Bregenzer “Cosi fan tutte” im neuen Festspiel-Opernstudio machte Lust auf mehr

"Cosi fan tutte": Ausdauernder Applaus für junges Sängerensemble
"Cosi fan tutte": Ausdauernder Applaus für junges Sängerensemble - © VN/ Johannes Fink
Bregenz. Erfrischend präsentierte sich am Montagabend Mozarts “Cosi fan tutte” im neuen Opernstudio der Bregenzer Festspiele. Die Mitwirkenden durften sich im Kornmarkttheater über langen Schlussapplaus freuen. Man wolle mit dem neuen Format in die Zukunft der Sänger, aber auch in die des Festivals investieren, so Intendantin Elisabeth Sobotka im Vorfeld. Ein guter Anfang ist nun jedenfalls gemacht.

Regisseur Jörg Lichtenstein siedelte das Geschehen der 1790 uraufgeführten Mozart-Oper auf einer Hinterbühne an, also backstage während und nach der Aufführung eines fiktiven Mantel- und Degenstücks. Im Bühnenrausch lassen sich Guglielmo und Ferrando selbstsicher auf eine Wette mit Don Alfonso ein, die die Treue ihrer Geliebten Fiordiligi und Dorabella auf die Probe stellen soll. Am Ende bleiben sie alle mit dem Schmerz und der Enttäuschung zurück, dass sie selbst und ihre Partner ganz anders sind, als sie dachten. Entgegen dem Original spielen die beiden Frauen im Glauben, sich unter Kontrolle zu haben, bewusst bei dem Selbstversuch mit.

Diesen zeitgemäßen Ansatz durchzuhalten, erweist sich im Verlauf des Stücks als nicht immer einfach. Dennoch gelang Schauspiellehrer Lichtenstein eine Persönlichkeitsstudie rund um Vertrauen, Treue und Verrat mit wunderbaren leisen Momenten. Die sechs jungen Darsteller, großteils aus dem Opernstudio der Berliner Staatsoper Unter den Linden, sangen ihre anfängliche Nervosität weg und ernteten immer wieder Zwischenapplaus. Dass es sich also auch um ein Nachwuchsprojekt handelte, vergaß man als Zuseher sehr bald.

Sonia Grane bewies komisches Talent und gab eine quirlige und vielseitige Despina. Mit Bühnenpräsenz und Ausdruck überzeugte Annika Schlicht als Dorabella. Im ersten Akt gelegentlich noch verhalten, steigerte sich Stephen Chambers zu einem gefühlvollen Ferrando, der sich am Ende über Bravo-Rufe freuen durfte. Ebenso wie Fiordiligi-Darstellerin Kelebogile Pearl Besong, deren leidenschaftliche Soli viel Freude bereiteten. Maximilian Krummen machte als Guglielmo nicht nur schauspielerisch eine gute Figur. Grigory Shkarupa legte seinen Alfonso etwas steif als Dandy an, stimmlich agierte er vielversprechend. Das Symphonieorchester Vorarlberg unter Hartmut Keil stellte sich ganz in den Dienst der Sänger, wofür das Publikum viel Beifall zollte. Der Prager Philharmonische Chor war als Tonbandaufnahme präsent, seine Auftritte wurden geschickt ins Bühnengeschehen eingeflochten.

Die Bühne wurde von Susanna Boehm wohltuend sparsam möbliert: eine Bühnenwand, Schminktische, Garderobenständer, einige Stühle. Sie zeichnete auch für die Videoeinspielungen verantwortlich, die die beiden Liebespaare beim Plantschen im Bodensee zeigen. Die Kostüme von Jutta Delorme changieren wie die Inszenierung zwischen Spiel – barocke Kleider für die Damen, Degen für die Herren – und der Realität, die ihren Ausdruck in Smartphones und Alltagskleidung findet.

Sobotkas “Experiment auf allerhöchstem Niveau” darf also insgesamt als geglückt bezeichnet werden. Für die kommenden Jahre hat die Intendantin mit “Don Giovanni” und “Le nozze di Figaro” weitere Mozart-da Ponte-Werke für das Opernstudio geplant.

Mozarts “Cosi fan tutte” im Rahmen der Bregenzer Festspiele

  • Inszenierung von Jörg Lichtenstein
  • Es spielt das Symphonieorchester Vorarlberg unter Leitung von Hartmut Keil
  • Mit u.a. Maximilian Krumme: Guglielmo, Sonia Grane: Despina, Annika Schlicht: Dorabella, Kelebogile Pearl Besong: Fiordiligi, Grigory Shkarupa: Don Alfonso
  • Bühne: Susanna Boehm, Kostüme: Jutta Delorme
  • Weitere Aufführungen im Kornmarkt-Theater am 18., 20. und 22. August
  • Weitere Informationen hier

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