Bodensee-Friedensweg 2017: Gegen Krieg und für eine Kultur des Friedens

Von el.We. Tester
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Rund 800 Leute demonstrierten am Ostermontag in Friedrichshafen für eine Kultur des Friedens.
Rund 800 Leute demonstrierten am Ostermontag in Friedrichshafen für eine Kultur des Friedens. - © © Peter Roth
In Friedrichshafen gingen am Ostermontag ca. 800 Friedensbewegte für eine Friedenskultur auf die Straße. Ein starkes Zeichen gegen vorherrschende Kriegslogik und ein Aufruf zum gewaltfreien Widerstand zu Gunsten einer Wende zur Kultur des Friedens.

Frauen, Kinder und Männer aus Vorarlberg, den deutschen und schweizerischen Osten und Städten um den Bodensee bewegten sich – angeführt von der Vorarlberger ATTAC-Rhythmusgruppe (Leitung: John Gillard) – von der Anlegestelle am Hafen in einem bunten Zug durch die Stadt und versammelten nach einen Drei-Stationen-Weg auf dem Adenauerplatz vor dem Friedrichshafen Rathaus zur Abschlusskundgebung. Es ging den Teilnehmern_innen darum, die gesellschaftsdominante ‘Logik des Krieges’ aufzudecken und sie forderten gleichzeitig eine radikale Wende hin zu einer Kultur des Friedens. Der deutsche Journalist Andreas Zumach, bekannter Friedensfreund und UNO-Korrespondent, der in Genf arbeitet und lebt, hielt eine Grundsatzrede zum Motto des Int. Bodensee-Friedensweges: “Friedenskultur entwickeln – die zentrale Herausforderung für uns alle”.

 

Er könne sich nicht erinnern, jemals an Ostern eine derart “spannungsgeladene internationale Krisensituation” vorgefunden zu haben. Rund 800 Zuhörern_innen hatten starken Windböen, der Kälte und dem zeitweilig leichten Regen zum Trotz ein offenes Ohr für die von Zumach geforderten fünf Punkte Voraussetzungen für die Entfaltung einer Kultur des Friedens.  Erstens: Nur hartnäckige Beharrlichkeit bringt Fortschritte. Der erste Ostermarsch gegen die atomare Aufrüstung fand vor 64 Jahren in Grossbritannien statt. Kürzlich erst, haben Verhandlungen in der UNO zu einem Abkommen über ein vollständiges Verbot aller Atomwaffen begonnen – ein Erfolg der Beharrlichkeit der Friedensbewegung. Während Österreich als klarer Nicht-Atom-Staat eine führende Rolle einnimmt, kritisierte er die Zurückhaltung der deutschen Bundesregierung, weil sie sich die Option einer eigenen atomaren Bewaffnung im Rahmen europäischer Verteidigungspolitik offenhalten will. Zweitens Bereitschaft zum Dialog mit allen, die an kriegerischen Konflikten beteiligt sind. Als aktuelles Beispiel nannte Zumach die Eskalation der Situation mit Nordkorea. Anstatt mit Drohungen, sollte man deeskalieren und mit der Regierung verhandeln. Selbst gegenüber dem IS sei diese Haltung gültig, auch wenn dies heute also noch fast unmöglich erscheint. Denn der Krieg gegen den Terrorismus ist weitgehend gescheitert.

 

Drittens: Einen klaren Kopf behalten. Beispielsweise in Syrien, wo die Umstände des schrecklichen Giftgas-Ereignisses erst klar ermittelt werden sollte. “Indizien sind noch keine Beweise“ sagt Zumach und fordert eine UNO-Untersuchungskommission zur Klärung. Nicht nur die Regierungen nimmt Zumach in die Pflicht, sondern auch an alle Medienkonsumenten_Innen: “Gebt euch mindestens drei Stunden, bevor ihr Likes weiterverbreitet, nehmt euch Zeit, die Quelle jeder Information zu eruieren». Viertens: Die Friedensbewegung darf nicht einäugig sein. Verstösse gegen das Völkerrecht der westlichen Regierungen sollten ebenso kritisiert werden wie diejenigen anderer Mächte, erläuterte er am Beispiel Annexion der Krim durch Russland. Fünftens: Die Widerstandsfähigkeit gegen unfriedliche Entwicklungen stärken. Friede braucht den gesellschaftlichen Streit. Der sicherheitspolitische Konsens auf militärischer Basis muss aufgebrochen werden, die Entwicklung der Friedenskultur braucht provokativen, gewaltfreien Widerstand in allen Formen. Als konkretes Beispiel nennt er die Verweigerung, sich an Kriegsfinanzierung zu beteiligen, indem der Steueranteil für militärisch-kriegerische Zwecke zurückgehalten wird. “Nur mit phantasievollem Widerstand können wir uns aus der Logik des Kriegs zu einer des Friedens hin bewegen“ ist die zentrale Botschaft der Schlußkundgebung.

 

Der Frauen gegen Krieg und Gewalt. An drei Stationen des Friedensweges kamen drei Frauen zum Wort: Anne Rieger vom Kasseler Friedensratschlag verlangte mehr Geld für die Rüstungskonversion (Umwandlung von Rüstungsproduktion in zivile Güterherstellung), sie sei „die Schwester der Abrüstung“ und an Stelle militärischer Aufrüstung, sollte in gesellschaftlich nutzbringende Arbeit und Projekte investiert werden. Claudia Haydt (Tübinger Informationsstelle Militarisierung) forderte zivile Konfliktlösungen statt Rache und Vergeltung. Krieg sei die denkbar schlechteste Antwort auf Konflikte und Gewalt, zivile Konfliktlösungen können die Spirale von Gewalt und Gegengewalt brechen. Die Schweizer Nationalrätin Claudia Friedl aus St. Gallen, forderte als Antwort auf die aktuelle Situation, die türkische Regierung auf, alle politischen Häftlinge freizulassen, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit wieder herzustellen, die Repression gegen das kurdische Volk zu stoppen und den Krieg in der Osttürkei und Syrien zu beenden.

 

Zum Internationalen Bodensee-Friedensweg 2017 hatten mehr als 60 kirchliche, soziale und friedenspolitische Organisationen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland aufgerufen. Eine Gruppe Friedensbewegter aus Vorarlberg nahm wie jedes Jahr am IBFW teil. Die Vorbereitungen für die gelungene Veranstaltung standen erstmals unter der Leitung des Lindauers Frieder Fahrbach. (pr/wb) 

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