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„Bin glücklich, dass ich noch da sein darf“

Evelyn Flatz (47) überlebte Brustkrebs. Seither lebt sie viel intensiver. „Jeder Moment zählt.“

Evelyn Flatz fühlte, dass etwas Großes auf sie zukommt. „Ich wusste nicht, ob es gut oder schlecht ist, ob der Traumprinz kommt oder ob ich von einem Auto niedergefahren werde. “ Zwei Wochen später, am 3. Oktober 2013, bekam sie die Diagnose Brustkrebs. Bis dahin hatte es im Leben der 43-jährigen Lustenauerin kein Ereignis gegeben, das sie völlig niedergeworfen hätte. Aber als der Arzt ihr sagte, dass in ihrer rechten Brust vier bösartige Tumore wuchern, brach das Fundament unter ihren Füßen weg. „Um mich herum drehte sich alles. Ich schwebte im Nichts. Dann warf es mich knallhart auf den Boden der Realität. Ich musste mich mit handfeste Dingen beschäftigen: mit Ärzten, mit der Behandlung und mit dem Testament.“

Der Tod machte ihr keine Angst
Das Schlimmste für die alleinerziehende Zweifach-Mutter war nicht der Gedanke an den Tod. „Der Tod hat mir nie Angst gemacht. Denn seit Kindheitstagen an habe ich die Gewissheit in mir, dass wir Menschen wiedergeboren werden.“ Das Schlimmste war für sie die Sorge, die Kinder verlassen zu müssen. „Der Gedanke, dass sie ohne Mutter groß werden, tat mir unheimlich weh.“ Bevor sie sich operieren und die rechte Brust abnehmen ließ, nahm die leidenschaftliche Tänzerin noch an drei öffentlichen Flamenco-Aufführungen teil, für die sie ein Jahr geprobt hatte. Die Halbspanierin tanzte wie noch nie, so als ob es ihr letzter Tanz wäre. „Jede Körperzelle vibrierte, jede Zelle tanzte. Mein Körper feierte 43 Jahre.“ Danach ging sie „gelassen“ und mit sich im Reinen ins Spital. „Ich dachte mir: ,Was auch kommt, ich bin bereit, bereit für einen schwierigen Weg, bereit zum Sterben oder bereit, völlig neu anzufangen.‘“ Die schwerkranke Frau kämpfte nicht gegen die Krankheit, Evelyn akzeptierte sie vielmehr. „Ich nahm mein Schicksal an und wurde weich wie Wasser.“ Die OP war erfolgreich, der Befund gut. Der Krebs hatte glücklicherweise noch nicht gestreut. Deshalb musste sich Eveyln keiner Chemotherapie oder Bestrahlung unterziehen, sondern „nur“ einer Antihormontherapie. Diese hatte aber so massive Nebenwirkungen, dass die Lustenauerin entschied, Gebärmutter und Eierstöcke entfernen zu lassen. „Es war der richtige Schritt“, sagt Evelyn, obwohl sie danach vorübergehend in ein Loch fiel.

Am meisten Kraft schöpfte sie im Zusammensein mit den Kindern. Evelyn überstand diese schwere Zeit aber auch dank ihres großen Vertrauens in eine höhere Macht. „Mir war klar, dass alles so kommt, wie es kommen muss und dass ich es annehmen kann. Ich vertraute darauf, dass alles seine Richtigkeit hat, egal wie es ausgeht.“ Evelyn ist unendlich dankbar dafür, dass alles gut ausgegangen und sie heute krebsfrei ist. „Ich bin glücklich, dass ich noch für meine Familie da sein darf.“ Seit ihrer schweren Erkrankung ist ihr auch bewusst, dass das Leben begrenzt ist. „Vor dem Krebs spürte ich die Endlichkeit nicht. Ich dachte, dass ich vieles aufschieben könnte. Aber das ist eine Illusion.“ Heute macht sie jene Sachen, die sie immer tun wollte, zum Beispiel reisen oder Bücher schreiben wie jenes, in dem sie ihr Schicksal aufgearbeitet hat („Auf der anderen Seite der Glaswand“). Auch banale Vorhaben wie Spaziergänge verschiebt sie nicht auf morgen. „Wenn es mich juckt, dann tue ich es.“ Früher war sie mit ihren Gedanken entweder in der Vergangenheit oder in der Zukunft. Der Krebs jedoch katapultierte sie ins Jetzt. „Ich bin heute viel öfter im Hier und Jetzt. Jeder Moment zählt.“ Dadurch hat ihr Leben an Intensität gewonnen. „Ich erlebe Freude und Wut jetzt viel stärker.“

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