18. September 2012 16:51; Akt.: 18.09.2012 16:51

Hubert von Goisern in Bregenz

Hubert von Goisern Hubert von Goisern
Hubert von Goisern hat seiner Musik das Fell abgezogen. Nach seiner opulent instrumentierten Donautournee und seinem epischen letzten Album “S‘Nix” erzählt er nun in bis aufs Gerippe gehäuteten neuen Liedern von den grundlegenden Zusammenhängen des Lebens.
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Annemarie KaufmannMeine Gemeinde Redaktion

„Brenna tuats“- Tour 2012 HUBERT VON GOISERN & BAND Mittwoch, 17. Oktober 2012 BREGENZ (A), Werkstattbühne Einlass: 19 Uhr – Beginn: 20 Uhr

Dem Sänger aus dem Salzkammergut sind auf “Entweder und Oder”, radikal reduzierte Songs gelungen, die ein Mann durchaus auch alleine zur Gitarre vortragen kann, wenn es hart auf hart kommt. Doch gemeinsam mit seiner Band, die nur noch aus Schlagzeug, Bass und Gitarre besteht, hat er in seinem Salzburger Studio zwingend treibende Musik eingespielt, die auf dem Weg zur Versöhnung waghalsige Wendungen nimmt. Nach großen Abenteuern und intensivem Auskundschaften wagt es Hubert von Goisern nun, an den Ausgangspunkt seiner Musik anzuschließen.

Als Hubert von Goisern vor einen Vierteljahrhundert die Alpinkatzen gegründet hat, bedurfte die Musik aus den Bergen einer radikalen Neuausrichtung: Der Weltreisende, der zuvor in Südafrika als Chemielaborant gearbeitet hatte, in Kanada als Skiverkäufer und in Bad Ischl im Salzbergwerk, warf ihr das Gewand zweitgemäßer Popmusik über, als die achtziger Jahre ein bisschen verloren in die neunziger schwappten. Gleichzeitig trieb er ihr die Verlogenheit aus. Später sog der unermüdliche Kulturbotschafter in seinen Produktionen traditionelle Klänge aus Afrika und Tibet auf, ehe er auf seinen beiden “Trad”-Alben die Musik seiner gebirgigen Heimat intensiv inhalierte. Zuletzt rief Hubert von Goisern ein klingendes Konzertschiff ins Leben, mit dem er zwei Sommer lang die Donau entlangfuhr – aufgeladen mit osteuropäischer Inspiration, bis ins ukrainische Donaudelta hinein.

“Die Donautour war für mich der Mount Everest, sodass hinterher eine Reduktion notwendig und logisch war”, sagt Hubert von Goisern. “Und als sich im vergangenen Jahr dann beim Schreiben herauskristallisiert hat, welch einfache, ja manchmal fast naive Lieder bei mir anklopften, war ich richtig erschrocken.” Seine jungen Verbündeten vom Donauschiff, der Schlagzeuger Alexander Pohn, der Bassist Helmut Schartlmüller und der Gitarrist Severin Trogbacher, mussten den 58-jährigen Innovator der österreichischen Musikszene erst einmal davon überzeugen, zu seinen sehr direkten, geradlinigen neuen Lieder zu stehen. Mit ihrer ganzen Wucht – aber auch mit all ihrer Feinfühligkeit – schufen sie unter der Regie des Produzenten und Songwriters Hubert von Goisern den radikal entschlackten Klangkosmos eines hochkonzentrierten Sängeralbums.

Denn das ist es, was beim Hören von “Entweder und Oder” zunächst verblüfft: Wie klar, wie dicht, wie direkt Hubert von Goisern sein ganzes Album innerhalb von drei Tagen eingesungen hat – übrigens mit einem alten AKG-Mikrofon, das nach jeder Stunde eine längere Ruhepause zur Abkühlung benötigte. Und nicht nur der Sänger singt: Der Zuhörer singt mit – innerlich zunächst, bald aber auch laut, obwohl ihm die ganz neuen, noch unbekannten Lieder erst langsam zu Gefährten werden. Das hat nichts mit Idylle zu tun – im Gegenteil: Der unweigerliche Drang, mitzusingen, rührt schlicht daher, dass Hubert von Goisern Lieder aus purer Substanz geschaffen hat, die so vertraut und so natürlich klingen, als hätten sie immer schon existieren müssen.

Dem Leben selbst wendet sich Hubert von Goisern sehr ernsthaft im emblematischen Großsong des Albums zu: “Es is wias is” erzählt auf ganz ungeschminkte Weise vom Vorübergehenden, vom Vergänglichen, vom Wandel und dem ewigen Kreislauf des Unabänderlichen. Das ruhigste Stück von “Entweder und Oder” verschafft mit aufreizend schleppend vorgetragenem Barjazz Hubert von Goiserns Klarinette den Raum, die Geschichte von der ewigen Wiederkehr (aber auch, humorvoll im Lied vertäut, von der individuellen Abnutzung), ein zweites Mal wortlos zu erzählen – aber alles andere als stumm. “Es is wias is” steht nicht zufällig im Zentrum eines Albums, das sich sowohl musikalisch als auch textlich den elementarsten Aspekten des menschlichen Seins widmet: Der Liebe. Der melancholischen Erinnerung, die sich in “Nit lang her” ihren Weg bis zum grausam schönen Mundharmonikasolo bahnt, dem Abschied in der stillen Pianoballade “Lebwohl”, dem ewigen Missverständnis in “Suach da an andern”, diesem schroff instrumentierten Song mit der wild tanzenden Maultrommel. Gleich darauf, im rein instrumentalen “Über-unter-ober-Österreicher” entfalten sich schwindelerregende Klangserpentinen, auf denen der wieder ausgegrabenen Ziehharmonika zugleich Würgemale und zarteste Liebkosungen angedeihen. Selten zuvor hat Erkenntnis so entschlossen gegroovt wie auf diesem Album, das bezeichnenderweise mit einem Lied endet, in dem sich “Es is wias is” bei Sonnenschein spiegelt. Weniger wäre dann doch nicht er.



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