Smodics macht Bregenzer Kultursommer perfekt

Von Gemeindereporter Harald Pfarrmaier
StR Michael Rauth, Erich Smodics, Bgm. Markus Linhart, Ausstellungskurator Thomas Schiretz.
StR Michael Rauth, Erich Smodics, Bgm. Markus Linhart, Ausstellungskurator Thomas Schiretz. - © H. Pfarrmaier
Bregenz. (hapf) Die Landeshauptstadt widmet ihre Sommerausstellung Erich Smodics. Gezeigt wird im Künstlerhaus Palais Thurn & Taxis bis 27. August 2017 das „Werkleben“ des Künstlers. Eine Schau, den Zeitraum von 55 Jahren umspannend, mit einer Reihe älterer und erstmals zu sehender Arbeiten.  

Erich Smodics, der heuer 76 Jahre alt wurde, ist ein Getriebener. Ob als Maler, Zeichner oder Bildhauer: er muss der in ihm tobenden, nach außen drängenden Kunst freien Lauf lassen, seine künstlerische Seele bloß legen. Die Schau im Künstlerhaus gibt Einblick in das Denken und Fühlen des Künstlers und seine ungeheuerliche Ausdruckskraft.

Werke aus 55 Jahren

„Smodics könnte leicht viermal das ganze Künstlerhaus bespielen“, sagt Thomas Schiretz vom Kulturamt Bregenz und Kurator der Sommerausstellung. Fast entschuldigt er sich dafür, nur Erdgeschoss, 1. OG und das Dachgeschoss mit Werken des Künstlers ausgestattet zu haben. „Den Keller ließen wir außen vor.“ Schiretz ist es in enger Zusammenarbeit mit Smodics gelungen, eine Auswahl von rund 200 Werken zu treffen, die das schier unerschöpfliche Schaffen des Künstlers aus 55 Jahren beeindruckend reflektieren, die DEN Smodics zeigen. Und das ist angesichts der Fülle an Arbeiten kein leichtes Unterfangen.

Der Körperingenieur

Von den frühen Anfängen, exzentrischen Landschaftsansichten, die abseits jeder Idylle meist zerstörte Natur zeigen, bis hin zu immer mehrdeutigen, teils an Rudolf Hausner erinnernde Arbeiten, drängt alles hin zum „Körperingenieur“ Smodics. Körperformen sind seine Obsession. Er vermisst Körper, zerlegt sie mathematisch, setzt sie wieder zusammen und bedient sich dabei einer Formensprache, die in ihrer Expressivität menschliche Ängste, Unsicherheiten erkennen lassen. Er, der gelernte Formenstecher, Textilzeichner und –grafiker, der schon in jungen Jahren künstlerische Anfänge mit Kasperlfiguren und Kopien von Postkarten mit Motiven von Van Gogh oder Turner setzte, stellte den Körper in den Mittelpunkt seines Schaffens.

Tänzerischer Herumfuchtler

„Die Kombination von Leib und Geräte bringen den Smodics dazu, eine, seine Erfindung zu machen, die er nennt: ‚Menschine’, also Mensch-Maschine“, schreibt Commendatore Himi Burmeister in seinen „11 Seitenblicke auf Smodics“. Er sieht in Smodics eine Spezies Euklid, einen tänzerischen Herumfuchtler mit launischer Geometrie, der sich mit Sekanten, Tangenten, Winkelmessern und Hypotenusen an seine Aktmodelle heranmacht. Und der Bregenzer Bürgermeister Markus Linhart schreibt in einem Vorwort: „Smodics gab neben der äußerlich wahrnehmbaren Form vor allem der Suche nach der inneren Figur Raum. Damit schuf er wie durch eigenwillige morphologische Studien völlig neue Motive, die jenseits der bisherigen Grenzen der bildnerischen Darstellung liegen.“ Es ist die Architektur des Körperbaus, die Verhältnisse der Körperteile, es ist die Gefühlswelt, die sich durch Köperhaltungen ausdrücken, was ihn fasziniert.

Austellungen und Auszeichnungen

Erich Smodics war mehrfach an der Art Basel, der Art Cologne, der Art Frankfurt, der Messe Düsseldorf und der Kunst Wien beteiligt. Seine Arbeiten finden sich u. a. in der Grafischen Sammlung Albertina, Wien, im Lentos Kunstmuseum, Linz, im Vorarlberg Museum, in der Frankfurter Börse und in der Artothek des Bundes. 1981 wurde sein Schaffen an der „Art Expo“ in New York vorgestellt und zuvor an der Grafik-Biennale in Frechen. Galerien und Ausstellungshäuser wie Timm Gierig, Frankfurt, Spektrum Wien, Secession, Wien, die Galerie Peithner-Lichtenfels, Wien, und das Palais Thurn & Taxis, Bregenz, sind Fixpunkte für seine Kunst. Mehrere Auszeichnungen und Preise weisen auf seine herausragende künstlerische Arbeit. Darunter finden sich der Vorarlberger Kunstförderpreis 1978, das Gaststipendium des Deutschen Kulturinstituts Villa Romana in Florenz 1982 und 2008 der erste Preis der Zeichenbiennale Kosova in Pristina.

Filmisches Polak-Vermächtnis

Der Vorarlberger Filmemacher Robert Polak hat Erich Smodics über zwanzig Jahre mit der Kamera begleitet. Heuer wollte er den Film anlässlich der Sommerausstellung fertig stellen. Doch Robert Polak verstarb völlig überraschend im letzten Oktober. Birgit Foerster, seine ehemalige Studentin und spätere Kollegin an der Filmakademie, hat sich bereit erklärt, diesen Film zu vollenden. Das Landesmuseum zeigt das filmische Portrait des Künstlers am Donnerstag, 27. Juli 2017, um 19.00 Uhr. Die Musik zum Film schrieb übrigens der Harder Gitarrist und Komponist Benni Bilgeri.
Katalog zur Ausstellung
Zur Ausstellung wurde ein vom Bregenzer Grafiker Robert Maier geschaffener Katalog aufgelegt. Auf über 250 Seiten sind dabei alle Facetten von Erich Smodics zu erleben. Eingearbeitet sind Zitate des Künstlers und Beiträge verschiedenster Kunsthistoriker, Galeristen, Freunde und Begleiter des Künstlers. Am Katalogende ist auf 20 Seiten eine bebilderte Biografie des Künstlers und seiner internationalen Ausstellungstätigkeit zu finden.

Info

Erich Smodics, Werke 1962 – 2017
Sommerausstellung der Landeshauptstadt Bregenz
Künstlerhaus Palais Thurn & Taxis, Gallusstraße 10, 6900 Bregenz
Ausstellungsdauer: bis 27. August 2017
Öffnungszeiten: Dienstag bis Samstag, 14 bis 18 Uhr, sonntags, 12 bis 18 Uhr Führungen: jeden Sonntag um 15 Uhr mit Erich Smodics

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