt in Szene. „Beim Wohnen muss man sich selbst spüren“, sagt der Zimmerer.Nenning verwendete hierfür astfreie Weißtanne.

Das strahlt Ruhe aus. Dass man Holz jedoch auch ein Stück weit so lassen muss, wie es ist, spiegelt sich beim 48-Jährigen auf eine weitere Weise wider. Der Bregenzerwälder wagt sich durchaus auch an Experimente mit dem Material, etwa wenn es darum geht, für eine Kirche einen Holzaltar zu bauen.

In diesem Fall wird das Kraftvolle auch im Äußeren sichtbar. Etwa wenn durch Spannungen Risse entstehen, ist das Teil des Eff ektes. Im eigenen Haus werden solche Akzente beispielsweise durch kleine Hocker gesetzt, die im traditionellen Wälder-Schopf platziert wurden.

Trotz der Ruhe, die das vom Architektenduo Michael Cukrowicz und Anton Nachbaur geplante Bürgerhaus refl ektiert, herrscht im Innernen durchaus Weltoff enheit. So sind immer wieder Austausch-Schüler zu Gast bei Hermann und Brigitte Nenning, wie derzeit etwa Kristian aus Norwegen oder Iona aus Mexiko. Dem zehnjährigen Sohn Cornelius gefällt dies besonders. Die beiden Töchter Margerita (17) und Larissa (16) wiederum lernen in Costa Rica beziehungsweise Ecuador neue Kulturen kennen.

Einen Fernseher sucht man im Haus der Wälder Familie hingegen vergeblich. Der 48-jährige Zimmerer und die 46-jährige Religionslehrerin sitzen lieber zusammen, kommunizieren oder lesen. Das schaff t Nähe und Geborgenheit. „Mir honds einfach schö“, drückt es Brigitte mit einem Schuss Spiritualität aus.

Und spätestens, als der rotfarbene Kater der Famile zur Tür hereinkommt, scheint es klar, dass die Verwandlung einer Holzfi gur zum Lebewesen nicht nur bei Gepetto und seinem Pinocchio seine Reinkarnation erfährt. „Ich weiß nicht, ob es unser Kater war, der mich inspirierte oder das Material Holz, dessen Farbe mich beeindruckte. Farbe und Fell verschmelzen zu einer Einheit“, drückt es der Hausherr aus. Die Samtpfote heißt übrigens Madera - das ist spanisch und bedeutet auf Deutsch Holz.

Fakten:

Einfamilienhaus in Hittisau, Brigitte und Hermann Nenning mit Margerita (17), Larissa (16) und Cornelius (10).
Grundstücksfläche: 450 m²
Architektur: Cukrowicz Nachbaur Architekten www.cn- architekten.com
Zimmerer: Hermann Nenning, Hittisau
Planungsphase: ein Jahr
Bauzeit: zwei Jahre
Einzug: 2004
Auszeichnung: Neues Bauen in den Alpen - Architekturpreis Sexten Mention 2006
Konstruktion: Brigitte und Hermann Nenning geben ihrem Haus selbst den Titel ,,eine neue Tradition”. Beim Gründstück handelte es sich um ein Pfarrgrundstück, auf dem ein sogenanntes Bürgerhaus stand. Dies diente als architektonisches Vorbild. So war beiden klar, dass das Erdgeschoss auch wieder gewerblich genutzt werden sollte. Derzeit beheimatet es einen ,”Weltladen”. Die horizontale Verleistung der Fassade im Abstand von sechs Zentimentern ist der Schindelfassade nachempfunden. Auch hier beträgt der Abstand sechs Zentimeter. ,,Wir wollten, dass der neue Baukörper mit den umliegenden Gebäuden kommuniziert”, erklärt der Hausherr. Das tut er auch, indem er sich haromisch ins Ortsbild fügt, als wäre nie ein anderes Haus dagestanden.

VN

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