Binnenkanal wird hochwassersicher

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Hochwasserrückhaltebecken im Bereich Rheinauen – hier ist ein Damm zu den Steuerelementen geplant. Hochwasserrückhaltebecken im Bereich Rheinauen – hier ist ein Damm zu den Steuerelementen geplant. - © Stefan Peter
Für 5,3 Millionen Euro wird ein Hochwasserprojekt umgesetzt.

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Hohenems, Altach. Diesen Herbst soll am Rheintalbinnenkanal in Altach und Hohenems ein großes Projekt gestartete werden: Rund zwei Jahre lang werden Bagger und Bauarbeiter damit beschäftigt sein, einen umfassenden Hochwasserschutz umzusetzen. Entstehen wird im Bereich Rheinauen in Hohenems ein großes Hochwasserrückhaltebecken im Bereich Rheinauen mit Dammumschließungen und Regulierungsbauwerk, das ein Rückhaltevolumen von 330.000 Kubikmetern besitzt und eine Fläche von rund 30 Hektar einnimmt. Zusätzlich soll eine Regulierung und Renaturierung der Längsgerinne erfolgen. Das Ziel ist es, nicht nur die Hochwassersicherheit zu gewährleisten, sondern auch für eine verbesserte Wasserqualität zu sorgen. „Das 5,3 Millionen Euro teure Projekt ist notwendig, um 160 Gebäude und 30 Betriebe vor den Überflutungen eines 100-jährigen Hochwassers zu schützen“, so Thomas Blank von der Vorarlberger Wasserwirtschaft.

Binnenkanal ausgebaut

Ursprünglich flossen die Hinterlandentwässerungen in den Alten Rhein. Im Zuge der Rheinregulierung wurde vor rund 100 Jahren der Rheintalbinnenkanal zur Binnenlandentwässerung errichtet. Er fließt bis zur Mündung der Dornbirner Ache und in späterer Folge direkt in den Bodensee, ohne Verbindung zum Rhein. Der Emsbach fließt als Zubringer in den Rheintalbinnenkanal, im Oberlauf sind es der Emmebach, beziehungsweise der Koblacher Kanal. In den 80er-ahren wurde festgestellt, dass die Abflusskapazität nicht ausreicht. So wurde der Rheintalbinnenkanal, sukzessive ausgebaut. Der Querschnitt wurde geweitet und der Kanal vertieft. Noch im Urzustand ist der letzte Kilometer bis zur Landwirtschaftsschule Hohenems. „In diesem Bereich muss wegen der Grundwassersituation und torfiger Böden mit Bau-schwierigkeiten gerechnet werden“, so Jürgen Rusch, Projektleiter des Rheintalbinnenkanalprojekts. Das Hochwasserprojekt wurde deshalb in Richtung modernem Schutzwasserbau überarbeitet. Statt einem klassischen Längsausbau mit Eintiefung ging dabei die Möglichkeit, schon im Oberlauf in Altach ein Retentionsbecken vorzuschalten, als Bestvariante hervor.

Pegelmessstationen

Im Wesentlichen besteht das Projekt aus Steuerelementen, die im Mündungsbereich vom Emmebach und Koblacher Kanal beim Schwimmbad Rheinauen errichtet werden, und mehreren Umschließungsdämmen. Der Wasserstand wird laufend von Pegelmessstationen kontrolliert. Bei Überschreiten eines bestimmten Pegels werden die Steuerelemente automatisch geschlossen und der Überflutungsraum wird kontrolliert geflutet. Dafür werden keine separaten Bauwerke erstellt, das Wasser wird natürlich zurückgestaut und ausufern gelassen. Die Steuerelemente sind Stahlbetonbauwerke mit jeweils zwei Hubschützen pro Gerinne. „Jene Grundeigentümer, die die Flächen für den gezielten Rückhalt zur Verfügung stellen, erhalten im Anlassfall eine Entschädigung. Zuvor war es einfach natürlicher Überflutungsraum und der Landwirt musste damit leben. Mit dem Ausbau bekommt er Geld dafür. Es ist eine Win-win-Situation für alle“, erklärt Projektleiter Rusch. Die Dämme sollen durch Erhöhungen von verschiedenen Feldwegen und Straßen realisiert werden. Die gehen fließend ins Gelände über, sodass man von den Retensionsbecken und den erstellten Bauwerken wenig sieht. „Das Becken wird ein ganz seichtes Becken“, so Jürgen Rusch. Im HQ100 Anlassfall (statistisch maximales Hochwasser in 100 Jahren) wird mit einer Durchschnittseinstautiefe von 80 Zentimetern gerechnet. Ziel ist es, den monotonen Verlauf des Rheintalbinnenkanals zu strukturieren und ökologisch zu verbessern. Die Linienführung soll leicht pendelnd ausgeführt werden, soweit dies innerhalb der Grundstücksgrenzen möglich ist.

Lebensraum Ufer

Mit flacheren Böschungen soll der Zugang zum Gewässer erleichtert werden und damit den Lebensraum Ufer aufwerten, sowohl für die Tierwelt, als auch für die Naherholung. Im Gewässer wird mit Störsteinen der Lebensraum für die Fische verbessert. Auch eine Niedrigwasserrinne ist vorgesehen, damit der Flusslauf nicht trocken fällt, was für alle darin lebenden Tiere sehr wichtig ist.

 

Text: Stefan Peter

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