BP-Wahl: Hofer liegt auf Facebook hauchdünn vorn

Von Daniel Pichler
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Hofer hat die Nase vorn.
Hofer hat die Nase vorn. - © APA
Einer umfangreichen Facebook-Analyse zur Wahl zufolge liegt Norbert Hofer bei den Interaktionen auf dem sozialen Netzwerk knapp vor Alexander Van der Bellen.

Das österreichische Start-Up Storyclash, dass sich unter anderem auf die Analyse von sozialen Medien spezialisiert hat, hat die Facebook-Reaktionen auf Artikel zur Präsidentschaftswahl, die in dem Netzwerk geteilt wurden, unter die Lupe genommen. Als Datenbasis dienten insgesamt 1.000 Artikel aus österreichischen Medien und von offiziellen Facebook Accounts. Im Zuge der Analyse konnten dabei 586 Artikel den beiden Kandidaten klar zugeordnet werden.

Ein knappes Rennen

Fokussiert man sich auf den Zeitraum nach dem aufgehobenen zweiten Wahlgang, liegt Hofer bei den Interaktionen um Haaresbreite voran. Hofers 1.26 Millionen Interaktionen (50,7%) stehen Van der Bellens 1,22 Millionen Interaktionen (49,3%) im gleichen Zeitraum gegenüber. Der Blick auf die Ergebnisse in den einzelnen Reaktionen offenbart ein spannendes und facettenreiches Bild. So liegt Hofer unter anderem bei den Comments (53,1%) und Shares (59,3%) vorne, muss sich jedoch etwa bei den Likes und “Loves” Van der Bellen geschlagen geben, der hier 50,9% beziehungsweise 57,8% aller entsprechenden Reaktionen verbuchen konnte. Allerdings hat der ehemalige Grünen-Chef auch bei den negativen Reaktionen wie „Sad“ und „Angry“ die Nase vorn, wie nachfolgend zu sehen ist.

Die Bedeutung der Medien

Das Team von Storyclash ist außerdem der Frage nachgegangen, welche Austro-Medien besonders häufig über einen der beiden Kandidaten berichtet haben. Auffallend ist hierbei, dass vor allem die Facebook Seite von FP-Chef HC Strache für die meisten Interaktionen für Norbert Hofer verantwortlich ist – und das noch vor jener Hofers selbst.

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Bei Alexander Van der Bellen findet man hingegen eine etwas breiter gefasste Berichterstattung vor. Dadurch sind auf folgendem Graphen auch mehr relevante Medien vertreten. Während Norbert Hofers Top Five 90,6% all seiner Interaktionen ausmachen, summieren sich diese bei seinem Konkurrenten Van der Bellen auf “nur” 73,0%. Dieser wiederum war im “Facebook-Wahlkampf” sehr auf seinen offiziellen Account angewiesen; 46,2% aller VdB-Interaktionen kamen von hier.

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Und wie ist die Stimmung im Land?

Das Storyclash-Team hat zudem ausgewertet, wie die Reaktionen der Österreicher auf jene Artikel ausgefallen sind, die die Bundespräsidentschaftswahl zum Thema hatten. Aufgrund dieser Reaktionen kann die allgemeine Stimmung im Land sehr gut eingefangen werden. Die Reaktion “Angry”, welche in der Regel eine besonders emotionale und meist stark ablehnende Haltung ausdrückt, findet besonders bei Beiträgen Heinz-Christian Straches überproportional häufig Verwendung, wie unten deutlich zu sehen ist: 59,8% aller Angry-Reaktionen, welche Hofer zugeordnet wurden, gehen auf das Konto des offiziellen Accounts des freiheitlichen Bundesparteiobmanns.

Die offizielle Seite Alexander Van der Bellens verbucht dagegen relativ wenige Angrys. Allerdings weist das Storyclash-Team darauf hin, dass die die “Angry”-Reaktion viele Deutungsmöglichkeiten zulässt. So kann sich das Angry zwar durchaus gegen den Verfasser des Beitrags richten, User hinterlassen jene Reaktion jedoch auch häufig, um ihrer Empörung über einen im Beitrag geschilderten Missstand Ausdruck zu verleihen.

Interaktionen im Zeitverlauf

Betrachtet man die Reaktionen im Zeitverlauf – beginnend ab Juni 2016 – ergibt sich ein spannendes Bild. Hatte Norbert Hofer noch bis August die Nase deutlich vorne, so holte Alexander Van der Bellen in Folge deutlich auf: Von September bis Oktober konnte er mehr Interaktionen verbuchen. Auch momentan spricht das Momentum klar für Van der Bellen.

Trotzdem konnte Hofer, wenn man die Interaktionen, die seit dem Folgetag der aufgehobenen Wahl vom 22. Mai zustandekamen kumuliert, einen komfortablen Vorsprung herausarbeiten.

Wer zieht in die Hofburg ein?

Der Sieger der Facebook-Interaktionen ändert sich je nachdem, welcher Ausgangspunkt gewählt wird. Dies symbolisiert zugleich den erneut sehr knappen Ausgang der Wahl, die uns bevorsteht. Verdeutlicht wird dies noch durch folgende Grafik, bei der einmal Norbert Hofer (gewertet ab 23. Mai) mit 50,7% und einmal Alexander Van der Bellen (gewertet ab 1. Juli) mit 51,6% als Sieger hervorgeht. Nimmt man also die totale Menge an Interaktionen als Gradmesser heran, so hat Hofer die Nase vorn. Betrachtet man hingegen das Momentum der vergangenen Wochen, so spricht dieses klar für Herrn Van der Bellen.

(Red./Grafiken: Storyclash)

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