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Bregenzer Festspiele: Leitung erstmals in weiblicher Hand

Elisabeth Sobotka schließt an David Pountney und die Langzeitleiter Alfred Wopmann und Ernst Bär an Elisabeth Sobotka schließt an David Pountney und die Langzeitleiter Alfred Wopmann und Ernst Bär an - © APA/ Jungwirth (Archiv)
Bregenz – Ab 2015 werden die Bregenzer Festspiele erstmals seit ihrer Gründung 1946 von einer Frau künstlerisch geleitet.

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Die 46-jährige gebürtige Wienerin Elisabeth Sobotka folgt am Bodensee auf den Briten David Pountney, dessen Intendanz 2013 und künstlerische Leitung 2014 endet. Im Vergleich zu seinen Vorgängern war Pountney damit fast eine Kurzzeitbesetzung. Pountney-Vorgänger Alfred Wopmann blieb rund 20 Jahre, dessen Vorgänger Ernst Bär stand den Festspielen gar fast 30 Jahre lang vor.

Ernst Bär wurde 1954 der erste Langzeitleiter der Festspiele. Zuvor zeichnete ein Gremium der “Festspielgemeinde”, der Vorläufer des heutigen Vereins der Freunde der Bregenzer Festspiele, für das Programm verantwortlich. Dieses segnete die geplanten Vorhaben auch nach Bärs Ernennung ab. Der 1919 geborene Bär war Journalist bei den “Vorarlberger Nachrichten” und für das Festival seit seiner Gründung 1946 als “Festwoche” tätig. In seiner bis 1982 dauernden Ära als Direktor wurde das Festspielhaus errichtet, die Besucherzahlen stiegen von rund 51.000 auf 96.000. Bärs Vertrag wurde Ende 1982 nach einem kritischen Rechnungshofbericht gelöst, der der Leitung Misswirtschaft vorwarf. Seither steht dem künstlerischen Leiter ein gleichberechtigter kaufmännischer Direktor bei. Als erster kaufmännischer Direktor wurde 1982 Franz Salzmann installiert, heute hat Michael Diem diese Position inne.

Ab 1983 übernahm Alfred Wopmann die künstlerische Leitung. Der zuvor als Regisseur an der Wiener Staatsoper tätige Welser betrieb eine Öffnung des Programms, er wollte vor allem die Bregenzer für das als elitär geltende Festival begeistern. Er prägte die “Bregenzer Dramaturgie”, die bekannte Mischung aus publikumswirksamen Opern auf der Seebühne und Raritäten im Haus, und führte die Reihe “Kunst aus der Zeit” (KAZ) sowie einen Jugendtag ein. In seine Zeit als Direktor fielen große Erfolge auf der Seebühne wie “Die Zauberflöte” (1985/86), “Der fliegende Holländer” (1989/90), “Nabucco” (1993/94) oder “Fidelio” (1995/96) – die drei letztgenannten übrigens inszeniert von David Pountney. 1989 fand der eingeleitete Reformprozess mit der Überführung der Festspiele in eine GmbH ihren Abschluss, Wopmann und Salzmann waren seither auch Geschäftsführer.

Die begonnene Demokratisierung der Bregenzer Festspiele wurde von dem Briten David Pountney ab 2004 weiter vorangetrieben. Bei seinem Antreten von Präsident Rhomberg als “Idealkandidat” vorgestellt, betonte Pountney stets sein Anliegen, Festspiele für jedermann machen zu wollen. Er setzte auf Produktionen, die unterhaltsam und von hohem künstlerischen Anspruch, aber dennoch verständlich sein sollten. Viel beachtet waren etwa die Schwerpunkte zu Ernst Krenek (2008) und Mieczyslaw Weinberg (2010). 2010 verkündete Pountney, künftig noch einen Schritt weitergehen zu wollen: Standen bisher als Hausopern Raritäten auf dem Programm, wurden ab 2011 neue Opern gezeigt. Heuer ist daher die Uraufführung von “Solaris” des deutschen Komponisten Detlev Glanert zu hören.

Pountneys Vertrag als Intendant war zunächst bis 2013 befristet, für 2014 bestand lediglich eine Regievereinbarung für die Seebühnenproduktion. Nach einiger Verwirrung rund um seine neuerliche Bewerbung als Festival-Leiter wurde der Kontrakt des Briten im Jänner 2011 für die Saison 2014 verlängert. Im April 2011 erklärte Pountney dann aber, Bregenz doch 2013 verlassen zu wollen, um ein Angebot der Walisischen Nationaloper anzunehmen.

Als Pountneys Nachfolger ab 2015 wurde Ende Mai 2011 Roland Geyer, Intendant des Theater an der Wien, vorgestellt. Der damalige Festspielpräsident Günter Rhomberg nannte Geyer seinen Wunschkandidaten, von dem er sich “eine dritte Pionierphase der Festspiele” nach 1950 und 1980 versprach. Im Jänner 2012 gab die Bregenzer Festspiele Privatstiftung überraschend bekannt, dass man die Zusammenarbeit wegen “unüberbrückbarer Auffassungsunterschiede” einvernehmlich beende. Zugleich mit der Trennung wurde bekannt, dass Pountney die Saison 2014 künstlerisch verantworten wird. Am 3. März 2012 erfolgte die Neuausschreibung der Intendantenstelle, bis 25. Mai bewarben sich laut Angaben des neuen Festspielpräsidenten Hans-Peter Metzler 24 Kandidaten für die Stelle.

Die künstlerischen Leiter der Bregenzer Festspiele seit 1946:

  • 1946 bis 1954: Gremium der Bregenzer Festspielgemeinde
  • 1954 bis 1982: Ernst Bär
  • 1983 bis 2003: Alfred Wopmann
  • 2004 bis 2014: David Pountney (Intendant bis 2013)
  • ab 2015: Elisabeth Sobotka

(APA)

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