Bregenzer Festspiele: Peter Eötvös’ “Goldener Drache” überzeugte

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sterreich-Premiere des Musiktheaters nach Schimmelpfennigs erfolgreichem Stück
sterreich-Premiere des Musiktheaters nach Schimmelpfennigs erfolgreichem Stück - © Stiplovsek
Bregenz – Skurril, bunt, schräg – die Österreichische Erstaufführung des zeitgenössischen Musiktheaters “Der goldene Drache” von Peter Eötvös im Rahmen der Bregenzer Festspiele überzeugte am Mittwoch mit eigenem Rhythmus und eigener Dynamik.

Die Besucher der ausverkauften Werkstattbühne zollten nach der letzten Premiere des heurigen Festivals warmen Applaus, Begeisterungsrufe blieben aber aus. “Der goldene Drache” wurde als Koproduktion der Oper Frankfurt und dem Ensemble Modern im Juni vergangenen Jahres uraufgeführt und in derselben Konstellation in Bregenz umgesetzt. Der ungarische Komponist Peter Eötvös schuf auf Basis von Roland Schimmelpfennigs gleichnamigem Theaterstück ein Stück verdichtetes Musiktheater, das von einer Szene zur nächsten rennt, dazwischen immer wieder kurze (Denk-)Pausen macht, inne hält, weiterläuft, sich ständig in neuem Licht darstellt.

Die 21 Szenen: Irgendwo in Deutschland, in der Küche des “Goldenen Drachen” – eines “Thai-China-Vietnam-Schnellrestaurants” – leidet ein illegaler “kleiner Chinese” an grausamen Zahnschmerzen. Ohne Papiere und ohne Versicherung ist ein Zahnarztbesuch unmöglich – seine vier asiatischen Kollegen ziehen den kaputten Zahn auf brutalste Weise mit einer Rohrzange. Doch der Zahn entgleitet, fliegt lange, lange durch die Luft, ehe er in der Thai-Suppe einer Flugbegleiterin landet. “Der goldene Drache” ist aber auch die Episode der Ameise, die die Grille erniedrigt, ausbeutet und zur Prostitution zwingt. Oder das Scheitern eines Liebespaares, weil sie schwanger wird.

18 Rollen für fünf Schauspieler

Die fünf Darsteller – Kateryna Kasper, Hedwig Fassbender, Simon Bode, Hans-Jürgen Lazar, Holger Falk – schlüpfen in der Inszenierung von Elisabeth Stöppler in insgesamt 18 Rollen, wechseln Kostüme (verantwortlich: Nicole Pleuler), Geschlecht und Identität stilsicher im Minutentakt. Sie spielen und singen auf höchstem Niveau, bringen die Geschichte(n) ausdrucksstark auf die Bühne. Die von 16 Instrumentalisten des Ensemble Modern gespielte Musik (Musikalischer Leiter: Hartmut Keil) lebt die Dynamik der Szenen, ist grandios vielfältig, unrhythmisch und sprunghaft. Immer wieder dominieren Perkussionsklänge, aber auch die Streicher zupfen sich in den Vordergrund. Zu Beginn wird auch auf Kochgeschirr Musik gemacht.

Das Bühnenbild von Hermann Feuchter wird dominiert von einem überdimensionalen Wandteppich, der den goldenen Drachen in allen und schillernden Farben zeigt und der zeitweise wie ein Christbaum leuchtet. Als am Ende der Teppich zu Boden sinkt, weil die Asiaten den an der stümperhaften “Zahnoperation” zugrunde gegangenen Chinesen darin einwickeln und im Fluss entsorgen, geht auch der letzte Schimmer verloren. Die anderen Utensilien auf der Bühne – ständig wird etwas anderes benötigt – verströmen schon zuvor wenig bis keinen Glanz, sondern passend zur Handlung Alltagstristesse.

Frohsinn und Nachdenklichkeit

Die Besucher auf der Werkstattbühne spüren den Witz, der in vielen Zeilen steckt. Umgekehrt aber auch manche Absurdität und Tragik als Begleiterscheinung der westlichen Leistungsgesellschaft. Im lang anhaltenden Schlussapplaus mischen sich Frohsinn und Nachdenklichkeit.

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