5. September 2008 04:42; Akt.: 5.09.2008 04:42

"Kindi" von oben ein Hakenkreuz

Kindergarten hebt sich deutlich aus der Achsiedlung ab. Kindergarten hebt sich deutlich aus der Achsiedlung ab. - © Google Maps
Bregenz – Ein herziger Kindergarten nimmt von oben besehen plötzlich böse Formen an. Aus dem Häusermeer der Achsiedlung hebt sich der Kindergarten deutlich als Hakenkreuz ab. Ansicht auf Google Maps  (105 Kommentare)
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Erst glaubt man an einen Scherz. Leser-Reporter René Bereuter zog erst Vergleichsfotos zurate. Peter Erath von der Bregenzer Liegenschaftsverwaltung ging es ähnlich, als er das Luftbild erstmals in Händen hielt. Kopfschüttelnd packte er es zu den Akten.

Ebenerdig unauffällig

Von der Erde aus betrachtet, hat sich zwischen die Wohnblöcke der Bregenzer Achsiedlung ein kuscheliger Kindergarten eingenistet, ganz aus Holz errichtet. Auch von den Dächern der umliegenden Häuser herab wird nichts Sonderbares deutlich. Aber das Luftbild lässt den Betrachter erst zusammenzucken. Mitten zwischen den Wohnblöcken hebt sich deutlich in rötlich-brauner Farbe ein Hakenkreuz ab. Die Stadt Bregenz ließ diesen Kindergarten 1975 errichten. Die Architekten Wratzfeld, Albrecht und Schulze-Fielitz ersannen laut Bregenzer Stadtbaumeister Bernhard Fink ein überaus funktionales Gebäude. Und es stimmt: Jede Kindergruppe hat ihr eigenes großzügig bemessenes Zimmer, vorgelagert führt jeweils ein eigener Raum mit Garderobe ins Freie. „So entstand ein Schuh- und ein Patschenraum.“ Der vierte Gebäudeflügel, der identisch errichtet wurde, bleibt den Kindergärtnerinnen vorbehalten. Über die Mitte dieser vier zusammenhängenden Gebäudeflügel erhebt sich ein Gemeinschaftssaal.

Dachfarbe entscheidend

Das alles ergibt zusammen nicht im entferntesten den Grundriss des bekannten Nazi-Symbols. Weil aber die vier quadratischen Vorräume Flachdächer tragen, die anders gestrichen wurden als die Tonziegel der übrigen Gebäudedächer, entsteht bei totaler Draufsicht von oben der fatale Eindruck. „Würden wir die Dachfarben angleichen, wäre der Effekt vom Tisch“, sagt Fink. Ob die Stadt das tun wird, ist offen. Sie befände sich damit freilich in bester Gesellschaft. Erst im Frühjahr hat eine ähnliche Entdeckung ungleich viel größeren Ausmaßes die US-Navy bewogen, gut 600.000 Dollar in die Hand zu nehmen. Ausgerechnet ein Militärstützpunkt nahe von San Diego sieht aus der Vogelperspektive wie ein Hakenkreuz aus. Die Gebäude stammen aus den späten Sechzigerjahren. 40 Jahre fiel niemandem was auf. Die Häuser lagen in einer Flugverbotszone. Erst als Satellitenbilder im Internet auftauchten, brachte die Konstruktion eine Debatte ins Rollen. Jetzt wird die Marine Photovoltaik-Zellen auf den Dächern installieren. Durch weitere Sichtschutzmaßnahmen und Umbauarbeiten im Gesamtwert von 600.000 Euro will die US-Navy sicherstellen, dass die „unangemessene Gebäudeform“ für immer verschwindet.


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